Propaganda-Streaming-Dienst Netflix auf Nordkoreanisch

Kaum jemand kann in Nordkorea ins Internet. Trotzdem startet das Regime jetzt offenbar einen eigenen Streamingdienst, der Dokumentationen über die Mächtigen oder Sprachprogramme senden soll.

Screenshot von Bericht des nordkoreanischen Staatssenders
KCTV

Screenshot von Bericht des nordkoreanischen Staatssenders


Über den neuen Streamingdienst informierte laut einem Bericht der Seite "NK News" das nordkoreanische Staatsfernsehen. Mit der Streamingbox namens "Manbang" - übersetzt: "überall" - die über das landeseigene IPTV funktionieren soll, können Nutzer demnach Dokumentationen über das Regime und außerdem Programme zum Englisch - und Russisch-Lernen wählen.

Den Zuschauern sollen dem Bericht zufolge fünf Programme und ähnliche Funktionen, wie man sie von Netflix kennt, zur Verfügung stehen.- Alle Inhalte aber sind wohl vom Regime kontrolliert.

Hinzu kommt, dass die Zahl der potenziellen Nutzer sehr begrenzt sein wird: In Nordkorea hat außer der politischen Führung so gut wie niemand Zugang zum Internet. In der Diktatur setzen die Machthaber vielmehr auf ein eigenes Intranet mit einer begrenzten Anzahl an Websites, die staatlich kontrolliert werden. Pjöngjang hat sogar ein eigenes Betriebssystem namens Red Star entwickeln lassen, gedacht für den Einsatz im nordkoreanischen Intranet.

Anfang des Jahres ermittelte die Kommunikationsagentur "We are social", dass inNordkorea bei 25 Millionen Einwohnern etwa 7000 Menschen online sind. Aber auch diese kleine Zahl bedeutet laut den Autoren der Untersuchung nicht, dass wirklich 7000 Menschen Zugang zum Internet haben. Einem Sprecher von "We are social" zufolge handle es sich bei diesen Zugriffen aus Nordkorea wohl vor allem um Geschäftsleute aus anderen Ländern, die mit dem Smartphone ihre Facebook-Timeline abrufen.

anr

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