Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Erlass des Innenministeriums: NRW-Polizei muss ihre Facebook-Freunde siezen

Screenshot der Facebookseite der Essener Polizei: "Wundert euch also nicht über die sich jetzt ändernden Postings und Kommentare." Zur Großansicht
Polizei NRW Essen/ Facebook

Screenshot der Facebookseite der Essener Polizei: "Wundert euch also nicht über die sich jetzt ändernden Postings und Kommentare."

Schluss mit der lockeren Ansprache: Das Innenministerium von Nordrhein-Westfalen verbietet Polizeibehörden, ihre Facebook-Freunde zu duzen. Im Netz hagelt es Kritik dafür.

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen darf ihre Facebook-Freunde nicht mehr duzen. Auf ihrer Facebook-Seite berichtet die Essener und Mülheimer Polizei von der Neuregelung durch das von Ralf Jäger geleitete NRW-Innenministerium. "Durch einen landesweiten Erlass sind wir dazu angehalten, ab sofort das Duzen hier auf Facebook einzustellen", heißt es in der Statusmeldung. In dem Beitrag werden die Leser ein letztes Mal geduzt: "Wundert euch also nicht über die sich jetzt ändernden Postings und Kommentare."

Die Essener Polizei äußerte sich auf Anfrage von "Der Westen" zurückhaltend. "Es gibt einen Erlass des Innenministeriums. Diesen Erlass setzen wir um und duzen vom heutigen Tage an die User auf Facebook nicht mehr", sagte Polizeisprecher Marco Ueberbach.

Im Netz stößt die Entscheidung auf Unverständnis, viele Facebook-Nutzer kritisieren den Erlass. "Gerade durch die schönen Postings der Polizei NRW Essen wie auch der Feuerwehr Essen habe ich mich positiv angesprochen gefühlt. Das mag sich jetzt zwar mit dem 'Sie' nicht ändern, aber es schafft doch wieder eine Distanz", schreibt eine Nutzerin. Das Siezen sei ein Zeichen für fehlende Bürgernähe und gehe gegen die Gepflogenheiten in sozialen Netzwerken.

Wie das NRW-Innenministerium "RP Online" auf Nachfrage erklärte, gilt der Erlass bereits seit Dezember. Alle Polizeidienststellen seien gleichzeitig informiert worden.

Die Essener Polizei hat bei Facebook rund 10.000 Freunde. Über ihre Facebook-Seite verbreitet sie vor allem Verkehrsmitteilungen, Fahndungsaufrufe und Meldungen aus der Pressestelle. Ein typisches Posting lautet zum Beispiel: "Am Sonntag wird es im Innenstadtbereich zu Sperrungen kommen. Denkt daran, dass auch einige Halteverbotszonen eingerichtet werden! Stellt ihr euer Auto dort ab, wird es aller Voraussicht nach abgeschleppt."

Fünf Stunden, nachdem die Polizei das Duz-Verbot verkündet hat, hat sie übrigens bereits ordnungsgemäß mit dem Siezen begonnen. In einem neuen Beitrag heißt es: "Uns ist der respektvolle Umgang mit den Bürgerinnen und Bürgern sehr wichtig. Sie können von der Polizei immer erwarten, höflich angesprochen zu werden. Die Kommunikation mit Ihnen ist und bleibt uns wichtig."

kbl

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Eine Frage der Höflichkeit
Pagurus 21.01.2015
Und als nächstes duzen sich Richter, Staatsanwalt und Angeklagter, oder wie? Der Erlass vom Innenministerium ist schon vernünftig. Mir geht es auch auf den Senkel, dass ich fast jedes Mal im Handy-Shop geduzt werde. Scheinheilige Du-Freundlichkeit für 25 EUR im Monat!
2. Verstaendlich
Malshandir 21.01.2015
Da das Duzen eines Polizisten als Beleidigung gilt, kann man so etwas nur aufrechterhalten, wenn man nicht selber duzt.
3. Ungefragt geduzt
rugall70 21.01.2015
Zitat von PagurusUnd als nächstes duzen sich Richter, Staatsanwalt und Angeklagter, oder wie? Der Erlass vom Innenministerium ist schon vernünftig. Mir geht es auch auf den Senkel, dass ich fast jedes Mal im Handy-Shop geduzt werde. Scheinheilige Du-Freundlichkeit für 25 EUR im Monat!
Sehr irritiert bin ich häufig auch von Firmen-Anschreiben oder Werbesprüchen, in denen ich ungefragt geduzt werden. Haben diese Firmen nur Kinder als Kunden?
4. Hmmm..
rickybobby 21.01.2015
...heisst es dann auch: "Die Polizei, Ihr Freund und Helfer"?
5. Auf Facebook
schokomuffin 21.01.2015
duzt man sich, ist ja voll albern, haben die keine anderen Probleme?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: