NSA-Affäre Google-Manager Schmidt greift US-Regierung an

Als "großen Mist" bezeichnet Google-Manager Eric Schmidt im SPIEGEL die verwässerte Reform der Überwachungsgesetze in den USA. Mit dem deutschen Vizekanzler Gabriel trifft sich der Spitzenmanager in Kürze zum Gespräch.

Google-Manager Eric Schmidt: Gespräche in Deutschland
AFP

Google-Manager Eric Schmidt: Gespräche in Deutschland


Hamburg - Der Vorsitzende des Google-Verwaltungsrats, Eric Schmidt, geht scharf mit dem amerikanischen Geheimdienst und der US-Regierung ins Gericht. Die NSA-Enthüllungen hätten "die gesamte Firma in Aufruhr versetzt und wütend gemacht", sagte er im SPIEGEL-Gespräch.

Das Vorgehen der US-Sicherheitsbehörde habe "einen massiven Vertrauensverlust" ausgelöst. Die Einbußen für das Unternehmen seien bislang indes nicht sehr hoch, auch wegen neu eingeführter Verschlüsselungssysteme: "Unsere Wissenschaftler sind mindestens so gut wie die der NSA. Wir sind ziemlich sicher, dass wir jetzt nicht zu knacken sind."

Kategorisch bestritt Schmidt jede aktive Zusammenarbeit seines Konzerns mit der NSA: "Es gab keine längerfristigen Vereinbarungen, wir arbeiten nicht zusammen, es gibt keine Genehmigung, auf unsere Infrastruktur zuzugreifen. Das gab es nicht, gibt es nicht und wird es nicht geben." Die kürzlich erfolgte Verwässerungeines US-Gesetzes, das die Aktivitäten der NSA eindämmen sollte, durch das Weiße Haus bezeichnete Schmidt als "großen Mist". Man sei auf einem guten Weg gewesen, aber: "Sie haben es versaut."

In Europa steht Google zunehmend in der Kritik. Schmidt plant ein Treffen mit Vizekanzler Sigmar Gabriel, um mit ihm über seine scharfe Kritik an der Marktmacht des Konzerns zu diskutierten. "Ich freue mich sehr auf das Gespräch mit ihm", so Schmidt, der in der kommenden Woche nach Deutschland reist.

Schmidt setzt dabei offenbar auf das Prinzip Aufklärung. "Manchmal wissen unsere Kritiker nicht allzu viel über uns." Der Google-Chairman zeigt sich über den zunehmenden Gegenwind aus Europa überrascht und räumt eigene Fehler ein: "Ich bin über die Entwicklung der letzten Monate ziemlich beunruhigt, weil wir das so nicht erwartet haben. Wir haben versucht, das Richtige zu tun, meinten, alles im Griff zu haben, und dann kam diese Explosion." Google arbeite deshalb "jetzt sehr hart daran, alles zu verändern, was wir ändern müssen".



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Loddarithmus 06.06.2014
1. Och joh?
Google arbeite deshalb "jetzt sehr hart daran, alles zu verändern, was wir ändern müssen". Ich auch, Google, ich auch.
blob123y 06.06.2014
2. Bevor Goggle diese zigtausendmal bewiesenn
Unregelmaessigkeiten, in Englisch Scam, nicht erledigt hat ist das kein ernsthafter Geschaeftspartner mehr. Mehr? > http://www.cnet.com/news/new-lawsuit-accuses-google-of-adsense-fraud/ Ich frage mich nur ob der Spiegel es sich traut auch mal eine unangenehme Wahrheit zu bringen.
einmensch2013 06.06.2014
3. Glaubhafte Abstreitbarkeit
Mr Schmidt und seine Firma sind an US-amerikanisches Recht gebunden. Demnach dürfte er eine Zusammenarbeit mit der NSA gar nicht zugeben. So viel dazu. Wow, grosse Töne. Liebes Google, wenn Ihr so "hart arbeitet", warum legt Ihr meine WLAN Passwörter dann unverschlüsselt auf Eure Server? Ich meine, gut, im Fall der Fälle bin ich dann fein raus, aber das wäre so einfach zu realisieren. Danke ES für die Unterrichtung!
M1970 06.06.2014
4. Geld. Geld. Geld.
Davor haben sie Angst mehr nicht. Die Datenkrake interessiert sich nicht für unsere Privatsspähre und wenn die Schreiben "Wir sind mindestens ..." dann glaube ich das sofort. Google macht nichts anderes. Unter dem Strich fliest das Geld (durch die Erkenntnisse von Dir und mir) in die Manager-Taschen. Bei der NSA fliessen die Erkenntnisse in die Wirtschaftsförderung der USA und in die Einschüchterung und Manipulation der restlichen Welt. Herr Schmidt vergessen Sie es einfach. Die Desinteressierten machen mit Ihnen weiter Kasse. Die anderen versuchen ein Bogen um Sie zu machen.
M1970 06.06.2014
5. Geld. Geld. Geld.
Davor haben sie Angst mehr nicht. Die Datenkrake interessiert sich nicht für unsere Privatsspähre und wenn die Schreiben "Wir sind mindestens ..." dann glaube ich das sofort. Google macht nichts anderes. Unter dem Strich fliest das Geld (durch die Erkenntnisse von Dir und mir) in die Manager-Taschen. Bei der NSA fliessen die Erkenntnisse in die Wirtschaftsförderung der USA und in die Einschüchterung und Manipulation der restlichen Welt. Herr Schmidt vergessen Sie es einfach. Die Desinteressierten machen mit Ihnen weiter Kasse. Die anderen versuchen ein Bogen um Sie zu machen.
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