Aktionstag wegen NSA-Affäre Hunderttausende protestierten gegen Massenüberwachung

Websites trugen Schwarz, Zehntausende US-Wähler riefen ihre Abgeordneten an, mancherorts wurde auch offline demonstriert. Am Protesttag gegen Massenüberwachung haben Hunderttausende eine Reform der Überwachungsgesetze gefordert.

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Hamburg - Mit mehr als 71.000 Anrufen bei US-Abgeordneten und 236.000 Unterschriften haben am Dienstag Netznutzer gegen Massenüberwachung protestiert. Das erklärte die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation. Zu dem "Tag, an dem wir uns wehren" hatte eine große Allianz aus politischen Organisationen, Firmen und Website-Betreibern aufgerufen.

Mehr als 6000 Websites riefen ihre Besucher dazu auf, eine Petition zu unterschreiben - oder, sofern es sich um Besucher aus den USA handelte, ihre Abgeordneten anzurufen. Ron Wyden, der im Geheimdienstausschuss des Senats sitzt und sich für Bürgerrechte einsetzt, rief über Twitter zu dem Protest auf.

Mehrere seiner Kollegen sowie Mitglieder des Repräsentantenhauses meldeten sich ebenfalls zu Wort und kritisierten die NSA-Überwachung. Auf Twitter sammelte sich der Protest unter dem Hashtag #StopTheNSA. Die Website Politico hat mehr als ein Dutzend Tweets von Politikern gesammelt, die sich gegen Überwachung und zum Teil für den USA Freedom Act aussprechen.

Den Gesetzesvorschlag haben ein Demokrat und ein Republikaner gemeinsam eingebracht. Sie wollen die Macht der NSA begrenzen. Auch Google unterstützt das Gesetz. Der Konzern erklärte am Dienstag, es sei nun an der Zeit, die Überwachungsgesetze zu reformieren. Ähnlich äußerte sich Facebook. Ebenso erklärten sich Twitter und Tumblr solidarisch mit den Protesten gegen Massenüberwachung.

Im Gegensatz zu den Protesten gegen die umstrittenen Copyright-Gesetze Sopa und Pipa vor zwei Jahren blieben die Proteste der Webfirmen am Dienstag allerdings zahm. Damals hatte Google seine Homepage mit einem schwarzen Balken versehen. Am Dienstag musste ein Eintrag im Firmenblog reichen.

Bereits im Dezember hatten acht große Webfirmen die Regierungen der Welt aufgefordert, das Sammeln von Nutzerdaten einzuschränken. Die Konzerne fürchten angesichts der Enthüllungen um Marktanteile. Das Vertrauen von Kunden und Nutzern in amerikanische Unternehmen ist seitdem gestört. Die IT-Firma Cisco nannte im Dezember die NSA-Enthüllungen als Grund für Umsatzeinbrüche.

Der "Tag, an dem wir uns wehren" war dem Internet-Aktivisten Aaron Swartz gewidmet, der sich vor einem Jahr das Leben genommen hatte. Swartz hatte sich für freies Wissen eingesetzt, dabei Gesetze übertreten und war dafür mit aller Härte von Behörden verfolgt worden. Vor zwei Jahren hatte er dabei geholfen, den Protest gegen Sopa und Pipa zu organisieren.

Am Dienstag wurde nicht nur virtuell gegen Massenüberwachung protestiert. Weltweit versammelten sich kleinere Gruppen von Demonstranten, etwa im schwedischen Göteborg, in der philippinischen Hauptstadt Manila und in Berlin. In San Francisco projizierten Demonstranten eine Botschaft auf ein Gebäude des Telefon- und Internetanbieters AT&T. 2006 hatte ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma enthüllt, dass von dort Daten an die NSA weitergeleitet wurden.

Die Initiatoren gaben sich zufrieden mit ihrem Protesttag. Die Electronic Frontier Foundation warnte trotzdem: Der Kampf für Internet-Freiheit sei kein kurzer Sprint, sondern ein Marathon.

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personalprivacy 12.02.2014
1.
...die Regierungen der Welt aufgefordert, das Sammeln von Nutzerdaten einzuschränken." Naja, vielleicht sollten diese „Webfirmen“ bei sich selbst anfangen. Proteste sind gut und wichtig. Kleine Verhaltensänderungen, die Überwachung schwieriger machen bringen aber mehr (meine Meinung).
genugistgenug 12.02.2014
2.
es wird auch Zeit.... es gibt nur völlige Offenheit! Doch vor diesem Paradigmenwechsel fürchten sich die bisherigen Vertuscher! *Petition: Bundesverdienstkreuz für Edward Snowden * bitte unterzeichnen und teilen, danke ** https://www.openpetition.de/petition/online/bundesverdienstkreuz-fuer-edward-snowden Lasst uns die Welle machen………… posted was die Leitungen hergeben!
immernachdenklicher 12.02.2014
3. Menschen der Welt, schaut auf dieses Land
Die US-Amerikaner kriegen wenigstens den A... hoch und protestieren vor dem weißen Haus. Das ist sehr mutig in diesem Land, wo die Polizeigewalt heftiger angewendet wird als hierzulande.
shadowmaker72 12.02.2014
4. Ein Tropfen auf dem heißen Stein
Weltweit nur 236000 Unterschriften. Wahrscheinlich die meisten aus den USA. Die Überwachung und Verletzung der Privatsphäre betrifft alle. Auf der ganzen Welt. Man fragt sich, ob so ein Ergebnis wirklich nur aus der Unwissenheit heraus resultiert und sich viele einfach nicht bewusst sind, was da geschieht und sich immer weiter ausbreitet. Immerhin ist das, was wir erfahren ja nur die Spitze des Eisberges. Jedem sollte es ein Anliegen sein, dass seine Privatsphäre und Meinungsfreiheit geschützt bleibt. Andere Grundrechte sind ja auch so verteidigenswert, dass man zu Hunderttausenden auf die Straße geht. Als Armutszeugnis muss auch die mangelnde Beteiligung der Medien angesehen werden. Der Spiegel ist da nicht ausgenommen. Vielleicht wäre in diesem Zusammenhang auch ein Erinnern an 1962 hilfreich. Für alle Medien.
Niederländischer Beiträge 13.02.2014
5. eine stinkende Kloake
Wir sind alle belogen . In den Niederlanden, in Millionen von Handys durch die NSA angezapft ... das wurde zuerst gedacht Monate in den Niederlanden .... Aber das ist eine stinkende Kloake , die ihresgleichen sucht . Seit dieser Woche kommt der Affe aus dem Sack ... und sogar eine niederländische Minister Misstrauen genommen .... Denn es scheint, dass die niederländische Sicherheitsdienst selbst Telefone blutet und die Amerikaner " NSA " hat während der Untersuchung vergangen ... . Ja, liebe deutsche Freunde , Sie haben richtig gehört .... es hat eine sehr politische Reihe, die rollen ... oder leider verdeckt leitet werden . In der niederländischen Politik In der gesamten EU gesehen wurde von der NSA angezapft wurde, habe ich meine ernsthaften Zweifel ... vielleicht war es zu Ihrer eigenen Sicherheit Kontrolldienst , die, wie die Holländer, die für ihre amerikanischen Freunde gearbeitet haben ... sehr loyal Meiner Meinung nach , die einfach genannt wird landveraad . Komm schon ... Du Duiste Bürger in die Irre geführt . Hier sind ein paar Links zu folgen. ' S Dutch Nachrichten gute Wachen Sie auf und kritisch sein , viele Politiker in der EU einfach nicht gut . http://www.nrc.nl/nieuws/2014/02/06/hoe-plasterk-verstrikt-raakte-in-nsa-affaire-een-beknopte-tijdlijn/ http://www.geenstijl.nl/mt/archieven/2014/02/dit_is_niet_de_ome_roon_meer_zoals_wij_hem_hebben_leren_kennen.html http://www.nieuws.nl/algemeen/20140209/Helft-bevolking-wil-aftreden-Plasterk http://www.volkskrant.nl/vk/nl/13524/De-afluisterpraktijken-van-de-NSA/article/detail/3594543/2014/02/11/Plasterk-wacht-cruciaal-debat-in-spionagezaak.dhtml...
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