Nach geleaktem NSA-Bericht Russland bestreitet Cyberangriffe auf US-Wahlsystem

Ein eigentlich streng geheimer NSA-Bericht beschreibt, wie russische Hacker versucht haben sollen, die US-Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen. Nun reagiert Russland auf das Leak.

Dmitri Peskow
AP

Dmitri Peskow


Russland hat die jüngsten Vorwürfe im Zusammenhang mit Cyberangriffen auf die US-Präsidentschaftswahl entschieden zurückgewiesen. "Diese Behauptungen entsprechen nicht der Wirklichkeit", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Dienstag nach der Veröffentlichung eines vertraulichen US-Geheimdienstberichts. Es gebe keinerlei Belege für die Anschuldigungen.

Die Enthüllungsplattform "The Intercept" hatte am Dienstag ein streng geheimes Dokument des Geheimdienstes NSA veröffentlicht. Demnach versuchten Hacker mit Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU über Monate hinweg, Informationen über die bei der Wahl eingesetzte Hard- und Software zu erlangen. Dazu seien unter anderem Phishing-E-Mails versendet worden, um Schadsoftware zu platzieren. Außerdem habe es Versuche gegeben, Log-in-Daten zu stehlen.

Wie erfolgreich der Versuch gewesen sei und welche Daten möglicherweise gestohlen wurden, bleibe allerdings unklar, heißt es laut "The Intercept" in dem NSA-Bericht.

Das Material kam wohl von Reality Winner

Kurz nach Veröffentlichung des "Intercept"-Artikels wurde im Bundesstaat Georgia eine 25-jährige Angestellte eines privaten Dienstleisters der US-Geheimdienste festgenommen. Geheimdienstvertreter bestätigten gegenüber US-Medien, dass die Festnahme von Reality Winner im Zusammenhang mit den Enthüllungen stehe. Sie ist unter dem Espionage Act angeklagt worden, damit droht ihr eine mehrjährige Haftstrafe.

Russland wird seit Längerem vorgeworfen, den US-Wahlkampf mit Hackerangriffen zugunsten des späteren Wahlsiegers Donald Trump beeinflusst zu haben. Die Regierung in Moskau weist diese Anschuldigungen zurück.

Zuletzt tat das sogar Präsident Wladimir Putin selbst. Russland habe keinen Einfluss auf die US-Wahl genommen, sagte Putin in einem Interview mit dem US-Sender NBC News. Berichte über angeblich in Moskau gesammeltes kompromittierendes Material seien "Blödsinn", sagte Putin - und gab den Hinweis, die US-Geheimdienste seien "in die Irre geführt worden". Sie würden die Informationen "nicht in vollem Umfang" analysieren. Es sei heute für Hacker leicht, falsche Fährten im Internet zu legen.

gru/AFP

insgesamt 4 Beiträge
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ihawk 06.06.2017
1. Absurdistan
"The Intercept" veröffentlicht ein "streng geheimes" Dokument nachdem sie sich mit der NSA darüber "abgestimmt" haben ... wie absurd wird diese Geheimdienst-Blase eigentlich noch?
karlbschwarz 06.06.2017
2. "Whistleblowerin"
ist wohl nicht die korrekte Taetigkeitsbeschreibung dieser externen Mitarbeiterin. Kriminelle Weitergabe von Geheimmaterial trifft da m.E. schon eher zu. Ich bin immer wieder ueberrascht, dass irgendwelche subalternen MA an diese Art von Information rankommen. Von einem offenbar ineffektiven Mitarbeiterscreening, denen man die Behandlung von sensitivem Material anvertraut, mal ganz abgesehen, sollten sich die Dienste - allen voran die NSA - mal eine adequate Zugangsstruktur zu Geheimdaten/-information ueberlegen, die einen Missbrauch durch angeheuerte "Indianer" ausschliesst! Hier sollten die Dienste Dieses Vorkommnis klaert jedoch m.E. eine zusaetzliche Behauptung, naemlich, dass die NSA alle Daten/Informationen von allen moeglichen Organisationen/Personen - auch von Donald Trump - ausspaehen kann!!
Skaarphy 07.06.2017
3.
Zitat von ihawk"The Intercept" veröffentlicht ein "streng geheimes" Dokument nachdem sie sich mit der NSA darüber "abgestimmt" haben ... wie absurd wird diese Geheimdienst-Blase eigentlich noch?
Wie kommen Sie darauf, dass sich The Intercept und der NSA abgestimmt haben? Also "abgestimmt", was immer das heißen soll ...
vipclip 08.06.2017
4. Lügen bis zum Schluss
So war und ist das Motto eines jeden Geheimdienstes auf dieser Welt. Wenn dann ab und zu ein "Verräter" doch die Wahrheit ans Licht bringt wird das Geschrei und die Lügnerei noch um so größer.
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