Künftiger NSA-Direktor Rogers Amerikas nächster Chef-Späher

Er ist Vizeadmiral und Chef des US Cyber Command bei der Navy, bald wird er die NSA führen: Michael Rogers soll als Nachfolger des umstrittenen Keith Alexander nominiert werden. Vom Netz spricht er als "Kernelement der Kriegsführung im 21. Jahrhundert".

Vizeadmiral Michael Rogers: "Kernaspekt der Kriegsführung im 21. Jahrhundert"
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Vizeadmiral Michael Rogers: "Kernaspekt der Kriegsführung im 21. Jahrhundert"

Von , Washington


Vor nicht einmal acht Monaten hätte Michael Rogers einen Geheimdienst übernommen, der so geheim war, dass man zu scherzen pflegte, es gebe ihn gar nicht. So war das mit der National Security Agency in Amerika. Bis zu jenem 5. Juni 2013, als die Enthüllungen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden begannen. Seitdem ist alles anders.

Also wird Michael Rogers, Vizeadmiral der Navy, ein schweres Erbe antreten. Mehrere US-Medien berichten, er werde dem umstrittenen NSA-Direktor Keith Alexander nachfolgen, der den Posten Mitte März nach mehr als acht Jahren räumt. US-Präsident Barack Obama soll Rogers demnach schon bald nominieren; in der vergangenen Woche habe er ihn bereits zu einem persönlichen Gespräch empfangen, berichtet die "Washington Post". Vor einer Berufung Rogers' müsste dann noch der Militärausschuss des Senats zustimmen.

Vom Kryptologen zum Cyber-Krieger

Spätestens danach wird Rogers im Zentrum des öffentlichen Interesses stehen. Und künftig dürfte man ihn nicht mehr mit seinem Namensvetter Mike Rogers, dem republikanischen Abgeordneten und Geheimdienst-Experten aus dem Repräsentantenhaus, verwechseln. Jede seiner Äußerungen wird auf Differenzen zum bärbeißigen Vorgänger abgeklopft werden. Er wird sich vor Kongressausschüssen rechtfertigen müssen und versuchen, das schwer beschädigte Image der NSA wieder aufzupolieren.

Der 53-Jährige hat einst als Kryptologe angefangen, diente auf US-Kriegsschiffen und U-Booten im Atlantik, in der Ostsee, im Mittelmeer, im Persischen Golf, in der Karibik. Rogers arbeitete als Geheimdienstkoordinator des Generalstabs (Joint Chiefs of Staff), bevor er im Jahr 2011 zum Chef des Fleet Cyber Command ernannt wurde. Seitdem ist Rogers der oberste Cyber-Krieger der Navy - und hat daran großen Gefallen gefunden. In einem früheren Interview mit der "Washington Post" erklärte er, dass das Netz "einen Kernaspekt der Kriegsführung im 21. Jahrhundert" darstelle. Wobei es natürlich andere "Fähigkeiten" nicht ersetze.

Von diesem Aufgabenfeld muss Rogers auch künftig nicht lassen. Denn Obama wird ihn nicht nur zum NSA-Direktor machen, sondern zugleich zum Chef des US Cyber Command. Diese Einrichtung der Streitkräfte wurde erst 2009 geschaffen, seither wird sie ebenfalls geführt von Keith Alexander. Nachfolger Rogers also wird Zugriff auf einen mächtigen Apparat bekommen, der Etat für die Cyber-Krieger wächst stetig, keineswegs haben sie nur defensive Aufgaben. Bis 2015 allein sollen 13 Einheiten mit "Offensiv-Fähigkeiten" geschaffen werden.

Machtfülle in einer Hand: Obama behält alte Struktur bei

Eigentlich hatte eine von ihm selbst eingesetzte Expertengruppe zur NSA-Reform dem Präsidenten geraten, die Posten des NSA-Direktors und des obersten Netzkriegers nicht mehr in Personalunion zu vergeben. Der bereits lang angekündigte Abschied Alexanders schien eine gute Gelegenheit zu bieten. Auch wurde die Idee artikuliert, künftig einen Zivilisten die NSA leiten zu lassen, um neues Vertrauen im In- und Ausland gewinnen zu können. Doch Obama wird die alte Struktur beibehalten.

Dass er ausgerechnet einen etablierten Cyber-Krieger - und Wunschnachfolger Alexanders - mit dem Doppel-Job betraut, zeigt die gewachsene Bedeutung dieses militärischen Bereichs. NSA und Cyber Command sind ohnehin aufs Engste verknüpft, denn es geht nicht mehr allein ums Abhören, Abschöpfen oder Aufzeichnen; längst hat die NSA das Internet in ein Waffensystem verwandelt. Weltweit hat ein digitales Wettrüsten eingesetzt.

Wird der Neue daneben die von Obama gewünschte Transparenzoffensive der NSA noch verkörpern können? Zumindest gilt der aus Chicago stammende Rogers als zurückhaltenderer Charakter, jedenfalls im Vergleich zu Vorgänger Alexander. Der wollte bis zuletzt keine Verfehlungen eingestehen. Nichts, was die NSA getan habe, sei "illegal oder unprofessionell", versicherte der 62-Jährige stets. Der Dienst vertrete nur die Interessen Amerikas: "Meine Mission ist, unser Land zu verteidigen." Das kam nicht nur bei ausspionierten Europäern nicht gut an, auch im Kongress provozierte Alexander mit seiner Art mehr und mehr Gegenwind. Von Rogers dagegen werde erwartet, so kommentiert die "Los Angeles Times", dass er "mehr Gewicht auf Datenschutz, Enthüllungsrisiken und die Wahrnehmungen im Ausland" lege.



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insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
analyse 30.01.2014
1. Hoffentlich gelingt es ihm,useren Empörungsspezialisten
klar zu machen, daß tatsächlich neue Techniken zum Waffenarsenal im Kampf um die Weltherrschaft gehören,daß alle potentiellen Mächte daran arbeiten! Nicht alle Aktivitäten unterschiedlicher Mächte werden der Öffentlichkeit preisgegeben,wodurch ausgerechnet Diktaturen bevorteilt werden !Und die freie Presse hilft noch dabei !
Pfaffenwinkel 30.01.2014
2. Das war ja zu erwarten:
Künftige militärische Auseinandersetzungen werden Cyber-Kriege sein, die NSA nur eine Abteilung der Kriegsmaschinerie. Und steht somit außerhalb jeder Kritik oder Gesetzgebung.
Pango 30.01.2014
3. Obama nicht maßgeblich für deutsche Politk
Der amerikanische Präsident entscheidet gemäß den ihm zustehenden Befugnissen. Anstatt sich also über seine rechtmäßige Handlungen aufzuregen, sollten uns primär die Aktionen der eigenen Volksvertreter interessieren. Die verharren in ihrer Passivität und warten, bis sich die Gelegenheit ergibt, eine US-präsidiale Entscheidung als "Lösung" für den Überwachungsskandal umdeuten zu können. Dankbar und demütig. Hierauf gilt es das Augenmark zu richten, nicht auf Puls und Wimpernschläge von Herrn Obama ...
etemenanki 30.01.2014
4.
Zitat von sysopDPAEr ist Vizeadmiral und Chef des US Cyber Command bei der Navy, bald wird er die NSA führen: Michael Rogers soll als Nachfolger des umstrittenen Keith Alexander nominiert werden. Vom Netz spricht er als "Kernelement der Kriegsführung im 21. Jahrhundert". http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/nsa-michael-rogers-soll-kuenftig-geheimdienst-und-cyber-command-leiten-a-946289.html
Na, das lässt ja schon mal "hoffen"! - Ironie aus. Die Amis sollen mal aufpassen, dass sich ihr heissgeliebtes Kernelement der Kriegsführung nicht irgendwann gegen sie selber wendet, wenn alle anderen Staaten auf der Welt den Spuk satt haben und sie ( USA )evtl. gerade auf einem absteigenden Ast sind ... ( Ich meine ausdrücklich nicht das amerikanische Volk an sich, sondern dessen Regierung an sich!)
gog-magog 30.01.2014
5. Meine noch grundgesetzlich garantierte freie Meinung:
Zitat von sysopDPAEr ist Vizeadmiral und Chef des US Cyber Command bei der Navy, bald wird er die NSA führen: Michael Rogers soll als Nachfolger des umstrittenen Keith Alexander nominiert werden. Vom Netz spricht er als "Kernelement der Kriegsführung im 21. Jahrhundert". http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/nsa-michael-rogers-soll-kuenftig-geheimdienst-und-cyber-command-leiten-a-946289.html
Es mag sein, dass der Herr Admiral in seinen feuchten Träumen den Cyberkrieg des 21. Jahrhunderts ausrufen möchte, aber Kriege werden normalerweise von Völkern gegen Völker geführt und vor allem offizielle erklärt. Daher meine Frage: Erklärt die USA dann offiziell allen Ländern der Welt den Krieg? Tut sich das nicht, dann sind kriegerische Handlungen nach dem geltenden Völkerrecht zu unterlassen und das gilt selbstverständlich auch für "Cyberkrieg". Oder müssen wir jetzt per se annehmen, dass bereits die Berufung des Herrn Admiral als Chef der amerikanischen Cyberkrieger eine Kriegserklärung darstellt? Dann ist umgehend der Botschafter der USA einzubestellen und der Verteidigungszustand auszurufen.
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