Vorwurf der Wirtschaftsspionage Kanada und NSA spähen Brasiliens Energieministerium aus

Kontaktnetze, Gerätetypen und geeignete Zugriffspunkte: Der kanadische Geheimdienst CSEC hat neuen Enthüllungen aus dem Fundus von Edward Snowden zufolge das Energieministerium Brasiliens ausgespäht - in Kooperation mit der NSA. Brasiliens Führung vermutet Wirtschaftsspionage.

Brasilianischer Energieminister Edison Lobão: "Gravierende , zu verurteilende  Tatsache"
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Brasilianischer Energieminister Edison Lobão: "Gravierende, zu verurteilende Tatsache"


Brasília - Der kanadische Geheimdienst CSEC hat einem brasilianischen TV-Bericht zufolge gezielt die Kommunikation des Bergbau- und Energieministeriums in Brasilien ausgespäht. Mit einem Programm namens "Olympia" seien E-Mails, Website-Aufrufe, Telefonate, Handy-Nummern und sogar von Zielpersonen benutzte Handy-Modelle registriert worden, berichteten Glenn Greenwald und Sônia Bridi im Programm "Fantástico" des Senders Globo. Sie berufen sich auf Unterlagen des ehemaligen NSA-Vertragsarbeiters Edward Snowden.

Die Präsentation, aus der der Sender zitiert, wurde laut TV Globo im Juni 2012 bei einem Geheimdiensttreffen der sogenannten Five Eyes gezeigt, der Allianz der Spione der USA, Großbritanniens, Kanadas, Australiens und Neuseelands. Edward Snowden hatte dem Bericht zufolge selbst an dieser Konferenz teilgenommen. Aus den von ihm enthüllten Unterlegen gehen Details über ein Programm namens "Olympia" hervor.

Diese Software ermöglicht es offenbar, Kommunikationsnetzwerke über Kontinente hinweg zu erfassen und zu überwachen. Die von Globo enthüllten Dokumente zeigen, wozu "Olympia" von den kooperierenden Geheimdiensten genutzt wird:

  • Komplette Kommunikationsnetzwerke kartieren: Das Programm wertet aus, mit welchen Anschlüssen weltweit von einer bestimmten Stelle aus kommuniziert wird. Als konkretes Beispiel ist in den Dokumenten das brasilianische Energieministerium genannt. Eine Folie zeigt, mit welchen Nummern vom Ministerium aus besonders oft telefoniert wird.
  • Details zu Kontakten erfassen: Das "Olympia"-System zeigt Telefonnummern und die Kontakte, mit denen von den betreffenden Nummern aus telefoniert wird, säuberlich sortiert nach Providern, Zielländern und sogar den von den Kontakten benutzten Handys - zum Teil werden Gerätetypen aufgeführt. Die Überwacher könnten so beispielsweise zielgerichtet Schwachstellen ausnutzen, um Überwachungssoftware auf den betreffenden Telefonen einzuschleusen.
  • Zugriffsmöglichkeiten: Laut der von Globo gezeigten Präsentation wirft die "Olympia"-Software sogar aus, an welchen Stellen die internationalen Absaugstationen der Geheimdienste auf den Internet- oder Telefonverkehr einer Zielperson zugreifen können. Die "collection sites" erscheinen jedoch nur in Form von Codes aus Ziffern und Buchstaben.

Zusammengefasst lassen der Bericht und die Folien den Schluss zu, dass der kanadische Geheimdienst CSEC in Kooperation mit der NSA gezielt auf Metadaten von Internet- und Telefonnetzwerken in Brasilien zugreift. Wie genau das vor sich geht, bleibt unklar - klar ist jedoch, dass die Dienste dazu Zugang zu Netzwerkknotenpunkten oder -kabeln haben müssen.

Gezielte Hackerangriffe auf Basis der gesammelten Daten

Dass es beim Kartieren der Netzwerke nicht bleiben soll, verrät eine Folie mit Zukunftsplänen: Darauf ist explizit davon die Rede, die gesammelten Informationen für sogenannte "Man on the side"-Attacken auszunutzen. Das sind gezielte Angriffe auf einzelne Rechner, bei denen mit einer aufwendigen und nur mit großen Ressourcen durchführbaren Methode Schadcode eingeschleust wird. Konkret ist davon die Rede, die TAO genannte Abteilung der NSA einzubeziehen - sie ist für aggressive Hack-Attacken zuständig.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff reagierte am Montag via Twitter: "Die Reportage weist auf Interessen Kanadas im Bereich Bergbau hin. Das Itamaraty (Außenministerium) wird von Kanada Erklärungen verlangen. Es ist dringend erforderlich, dass die USA und ihre Alliierten ihre Spionageaktivitäten ein für allemal einstellen." Obwohl das Energieministerium über ein gutes Datenschutzsystem verfüge, habe sie Bergbau- und Energieminister Edison Lobão angewiesen, eine rigorose Bewertung und Verstärkung dieser Systeme vorzunehmen. Lobão selbst kommentierte die Enthüllungen in dem Globo-Beitrag mit den Worten, man habe es hier mit einer "schwerwiegenden Tatsache" zu tun, die man "verurteilen" müsse.

Die NSA kommentiert wie üblich nicht - diesmal aber etwas anders

Der US-Geheimdienst NSA hatte in der Vergangenheit auch E-Mails der brasilianischen Regierung ausgespäht. Vor einigen Wochen hatten TV Globo und Greenwald zudem berichtet, die NSA habe sich, womöglich in Zusammenarbeit mit dem britischen Geheimdienst GCHQ, Zugriff auf die Netzwerke diverser brasilianischer Unternehmen verschafft, darunter der Ölkonzern Petrobras und mehrere Banken.

Der kanadische CSEC erklärte gegenüber TV Globo nur, man kommentiere "Signalaufklärung im Ausland" nicht. Die NSA reagierte auf TV Globos Anfrage mit einer etwas längeren Antwort mit der gleichen Stoßrichtung: Man kommentiere keine "spezifischen angeblichen Geheimdienstaktivitäten", betreibe jedenfalls lediglich "Auslandsaufklärung, wie sie alle Staaten betreiben".

Begriffe wie "Bekämpfung des internationalen Terrorismus" oder "Verhinderung nuklearer Proliferation" tauchen in der NSA-Stellungnahme diesmal nicht auf. Mit jeder neuen Enthüllung wird es für den US-Geheimdienst schwieriger, die eigenen Aktivitäten und die seiner Partnergeheimdienste allein mit diesen Begründungen zu rechtfertigen.

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cis/lis/dpa



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insgesamt 43 Beiträge
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paula-eva 07.10.2013
1. Irgendwie scheinen die USA
nicht selbst auf die Reihe zu bekommen, sonst müssten sie nicht immer bei anderen gucken, wie die das machen. Fies ist allerdings, dass sie damit die Patente einsammeln ohne jemals was herzustellen. Denn aus den USA kommt nicht viel, außer Waffen und Kriege. Selbst die Computertechnik kommt inzwischen aus Asien.
herrdainersinne 07.10.2013
2. Die Frage ist doch nicht mehr ob
die USA andere Länder elektronisch ausspähen. Sondern ob wir das weiter zulassen oder es endlich offiziell als das bezeichnen was es ist - ein Angriff !
tiram 07.10.2013
3. Dummes Kanada
Das sich die Kanadier auf diesen Mist einlassen,hätte ich nicht gedacht, Jetzt werden deren Bergbauunternehmen in die Schwarze-Spionageliste mit aufgenommen. Dumm gelaufen.
Rickie 07.10.2013
4. Kanada auch?
Hätte ich auch nicht gedacht. Aber herrdainersinne hat recht. Es geht nicht mehr um das "ob", es geht darum, sich zu wehren. Wann passiert da endlich was? Wo ist der Schutz der Bürger durch die Regierung? Frau Merkel, was gedenken Sie zu tun?
Genover 07.10.2013
5. Merkel, die Radfahrerin
Merkel hat keinen Sinn für Respekt und Gleichrangigkeit. Bei ihr gibt es nur oben und unten. Die, die in ihren Augen unten stehen, düpiert sie, was das Zeug hält. Besonders bissig wird sie, wenn sie spürt, daß ihr jemand ihren Vorrang streitig machen will. Daher serviert sie alle und jeden ab. Wo sie jedoch das Gefühl hat, daß der andere stärker ist, wie z.B. Obama, dann macht sie sich klein, steckt alles ein und läßt sich und damit Deutschland alles gefallen. Oder wenn sie das Gefühl hat, daß der (Energie)Wind sich dreht, dann springt sie sofort auf dieses Windrad. Das kann man rückgratlos, wertelos und machtgierig nennen. Hat so die DDR-Gesellschaft funktioniert? Das Fazit lautet dann, daß man den Druck auf sie erhöhen muß, wenn man etwas erreichen will. Abwarten, daß sie es aus eigenem Antrieb kapiert und gegensteuert, ist völlig zwecklos. Macht ihr als Wähler Angst, daß sie die Macht verlieren könnte, und sie wird im Dreieck springen!
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