Snowdens Partner NSA-Reporter Greenwald verlässt den "Guardian"

Der Kontaktmann des NSA-Whistleblowers Snowden, Glenn Greenwald, verlässt den "Guardian" - für ein "journalistisches Traumangebot". Laut der Nachrichtenagentur Reuters soll es sich um eine neue Medienplattform handeln, die der Ebay-Gründer Omidyar finanziert.

Glenn Greenwald: Der NSA-Enthüllungsjournalist lässt den "Guardian" hinter sich
AP/dpa

Glenn Greenwald: Der NSA-Enthüllungsjournalist lässt den "Guardian" hinter sich


New York/Berlin - Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald, der federführend über die Enthüllungen des Informanten Edward Snowden berichtete, verlässt die britische Zeitung "Guardian". Er habe ein "journalistisches Traumangebot" bekommen, könne aber noch keine Details nennen, teilte Greenwald am späten Dienstag mit. Es gehe um ein gut finanziertes neues Unternehmen, erklärte er dem Online-Dienst "Buzzfeed".

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters soll es sich bei dem Angebot um einen Job bei einer neuen Medienplattform handeln, hinter der das Vermögen von Ebay-Gründer Pierre Omidyar steht. Möglichweise gibt es noch weitere Geldgeber.

Omidyar ist Vorstandsvorsitzender bei Ebay, hat sich jedoch aus dem Tagesgeschäft weitgehend zurückgezogen und engagiert sich seit seinem Aufstieg zum Milliardär intensiv für wohltätige Zwecke. Er gilt als einer der großzügigsten Mäzene aus der Riege der New-Economy-Reichen. Forbes schätzt das Vermögen des 46-Jährigen auf 8,5 Milliarden US-Dollar. Schon 2010 hatte Omidyar mit "Honolulu Civil Beat" eine Nachrichtenplattform für Hawaii gegründet, das ein Modell des "Paid Content", also bezahlter journalistischer Inhalte, verfolgt. Omidyar hatte sich einige Male betroffen über die NSA-Praktiken geäußert, die Edward Snowden mit Hilfe von Glenn Greenwald veröffentlichte.

Snowden, der tausende geheime Unterlagen des US-Geheimdiensts NSA der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, hatte sich Greenwald als journalistischen Partner ausgesucht, weil er dessen frühere Arbeit kannte. Er gab dem Reporter und der Filmemacherin Laura Poitras ein langes Interview in Hongkong, das Anfang Juni den Skandal um die großflächige Internet-Überwachung durch amerikanische und britische Geheimdienste ins Rollen brachte.

"Die Entscheidung, zu gehen, war nicht leicht, aber mir wurde ein journalistisches Traumangebot gemacht, wie es nur einmal in einer Karriere vorkommt und das wohl kein Journalist ablehnen könnte", erklärte Greenwald am Abend. Nach dem die Neuigkeit vor der beabsichtigten Bekanntgabe durchsickerte - wie so vieles, mit dem sich Greenwald beschäftigte - wollte er dies nur bestätigen.

Jennifer Lindauer vom Guardian drückte stellvertretend für die Redaktion ihr Bedauern aus, dass ein "bemerkenswerter Journalist" die Zeitung verlässt.

mia/dpa/Reuters

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
MeineMeinungist... 16.10.2013
1. ich spekuliere mal
Vielleicht haben ihm die USA/NSA ein Angebot gemacht, bei dem Aufbau einer neuen Existenz? Egal, ob es so ist oder nicht, ich finde es nicht in Ordnung. Was man begonnen hat, sollte man auch zu Ende führen. Es tut mir leid um Snowden und bin gespannt, welche Konsequenzen er daraus zieht und ob er einen neuen Weggefährten findet. Ich wünsche es ihm und seiner Sache, die uns alle etwas angeht.
kaffeeschluerfer 16.10.2013
2. Hoffentlich...
...besteht das "journalistische Traumangebot" nicht aus einigen Millionen Dollar von der NSA, damit er künftig den Mund hält.
Loddarithmus 16.10.2013
3. Da bin ich mal gespannt,
was da rauskommen wird. Meine Fantasien reichen von wilden Verschwörungen (Geheimdienstaktion) über Regierungsposten, Hollywood, Bischof, bis hin zu einer ganz reellen Chefredaktion (was ich aber am wenigsten glaube). Ich befürchte, es wird etwas, wo er sich "neutral" verhalten muss, sprich die Klappe halten.
vantast64 16.10.2013
4. Er wird wohl ein Angebot bekommen haben,
"das er nicht ablehnen konnte" und das ihn vermutlich ins Verderben stürzen wird, da amerikanische Rechtsanwälte der Obamaregierung dahinterstehen werden, die schon viele Leben von Whistleblowern ruiniert haben. Bald wird sich zeigen, daß die wahren amerikanischen Taliban die Rechtsanwälte sind.
kowabonga 16.10.2013
5. Traumangebot?
Vielleicht eine Angebot welcher er nicht ablehnen kann?
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