NSA-Satire: "We're so sorry, Leute!"

Satire in Hamburg: Die NSA entschuldigt sich Fotos
SPIEGEL ONLINE

Die NSA sagt sorry: Mit einer Charme-Offensive haben zwei Männer auf dem Hamburger Rathausmarkt versucht, die Passanten zu besänftigen und sich für die Späherei zu entschuldigen. Nur kamen die beiden in Wahrheit keineswegs vom Geheimdienst.

Hamburg - Am Dienstagnachmittag erreicht uns ein Tweet zu einer transatlantischen Charmeoffensive auf dem Hamburger Rathausmarkt: "NSA entschuldigt sich beim Volk", heißt es dort. Und tatsächlich, zwei Männer, einer davon in Uniform, stehen mit einem Info-Stand vor dem Rathaus. Außer Rosen verteilen die Männer Flyer, auf denen sie um Verzeihung bitten: "Die Sicherheitsdienste der USA entschuldigen sich bei den Menschen für ihre Spähattacken." Weiter heißt es: "Es tut uns leid, dass wir Sie abgehört haben, ein Bewegungsprofil von Ihnen erstellt haben." Auch die SMS der Kanzlerin habe die Agency nur gelesen, um uns alle zu beschützen.

Hinter der Aktion steckt natürlich nicht der amerikanische Militärgeheimdienst, es wurde kein PR-Kommando nach Hamburg entsandt. Vielmehr war die Redaktion der NDR-Satiresendung "Extra 3" der Meinung, es sei langsam an der Zeit für ein Sorry. "Viele Menschen haben geglaubt, wir sind wirklich die NSA", sagt NDR-Moderator Nils Holst. Manche Menschen seien sogar bereit gewesen, der NSA zu helfen. "Zum Beispiel im häuslichen Bereich, wo unser technisches Equipment noch nicht hinreicht", so Holst. Es sei aber auch viel Verständnis für die Lauschangriffe geäußert worden - auch wenn so etwas unter Freunden eigentlich unangebracht sei.

Judith Shoemaker aus New York, gerade zu Besuch in Hamburg, kann die Aktion nicht ernst nehmen, findet aber: "Für die offiziellen Verhältnisse wäre es gut." Dass ihre persönliche Kommunikation im Netz womöglich beobachtet wird, findet die 23-Jährige nicht schlimm. An den Verhältnissen lasse sich ohnehin nichts mehr ändern. "Ich mache mir allerdings Gedanken darüber, was mit den Daten passiert, nachdem sie gespeichert wurden", sagt sie.

ppl

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Es wird noch spannend
jens-o-mat 05.11.2013
Wenn erst einmal Daten von jedermann von der Wiege bis zur Bahre und über mehrere Generationen hinweg vorliegen. Wenn irgendwann die Gründer wie Zuckerberg, Brin und Page abgetreten sind und nur noch stinknormale angestellte Vorstandsvorsitzende die Datensammler führen. Spätestens dann werden wir verdutzt bemerken, dass aufgrund ausgefeilter Prognosemodelle der Nachbar in vielen Bereichen ganz anders behandelt wird als man selbst. Wenn man Glück hat stammt man dann von ordnungsliebenden und kreditwürdigen Nichtrauchern ab und kriegt die Wohnung oder den Kredit. Und das ist nur eine kurzsichtige Fantasie von Hänschen Müller. Da geht bestimmt noch viel mehr.
2. Traurig
kaffeeschluerfer 05.11.2013
"Dass ihre persönliche Kommunikation im Netz womöglich beobachtet wird, findet die 23-Jährige nicht schlimm. An den Verhältnissen lasse sich ohnehin nichts mehr ändern." Das ist leider die zutiefst widersprüchliche Grundhaltung der amerikanischen Bürger: Stets wird betont, der Staat solle sich aus allem raushalten - aber dass die gesamte digitale Kommunikation -Telefonate, Mails, "soziale" Netzwerke usw - abgehört und gespeichert werden, DASS ist OK. Weil man "an den Verhältnissen ja ohnehin nix ändern könne" - super Einstellung. Genau diese Denkweise hatten viele, als Hitler an die Macht kam.
3. Welches urteil hätten sie denn
mattoregiert 05.11.2013
es liese sich beliebig Belastungsmaterial zusammenstellen ,die dann in einem Indizienprozeß zum gewünschten Staatsergebnis führe...oder nicht Herr Sturmbannführer..?
4. ...
Newspeak 05.11.2013
Dass ihre persönliche Kommunikation im Netz womöglich beobachtet wird, findet die 23-Jährige nicht schlimm. An den Verhältnissen lasse sich ohnehin nichts mehr ändern. "Ich mache mir allerdings Gedanken darüber, was mit den Daten passiert, nachdem sie gespeichert wurden", sagt sie. Die Dummen sterben eben nie aus. Vielleicht macht sie sich Gedanken, wenn sie wegen ihrer persönlichen Daten irgendwann einmal keinen Job mehr kriegt, wenn ihr vielleicht Versicherungen verwehrt werden, wenn sie Probleme beim Reisen bekommt, oder vielleicht, bei sehr viel Pech, direkt in einem Gefängnis landet, ohne Anwalt, ohne Prozeß, einfach mal so für ein paar Jahre weggesperrt, bis sich herausstellt, daß man sie mit einem Terroristen verwechselt hat. Dann kann man sie aber natürlich auch nicht mehr so einfach freilassen, weil sie dann ja inzwischen einen berechtigten Hass gegen ihr Land entwickelt hätte. Gerade letztere Argumentation ist nicht so doof, wie sie sich anhört...man muß dazu nur in Guantanamo sitzen, um darüber nicht mehr lachen zu können.
5. neuesten inoffiziellen Meldungen zufolge...
rucamor 06.11.2013
...hat die NSA zunehmend Schwierigkeiten Ihren Überwachungsapparat zu finanzieren und erwägt daher ihre Erkenntnisse an Google & Co. zu verkaufen damit die noch bessere Profile zu unser aller Wohl erstellen kann. ;-) Manchmal frage ich mich wirklich was schlimmer ist: die NSA die wenigstens einen halbstaatlichen Auftrag hat - oder die amerikanische Privatinternetwirtschaft die ebenfalls ohne unser Wissen Profile von allen Nutzern anlegt und diese dann gewinnbringend verkauft. Ich hoffe den Lesern ist bekannt, dass Google in der Lage ist Nutzerprofile von nahezu jedem einzelnen anzulegen. Incl. Name, Adresse, Einkaufsverhalten, Bewegungsprofile bis hin zu sexuellen Neigungen
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema NSA-Überwachung
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 8 Kommentare
SPIEGEL-Briefkasten




Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.