NSA-Skandal 207 Wissenschaftler protestieren gegen Totalüberwachung

Juristen, Informatiker, Soziologen, Philosophen: Forscher aus aller Welt wenden sich in einer Erklärung gegen die Online-Spähattacken der Geheimdienste. Die Wissenschaftler verlangen ein Ende der Grundrechtsverstöße.

Lichtwand beim 30C3: Weltweit stellen sich Forscher gegen die Netz-Überwachung
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Lichtwand beim 30C3: Weltweit stellen sich Forscher gegen die Netz-Überwachung


Hamburg - Ulrich Beck, Bruce Schneier, Beate Roessler: Die Unterzeichner des Aufrufs "Wissenschaftler gegen Massenüberwachung" kommen aus unterschiedlichen Disziplinen. Der Soziologe Beck, der in IT-Sicherheitskreisen berühmte Informatiker Bruce Schneier, die renommierte Philosophin Roessler - sie repräsentieren die Vielfalt der Unterzeichner dieses Protestaufrufs.

Die Forscher fordern ein Ende der Online-Massenüberwachung durch europäische und amerikanische Geheimdienste. Sie kritisieren, dass die massenhafte Speicherung von Online-Kommunikation aller Menschen die Unschuldsvermutung in eine Schuldvermutung umkehrt. Ihre Warnung:

"Die aktuelle geheime und unbeschränkte Überwachungspraxis verletzt die Grundrechte und die Rechtsstaatlichkeit, sie untergräbt die Demokratie."

Beate Roessler hat mit Kollegen den Protest initiiert. Sie vermisst eine breite Debatte über die gesellschaftlichen Folgen des im Geheimen installierten Überwachungsregimes: "Wir müssen ein Problembewusstsein schaffen. Was bedeuten die Überwachungsmaßnahmen für den Einzelnen, für die Gesellschaft und den demokratischen Prozess?"

SPIEGEL ONLINE dokumentiert den Aufruf im Wortlaut.

Mitte Dezember hatten sich bereits 562 Schriftsteller gegen die Angriffe westlicher Geheimdienste auf die Freiheit gewandt. Nobelpreisträger wie Elfriede Jelinek, Günter Grass, Orhan Pamuk oder J.M. Coetzee argumentierten damals: "Ein Mensch unter Beobachtung ist niemals frei."

Das sagen die Unterzeichner

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Die Forscher treibt nun dieselbe Sorge um. In ihrem Aufruf heißt es: "Ohne Privatsphäre können Menschen ihre Meinung nicht frei äußern, sie können Informationen nicht frei suchen und empfangen."

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insgesamt 132 Beiträge
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geilundgemein 03.01.2014
1. Jetzt hört die NSA bestimmt auf
Das ist wirklich niedlich. Die NSA interessiert sich bestimmt wahnsinnig, was ein paar Wissenschaftler denken. Ebenso wie die Bundesregierung, nachdem geklärt wurde, dass Politiker nicht ausgespäht werden dürfen, Bürger aber schon.
markus maier 03.01.2014
2. Nicht locker lassen!
Die Bevölkerung ist mit dem abstrakten Thema scheinbar überfordert, haben viele Leute doch schon Probleme damit ihr Mailprogramm zu benutzen oder wissen nicht so genau was denn ein "Browser" ist. Die Politik wirkt überfordert - ist jedoch in Wirklichkeit in einer "Zwickmühle". Die Regierenden wissen dass sie selber "Dreck am Stecken" haben und versuchen das Thema auszusitzen, totzureden oder abzulenken. Die Opposition macht Druck - sie steht ja auch nicht unter Druck wie die Regierung, da ist das etwas einfacher, Druck zu machen. Einzig akzeptable Reaktion wäre, unmissverständlich der USA die politische rote Karte zu zeigen. US Botschafter soll das Land verlassen bis die Sache nach prüfbar (?) geklärt ist. Mit tollen (unverbindlichen) Reden löst sich garnichts. Hier geht es nicht um Terrorismus. Der Terrorismus wird ja von USA geschürt, da das Land Feinde braucht um von den Problemen im Inland abzulenken, Kriege anzetteln zu können und den Wahlspendern (Waffenindustrie..) dienlich zu sein. Ein makaberes, bitteres Spiel vor unser aller Augen. Die Weltbevölkerung unter Generalverdacht. Wegen ein paar Hammeltreibern die in Afghanistan in Höhlen herumklettern? Wer Hass und Angst säht, wird ebendies ernten - und nichts anderes ist das Ziel der USA. Der Anfang vom Ende - Rom ging auch unter. USA fault von innen.
Atheist_Crusader 03.01.2014
3.
Zitat von sysopGetty ImagesJuristen, Informatiker, Soziologen, Philosophen: Forscher aus aller Welt wenden sich in einer Erklärung gegen die Online-Spähattacken der Geheimdienste. Die Wissenschaftler verlangen ein Ende der Grundrechtsverstöße. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/nsa-skandal-207-wissenschaftler-stellen-sich-gegen-totalueberwachung-a-941676.html
Genau das ist doch gewollt. Anders als den US-Bürgern ist der US-Regierung nicht entgangen, dass die Sympathie für die USA unaufhaltsam auf einen neuen Tiefpunkt zustürzt. Trotz aller Machtspielchen, wirtschaftlichem Druck, politischer Schachereien und Gewalt entgleitet ihnen immer mehr von dem, was sie mal waren: die tonangebende Macht. Sie können ihre "Freunde" nicht halten, ohne ein bisschen mehr vom Kuchen abzugeben... und das wollen sie schlicht nicht. Also gilt Plan B: man setzt auf Zwang. Und dazu braucht man die völlige Überlegenheit. '45 war das die Atombombe. Heute sind es Computer. Und man wird sich nicht freiwillig davon trennen. Niemals.
servadbogdanov 03.01.2014
4. Niedlich
Da werden sich die Späher von der NSA und andere Spähfaschisten aber mächtig beeindruckt zeigen und weitermachen wie bisher. Deutschland ist da ja ohnedies eine Insel der Glückseeligen, wo das Thema niemanden interessiert und konsquenterweise von der Regierung totgeschwiegen wird. Die dickärschige Versorgungsexistenz, die die Angelegenheit schon vor langen beendet hat, macht sich im Moment übrigens daran auf einem für ihn geschaffenen Versorgungsposten hochbezahlt die restlichen Tage seines korrupten Lebens zu fristen.
blumenstrauss 03.01.2014
5. Und wieder ein Appell
Es häufen sich die Appelle - aber die Politik simuliert weiter Tätigkeit, um von dem eigenen Versagen abzulenken. Auch der nun wohl mit der CDU eingesetzte Untersuchungsausschuss ist in erster Linie dazu geeignet, von einer wirklichen politischen Handlung abzulenken. Wir brauchen nicht noch einen weiteren Aufruf - wir brauchen AKTION, die tatsächlich politisches Handeln erzwingt. Die Ächtung von Atomenergie und Massenvernichtungswaffen, der Kampf gegen Rassentrennung sind nicht am Schreibtisch und per Mouse-Click entschieden worden, sondern auf der Straße und vor den Kasernen und Gefängnissen. http://wagnisdemokratie.wordpress.com/
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