Spähprogramm NSA soll 50.000 Netzwerke weltweit infiltriert haben

Das Netz der NSA-Späher ist noch größer als vermutet. Einem Zeitungsbericht zufolge haben die US-Geheimagenten sich Zugriff auf Zehntausende Computernetzwerke verschafft - mit Methoden, die auch von Kriminellen genutzt werden.

NSA-Präsentation: Angriffsmethoden wie Cyber-Gangster

NSA-Präsentation: Angriffsmethoden wie Cyber-Gangster


Der US-Geheimdienst NSA hat weltweit 50.000 Computernetzwerke mit Schadsoftware infiltriert. Das geht aus Unterlagen des Whistleblowers Edward Snowden hervor, die die niederländische Tageszeitung "NRC Handelsblad" einsehen konnte. Die heimlich in die Netzwerke eingeschleusten Programme sollen dazu dienen, geheime und persönliche Daten aus den Netzwerke abzugreifen.

Dass die NSA im großen Stil Computernetzwerke angreift, um dort eigene Software zu installieren, ist seit einigen Monaten bekannt. Neu ist aber das Ausmaß der Aktionen. Ende August hatte die "Washington Post" berichtet, der Geheimdienst habe bereits 2008 mehr als 20.000 Rechner weltweit mit seiner Schadsoftware infiziert.

Mit Bezug auf geheime US-Haushaltspläne berichtete das Blatt weiter, die NSA habe sich selbst das Ziel gesteckt, bis Ende 2013 Zugriff auf 85.000 Systeme zu haben. Ob die NSA dieses Ziel erreicht hat, ist unklar. Die vom "NRC Handelsblad" genannte Zahl stammt aus einer internen NSA-Präsentation, die auf 2012 datiert ist.

Das Technik-Blog "Techcrunch" bezeichnet die Spionage-Software als "digitalen Schläfer", also als Programm, das lange unbemerkt und unauffällig im Hintergrund bleibt, bis es auf Befehl der Führungsoffiziere aktiv wird. Über die genaue Funktionsweise des Programms ist nichts bekannt. Man kann aber davon ausgehen, dass die Spionage-Software ähnlich wie herkömmliche Trojaner-Programme arbeitet, die auch von Kriminellen benutzt werden.

Parallelen zur "Operation Socialist"

Mit ähnlicher Technik hat der britische Geheimdienst GCHQ im Rahmen der "Operation Socialist" Spionage-Software in die Computer der halbstaatlichen belgischen Telekom-Firma Belgacom eingeschleust. Belgacom und ihre Mobilfunktochter Proximus versorgen unter anderem Institutionen wie die EU-Kommission, den Rat der Mitgliedstaaten und das Europaparlament mit Telekommunikationsdienstleistungen.

Die Briten nutzen dafür eine von ihnen als Quantum Insert (QI) bezeichnete Angriffstechnologie, die offenbar sogenannten Drive-by-Angriffen ähnlich ist: Die Opfer werden beispielsweise über Links in scheinbar unverfänglichen E-Mails zum Besuch ihnen bekannter Webseiten animiert. Tatsächlich führen die Links aber auf Kopien der echten Seiten, über die unbemerkt Schadsoftware auf die Computer der Opfer eingeschleust werden kann.

Der Generalangriff der NSA auf Computernetzwerke wird von dem Geheimdienst selbst unter der Bezeichnung Computer Network Exploitation (CNE) geführt. Eine NSA-Abteilung mit dem Titel Tailored Access Operations (TAO) ist mit der Entwicklung der Angriffsprogramme und der Durchführung der Attacken auf fremde Netzwerke betraut. Rund eintausend Computerspezialisten sollen dort beschäftigt sein.

mak



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insgesamt 341 Beiträge
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Seite 1
shardan 24.11.2013
1.
Mit Verlaub, das ist sehr euphemistisch. Wenn der Begriff "Kriminell" auf irgendwen gut zutrifft, sind das NSA, GHCQ und Konsorten. Eigenes Recht mit Geheimgerichten usw... etwas, das mit rechtsstaatlich nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun hat. Diese Dienste, die uns schützen sollten, haben sich zu kriminellen Vereinigungen entwickelt, die uns weit mehr bedrohen als schützen.
HugoMaier 24.11.2013
2. Wieviel Dreck wohl der BND und die
Bundesregierung am Stecken haben, dass sie solche Methoden überhaupt nicht gewillt sind, aufzuklären? Einfach nur beängstigend, welche Entwicklungen so in den vergangenen Jahren stattgefunden haben, in Sachen Freiheitsverständnis, Demokratieverständnis und Rechte des einzelnen!
merlin 2 24.11.2013
3. Kriminell!
Ohne Worte!
Freidenker10 24.11.2013
4.
Eine Meldung über dreckige IT Machenschaften in der die NSA nicht die Finger im Spiel wäre mal eine Meldung wert ;-) Vielleicht kommen ja auch mal die NSA Mitarbeiter drauf, dass sie NICHT für die Guten arbeiten! Aber was soll man schon von 20 jährigen Nerds erwarten...
savys 24.11.2013
5. Freundschaft
Der Deutsche ,mit seinen Wunsch nach Freundschaft mit den Amerikanern, sollte endlich damit aufhören daran zu glauben. Niemals wird ein Amerikaner aufhören von der alleinigen Weltherrschaft zu träumen, aller die ihm dabei helfen sind keine Freunde sondern nur Partner. Solange das unsere gesamten Volksvertreter nicht kapieren, und wir immer nur mit schlechtem Gewissen durch die Welt Geschenke verteilen, wird sich nichts ändern.
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