Telefonverbindungen NSA soll beim Datensammeln nicht nachkommen

Der Militärgeheimdienst NSA kann nach einem Bericht der "Washington Post" nur ein Drittel der Telefon-Verbindungsdaten in den USA sammeln. Nun soll aufgerüstet werden. Unterdessen gibt es weitere Snowden-Enthüllungen - diesmal geht es um Angriffstechniken.

Logo der NSA: Der Geheimdienst soll derzeit seine Kapazitäten erhöhen
AFP

Logo der NSA: Der Geheimdienst soll derzeit seine Kapazitäten erhöhen


Hamburg - Wer hat mit wem telefoniert: Die "Washington Post" berichtet unter Berufung auf aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der Regierung, dass der Geheimdienst nur 30 Prozent solcher Verbindungsdaten von US-Bürgern speichern kann.

Der Militärgeheimdienst NSA hat seit Jahren heimlich Amerikaner ausgeforscht. Erst Edward Snowden machte die Überwachung öffentlich. Seitdem wird in den USA über die Rechtmäßigkeit des Programms gestritten. Von der Regierung wird es verteidigt, aktuell setzt die NSA das Spähprogramm fort.

Doch dabei gibt es derzeit offenbar Probleme. Im Jahr 2006 soll die NSA noch alle Verbindungen gespeichert haben. Seitdem sei die Nutzung von Handys stark angestiegen, mittlerweile fallen offenbar zu viele Daten an. Außerdem sei die Prozedur, Daten von weiteren Telefonanbietern in das System einzuspeisen, aufwendig und benötige einige Zeit zur Einrichtung.

Nun sei die NSA dabei, ihre Kapazitäten zu erhöhen. In Utah versucht der Geheimdienst gerade, ein neues Rechenzentrum in Betrieb zu nehmen. Außerdem würden Gerichtsverfahren vorbereitet, um bisher nicht kooperative Unternehmen zur Datenablieferung zu zwingen, berichtet die "Washington Post".

US-Präsident Barack Obama hatte im Januar angekündigt, über die Art und Weise der Vorratsdatenspeicherung diskutieren zu wollen. Bis dahin wird wie gewohnt weitergespeichert. Grundsätzlich in Frage stellte er die Überwachung nicht - auch wenn die Notwendigkeit von Experten angezweifelt wird. Eine unabhängige Kommission, die den Präsidenten berät, hält den Datenspeicher in seiner derzeitigen Form sogar für illegal.

Neue Enthüllung über britischen Geheimdienst

Die US-Nachrichtenseite NBC News veröffentlichte fast gleichzeitig einen weiteren Artikel, der auf neuen Dokumenten aus dem Snowden-Archiv basiert. In zwei Präsentationen schildern darin Agenten des britischen Geheimdienstes GCHQ Möglichkeiten für verdeckte Aktionen mit Hilfe digitaler Technologie, von Spionage bis hin zu aggressiven Aktivitäten wie dem Einsatz von Viren, die den Rechner einer Zielperson unbrauchbar machen können.

Es gehe darum, "Online-Techniken zu benutzen, damit in der realen Welt etwas passiert". Genannt werden zum Beispiel Überlastungsangriffe auf Computer, sogenannte Denial-of-Service-Attacken, aber auch Angriffe auf kritische Infrastrukturen. Die neuen Dokumente erörtern die meisten dieser Techniken jedoch nur theoretisch, ohne konkrete Beispiele zu benennen.

ore/cis

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redbayer 07.02.2014
1. Allmählich wird die Diskussion sachlicher
nachdem sich die meisten an die totale Ausspähung und Manipulation gewöhnt haben. Da merkt man, dass es gar nicht so einfach ist 6 Milliarden Menschen zu überwachen und wo man mit den vielen Daten hin soll. Vor allem in den USA gibt es offenbar noch erhebliche Lücken bei der Überwachung. In Europa war es für die NSA viel einfacher. Da haben sie mit den Briten und GCHQ excellente Ausspäher (007 lässt grüßen) und mit den NSA eignen Einrichtungen in Deutschland überwachen sie sehr effizient nicht nur Südeuropa, sondern auch den Mittleren Osten (was höchste Priorität hat). Klar, wenn man dann alle Daten hat, ist das Problem irgend etwas zu finden (ähnlich Stasi, man findet überhaupt nichts mehr). Deshalb konzentriert man sich auf wenige lukrative Fälle, das sind einmal alle innovativen Unternehmen und dann natürlich Politiker, mit erster Prioriät Kanzler und Präsidenten. Das sollte eigentlich auch die deutsche Bevölkerung beruhigen. Im Prinzip kann natürlich jeder von der NSA angegriffen und manipuliert werden - aber wozu denn - es bringt einfach nichts. Wenn sie dagegen die Staatschefs manipulieren, dann haben sie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, erstens es bringt etwas und zweitens spurt das Volk auch gleich.
spotmakesmyday 07.02.2014
2.
Zitat von redbayernachdem sich die meisten an die totale Ausspähung und Manipulation gewöhnt haben. Da merkt man, dass es gar nicht so einfach ist 6 Milliarden Menschen zu überwachen und wo man mit den vielen Daten hin soll. Vor allem in den USA gibt es offenbar noch erhebliche Lücken bei der Überwachung. In Europa war es für die NSA viel einfacher. Da haben sie mit den Briten und GCHQ excellente Ausspäher (007 lässt grüßen) und mit den NSA eignen Einrichtungen in Deutschland überwachen sie sehr effizient nicht nur Südeuropa, sondern auch den Mittleren Osten (was höchste Priorität hat). Klar, wenn man dann alle Daten hat, ist das Problem irgend etwas zu finden (ähnlich Stasi, man findet überhaupt nichts mehr). Deshalb konzentriert man sich auf wenige lukrative Fälle, das sind einmal alle innovativen Unternehmen und dann natürlich Politiker, mit erster Prioriät Kanzler und Präsidenten. Das sollte eigentlich auch die deutsche Bevölkerung beruhigen. Im Prinzip kann natürlich jeder von der NSA angegriffen und manipuliert werden - aber wozu denn - es bringt einfach nichts. Wenn sie dagegen die Staatschefs manipulieren, dann haben sie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, erstens es bringt etwas und zweitens spurt das Volk auch gleich.
Den Zusammenhang hätte ich gerne erklärt, warum es mich beruhigen sollte wenn die Kanzlerin meines Landes Toppriorität des NSA-Spähens ist???
HuFu 07.02.2014
3.
Wer glaubt denn wirklich, dass diese Massen an traffic überhaupt verarbeitet werden können? Selbst riesige Cluster sollten den jährlich ansteigenden traffic nicht wirklich händeln können. Eigentlich dürften die Kosten, die dafür verbraten werden stetig ansteigen, aber da frage ich mich, mit welchen finanz. Mitteln wird die NSA unterstützt? Alleine die Strom- und Wasserkosten dürften doch immens sein. Das Internet zu speichern ist doch eigentlich genau das gleiche als das Internet ausdrucken zu wollen. Nonsens hoch 10! Auf Neusprech. Wenn wir alle fleißig traffic machen und dauerspammen, dann wird auch die NSA in die Knie gehen, früher oder später. Der Appel war Blase 2.0. Die NSA ist Blase 3.0. Auch die wird untergehen, wie zuvor Blase 1.0 und Blase 2.0 in naher Zukunft! Daher. Auf ein fröhliches Spammen. :)
marcel2101 07.02.2014
4. Schwer nachvollziehbar!
Zitat: " Wer hat mit wem telefoniert: Die "Washington Post" berichtet unter Berufung auf aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der Regierung, dass der Geheimdienst nur 30 Prozent solcher Verbindungsdaten von US-Bürgern speichern kann." --- Sehr schwer vorstellbar, denn hier ist lediglich von Telefon-Metadaten die Rede. Oder haben die in ihren Rechenzentren C-64 stehen?
redbayer 07.02.2014
5. Dachte das sei einsichtig
wenn man die Kanzlerin überwacht und manipuliert, dann steuert man sie auch in einer Richtung, dass ihre Schäflein weiter treu und doof bleiben und am Ende alles toll finden - einschließlich der Überwachung. Das findet faktisch gerade statt, deshalb denke ich ist es auch leicht einzusehen.
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