Stellenausschreibung Die NSA sucht einen Pressechef

Mindestens zehn Jahre Erfahrung soll der passende Bewerber haben - und sich mit Krisenmanagement auskennen. Der amerikanische Militärgeheimdienst sucht einen neuen Sprecher, der sich künftig den vielen Fragen der Medien stellen soll.

Der neue NSA-Chef Michael Rogers: Jemand muss die richtigen Botschaften verbreiten
AFP

Der neue NSA-Chef Michael Rogers: Jemand muss die richtigen Botschaften verbreiten

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Fort Meade - Die NSA hat eine Führungsposition zu besetzen. Gesucht wird ein neuer Chef des Presseteams, und der dürfte einiges zu tun bekommen. Es ist davon auszugehen, dass die NSA noch nie so viele Presseanfragen erreicht haben wie im vergangenen Jahr, nachdem Edward Snowden Details über die Arbeit des Geheimdienstes enthüllt und ihn damit aus der geheimen Ecke herausgeholt hat.

Laut Stellenausschreibung auf der Webseite der NSA soll der neue "Director of Strategic Communications" Strategien entwickeln, um "Schlüsselbotschaften" unters Volk zu bringen - Nachrichten an die eigenen Mitarbeiter, an Journalisten und die breite Öffentlichkeit. Die zu besetzende Position soll dem Geheimdienst eine einheitliche Stimme nach draußen geben. Ausdrücklich geht es dabei laut Jobbeschreibung darum, in Sachen Transparenz "die Erwartungen des Präsidenten zu erfüllen". Barack Obama hatte in einer Rede im Januar zwar erklärt, dass die generelle Überwachung weitergehe, aber mehr Transparenz und öffentliche Bekanntmachung versprochen. Diese Rede wird in der aktuellen Stellenanzeige der NSA explizit erwähnt.

Erwartet werden von einem Bewerber ein passender Studienabschluss, mindestens zehn Jahre Berufserfahrung und Übung im Krisenmanagement. Außerdem kennt sich ein geeigneter Kandidat laut Jobprofil mit den Gepflogenheiten beim Militär aus, verfügt über Führungsqualitäten und ist in der Lage, einen ausführlichen Hintergrundcheck - wie bei Geheimdienstmitarbeitern üblich - zu bestehen. Dafür gibt es dann bis zu 175.000 Dollar pro Jahr zu verdienen, je nach Ausbildung und Erfahrung.

Peinliches PR-Video und belustigende Briefe nach Hause

Das vergangene Jahr war für die NSA verheerend, was die Wirkung in der Öffentlichkeit anging. Durch Snowdens Enthüllungen war die Organisation plötzlich über Monate hinweg international im Gespräch und im Fokus des öffentlichen Interesses, was sich mit einer geheimen Aktivität nur schwer verträgt.

Das sah auch der ehemalige NSA-Chef Keith Alexander so, und ließ sich im Oktober 2013 zu einem peinlichen PR-Video hinreißen, in dem er die Journalisten für ihre Arbeit kritisierte. Er forderte, weitere Enthüllungen über die NSA zu verhindern: "Wir müssen einen Weg finden, das zu stoppen", sagte er im Film über Medienberichte zur Arbeit seiner Behörde. Was genau zu tun sei, wisse er nicht. Das sei aber auch eher Sache der Gerichte und Gesetzgeber. Das Filmchen erreichte zwar tatsächlich eine breite Öffentlichkeit - aber gute Werbung für die NSA war die Journalistenschelte sicher nicht. Sie hinterließ eher den Eindruck, dass beim Geheimdienst die Nerven blank lagen.

Nur einen Monate später hatte sich die damalige NSA-Spitze deshalb auf anderem Wege bemüht, das Ansehen des Dienstes und der Mitarbeiter ein aufzupolieren. Zu den Feiertagen gab Keith Alexander seinen Mitarbeitern einen Gesprächsleitfaden mit nach Hause, mit dessen Hilfe sie ihre Arbeit kritischen Freunden und Familienmitgliedern gegenüber verteidigen konnten. In dem Schreiben war zu lesen, wie wichtig die Arbeit der NSA für die Nation sei und wie gut die Mitarbeiter diese erfüllten. Es gehe darum, "Freiheiten zu schützen, die wir alle schätzen", und dafür brächten die Mitarbeiter viele persönliche Opfer.

Etwas in der Richtung kann man sich wohl unter den "Schlüsselbotschaften" vorstellen, die auch ein neuer "Director of Strategic Communications" laut Jobprofil zusammenstellen soll. Der neue Mann oder die neue Frau auf dem Posten müsste sich dann wohl auch Gedanken machen, ob es weitere Schriebe wie die feiertägliche Gesprächshilfe geben soll. Denn die sorgte, nachdem sie an die Öffentlichkeit gekommen war, dort weniger für ein Umdenken als vor allem für Belustigung.



insgesamt 13 Beiträge
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spon_1220754 28.07.2014
1. Wer will...
... den Posten schon haben? Bin gespannt.
akoranga 28.07.2014
2. Die Top Besetzung wäre
Edward Snowden, ...man würde ihm wenigstens glauben
tennislehrer 28.07.2014
3. Ich schlage Mehdorn bzw.
...Wowereit vor! Wir wollen beide nicht mehr!
genugistgenug 28.07.2014
4. fragt.....
fragt doch mal Dobrindt oder das Friedrich - beide sind hochkompetent und sagen wie immer NIX und erklären alles für beendet. Wieso müssen die eine Stelle ausschreiben? Die haben doch genug Personen im Datenbestand und können sich doch da den passenden Bewerber zusammenbasteln :-) Aber mal ehrlich, wer macht so einen Job überhaupt bei dem man entweder selbst lügen muss, oder von den eigenen Vorgesetzten belogen wird um ja nicht zu viel zu sagen. Das neue Paradoxon nach Quadratur des Kreises Pressesprecher bei NSA
taglöhner 28.07.2014
5. Heerscharen
Zitat von genugistgenugfragt doch mal Dobrindt oder das Friedrich - beide sind hochkompetent und sagen wie immer NIX und erklären alles für beendet. Wieso müssen die eine Stelle ausschreiben? Die haben doch genug Personen im Datenbestand und können sich doch da den passenden Bewerber zusammenbasteln :-) Aber mal ehrlich, wer macht so einen Job überhaupt bei dem man entweder selbst lügen muss, oder von den eigenen Vorgesetzten belogen wird um ja nicht zu viel zu sagen. Das neue Paradoxon nach Quadratur des Kreises Pressesprecher bei NSA
Das gilt ja wohl in erster Linie für Dinge, die für die "Firma" negativ ausfallen. Ich überlege gerade für welchen Pressesprecher auf der Welt das nicht gilt...
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