NSA und GCHQ Geheimdienste hacken Sim-Karten-Hersteller

NSA und GCHQ sollen im großen Stil Sim-Karten-Daten von einem europäischen Unternehmen gestohlen haben. Mit den Verschlüsselungscodes können sie die Kommunikation der Nutzer überwachen.

Die RAF Menwith Hill Station des GCHQ (Archiv): Geheimdienste sollen Sim-Karten-Daten gestohlen haben
REUTERS

Die RAF Menwith Hill Station des GCHQ (Archiv): Geheimdienste sollen Sim-Karten-Daten gestohlen haben


Die NSA und ihr britisches Pendant GCHQ sollen Verschlüsselungscodes für Sim-Karten gestohlen haben. Die Geheimdienste hätten dabei den führenden Sim-Karten-Hersteller Gemalto im Visier gehabt, berichtet das Investigativ-Portal "The Intercept".

Die Schlüssel zu den SIM-Karten ermöglichten es, unauffällig die Kommunikation von Nutzern zu überwachen. Dadurch könnten die Geheimdienste sowohl Handygespräche abhören, als auch Datenströme von Smartphones anzapfen. Belege, dass die Geheimdienste die Daten tatsächlich missbraucht haben, gibt es bislang nicht.

"The Intercept" berief sich auf ein NSA-Dokument aus dem Jahr 2010, das der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden heruntergeladen und weitergegeben hatte. Der GCHQ und die NSA verschafften sich demnach die Verschlüsselungscodes, indem sie die private Kommunikation von Gemalto-Informatikern durchforsteten. Die NSA äußerte sich auf Nachfrage bislang nicht zu den Vorwürfen.

Gemalto hat seinen Sitz in den Niederlanden. Eine Unternehmenssprecherin teilte mit, der Bericht von "The Intercept" werde "sehr ernst" genommen. Gemalto werde "alle notwendigen Ressourcen" aufwenden, um den Vorwürfen nachzugehen. Das Unternehmen sei in den vergangenen Jahren immer wieder von Hackern angegriffen worden und verhalte sich "besonders wachsam". Das Wichtigste sei, jetzt zu verstehen, wie der Angriff passieren konnte, um eine Wiederholung zu verhindern, sagte Gemalto-Manager Paul Beverly "The Intercept". Derzeit sei noch keine Verbindung zwischen früheren Hackerattacken und mutmaßlichen Aktivitäten von NSA und GCHQ festgestellt worden.

Die Website "The Intercept" wertet die Unterlagen aus, die Edward Snowden während seiner Zeit bei der NSA sicherstellte. Er hatte die Dateien im Juni 2013 Journalisten um den Enthüllungsreporter Glenn Greenwald übergeben; seitdem werden sie schrittweise von Medien wie dem britischen "Guardian" oder dem deutschen Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL veröffentlicht.

isa/dpa/AFP

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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
lineman0208 20.02.2015
1. Nach den Festplatten nun...
die Simcard. Es wird langsam einfach ermüdend. Ja, warum un sie das alles? Weil sie es können. Sie werden weiterhin tun was sie können, denn alles Andere ist augenwischerei. Man sollte sich einfach mal nichts voemachen. So sieht es aus und es wird nicht besser werden, versprochen!
bojenberg 20.02.2015
2. Wtf ...
... haben diese Keys auf Servern zu suchen, die von außen erreichbar sind oder einen USB Port haben? Das ist doch Vorsatz!
torquemada 20.02.2015
3. Endlich!
Jetzt aber hurtig ran an den Speck, bevor die Daten schon wieder vergammelt sind.
nord1icht 20.02.2015
4. Natürlich
... wurden die Daten missbräuchlich verwendet. Das Muster "alles was technisch geht, wird auch gemacht" zieht sich durch. Da gibt es keinerlei Skrupel irgendwelcher Art, uns was die NSA nicht darf (wg. US-Bürgern) erledigen die Briten für sie. Verfassungsfeine bis über beide Ohren, aber glauben, sie seien ja die Guten. Herrenmenschen-Mentalität.
Rassek 20.02.2015
5.
Tja, lieber Spiegel. Grüssen und danken Sie Herrn Snowden mal von mir. ..berichten Sie doch mal, wie es ihm so geht.
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