Wortstreit: Google verärgert Schwedens Sprachwächter

Wenn etwas nicht mit Google zu finden ist, dann ist es ungooglebar: Diesen Begriff setzte der schwedische Sprachrat auf eine Liste neuer Wörter. Dann mischte sich der Suchkonzern ein.

Google-Logo: Suchkonzern wehrt sich gegen "ogooglebar" Zur Großansicht
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Google-Logo: Suchkonzern wehrt sich gegen "ogooglebar"

Hamburg - Der schwedische Sprachrat ist derzeit nicht besonders gut auf Google zu sprechen. Das Gremium wirft dem Konzern den Versuch vor, die schwedische Sprache kontrollieren zu wollen. Grund für die Verstimmung ist der schwedische Ausdruck "ogooglebar", auf Deutsch ungooglebar.

Die Wortschöpfung bezeichnet Dinge, die sich nicht mit einer Suchmaschine im Web finden lassen. Bisher steht ogooglebar nicht im Wörterbuch. Weil es trotzdem benutzt wird, setzte der schwedische Sprachrat es im Dezember auf eine Liste neuer Wörter, wie die schwedische Website "The Local" berichtet.

Doch dann meldete sich der Suchkonzern und forderte, dass der Sprachrat die Erklärung zu dem Wort ergänzen und Google explizit erwähnen müsse. Der Sprachrat hatte in der Erklärung allgemein auf eine Suchmaschine verwiesen. Außerdem müsse darauf hingewiesen werden, dass es sich bei Google um ein geschütztes Markenzeichen handele.

Der Sprachrat zeigte sich irritiert über die Einmischung und strich daraufhin das Wort lieber ganz von der Liste - um eine Debatte loszutreten. Die Chefin des Sprachrats, Ann Cederberg, sagte "The Local": "Wenn wir das Wort ogooglebar in unserer Sprache haben wollen, dann benutzen wir es und geben ihm dadurch eine Bedeutung - nicht ein multinationaler Konzern, der Druck ausübt."

Ein Google-Sprecher wollte laut der Nachrichtenagentur AP zu dem Zwist keine Stellung nehmen und erklärte, Google würde wie viele andere Unternehmen auch routinemäßig Schritte unternehmen, um seine Markenzeichen zu schützen.

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insgesamt 79 Beiträge
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1. Tempo
userinlm 26.03.2013
Ich habe gerade mal im Wörterbuch unter "Tempo" geschaut und da ist es nur als Abkürzung von "Tempotaschentüchern" angegeben aber die Firma "Tempo" wird nicht extra erwähnt. Dann sollte sich Google auch damit abfinden können. ;)
2. Titellos
UnitedEurope 26.03.2013
Die Aktion mag zwar aus Googles Sicht Sinn ergeben, man will nicht das Google zum Gattungsname wird und dadurch Google Inc. Rechte daran abtreten muss (wie seinerzeits bei Sony und "Walkman"). Trotzdem ist es pervers, dass einzelne Konzerne so viel Macht bei sich bündeln, dass sie es sich erlauben können, ganze Sprachen bewusst zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Ich weiß warum ich Google nicht mag und nicht benutz.
3. Unsinn
n.schuller 27.03.2013
"to google" ist seit Jahren ein Verb (worüber Google sich gefreut hat) und Verben kann man nicht als Markenzeichen schützen.
4.
SieLebenWirSchlafen 27.03.2013
Zitat von sysopAFPWenn etwas nicht mit Google zu finden ist, dann ist es ungooglebar: Diesen Begriff setzte der schwedische Sprachrat auf eine Liste neuer Wörter. Dann mischte sich der Suchkonzern ein. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/ogooglebar-ungooglebar-google-aergert-schwedischen-sprachrat-a-891120.html
Google ist eine Marionette der Geheimdienste (wie so viele große Portale) und jeder der Android/Chrome etc. und sonstige Google Dienste nutzt, bekommt das ausspionieren und die Gängelung doch eigentlich mit. Siehe z.B.: China-Hack: Google sucht Hilfe bei Geheimdienst NSA - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/china-hack-google-sucht-hilfe-bei-geheimdienst-nsa-a-675865.html) Google gibt Nutzerdaten an US-Geheimdienst weiter - NSA - Sicherheit - PC-WELT (http://www.pcwelt.de/news/NSA-Google-gibt-Nutzerdaten-an-US-Geheimdienst-weiter-3332827.html) Google: Hand-in-Hand mit dem Geheimdienst? - News - CHIP Online (http://business.chip.de/news/Google-Hand-in-Hand-mit-dem-Geheimdienst_46978190.html) https://www.taz.de/!56433/ Die Spatzen haben es längst von den Dächern gepfiffen, aber entweder ist der Mensch völlig verblödet und bereits bei "Ideocracy" angelangt, er findet das noch "geil", oder gar beides! Aber die Verblödung wird ja auch schön durch die Medien verbreitet. Da könnte ich wieder Links bringen mit wem die wohl ... Aber sucht selber!
5. Warum der Rückzieher?
profni 27.03.2013
Wenn jemand "Google" für seine kommerziellen Interessen verwendet, ist klar dass Google dagegen vorgehen kann. Wenn bei uns die Dudenredaktion feststellen würde, dass ungooglebar verwendet wird und das Wort in den Duden aufnimmt, dürfte der Konzern kaum etwas dagegen unternehmen können. Duden (und vergleichbar - ? -der Schwedische Sprachrat) stellen fest, wie Sprache verwendet wird, das ist alles.
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