Online-Binnenmarkt: EU-Kommission will geistiges Eigentum schützen

Die Europäische Union will einen gemeinsamen Online-Binnenmarkt schaffen, in dem geistiges Eigentum gut geschützt ist. Einen entsprechenden Rahmenplan hat EU-Kommissar Michel Barnier präsentiert. Vorgesehen sind Musik-Lizenzen und Regeln für "verwaiste" Bücher.

EU-Kommissar Michel Barnier: Grundsatzpapier mit 19 EinzelmaßnahmenZur Großansicht
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EU-Kommissar Michel Barnier: Grundsatzpapier mit 19 Einzelmaßnahmen

Brüssel - Die EU-Kommission will den Schutz von Musik, Texten oder Filmen im Internet gegen Piraterie verbessern. Der "technologische Wandel und insbesondere die wachsende Bedeutung der Internettätigkeiten" habe das Umfeld der Rechte des geistigen Eigentums in den vergangenen Jahren "einschneidend verändert", erklärte die Kommission am Dienstag in Brüssel.

EU-Binnenmarkt-Kommissar Michel Barnier legte eine Reihe von Vorschlägen vor, um das Urheberrecht in der Europäischen Union zu stärken. Ziel sei es einerseits, den Schutz der Werke und die Bezahlung der Urheber zu sichern. Nur wenn die Rechte für geistiges Eigentum geschützt seien, werde in Innovationen investiert, sagte der Kommissar. "Andererseits benötigen Verbraucher und Nutzer Zugang zu kulturellen Inhalten, zum Beispiel Online-Musikangeboten, damit neue Geschäftsmodelle verwirklicht werden und kulturelle Vielfalt gedeihen können", sagte Barnier.

Die nebeneinander bestehenden europäischen und nationalen Vorschriften seien nicht mehr angemessen und müssten modernisiert werden. Während das Internet grenzenlos sei, bestehe in Europa noch immer ein Puzzle aus nationalen Onlinemärkten. Der Vorschlag, "A Single Market for Intellectual Property Rights", umfasst eine Vielzahl an Punkten, vom gemeinsamen EU-Patent bis zu schärferen Maßnahmen gegen Produktpiraterie. Unter anderem:

  • Musik für alle: In der zweiten Jahreshälfte will Barnier einen Rechtsrahmen "für die effiziente länderübergreifende gemeinsame Verwaltung von Urheberrechten, insbesondere im Musiksektor" vorlegen. Bisher werden Rechte für jedes Land einzeln ausgehandelt und vergeben. Geplant sind zudem EU-weite Vorschriften für Vergütungsgesellschaften wie die deutsche Musikverwertungsgesellschaft GEMA. So sollen die Kosten und Regeln für private Kopien von Büchern oder CDs in den 27 Mitgliedsländern angeglichen werden.
  • Digitale Bibliotheken: Die Kommission schlägt ein vereinfachtes Lizenzierungssystem für sogenannte "verwaiste Werke" vor, die zwar noch urheberrechtlich geschützt sind, deren Rechteinhaber aber unbekannt sind. Dadurch könnten diese Werke digitalisiert und im Internet abrufbar gemacht werden. "Dieser Vorschlag trägt dazu bei, die verschiedenen Initiativen für europäische digitale Bibliotheken voranzubringen und sie für jedermann in der Europäischen Union zugänglich zu machen", sagte Barnier.
  • Urheberrechtsverletzungen: Der Verletzung von Urheberrechten will der Franzose nach eigenen Worten "an der Quelle" begegnen. Beim widerrechtlichen Tausch von Filmen oder Musik im Internet sieht der Kommissar dabei die Provider in der Pflicht - die helfen sollen, Internet-Piraterie zu bekämpfen. Kritiker befürchten eine Einführung von Web-Filtern, die Kommission dementiert dies bisher. Im Herbst 2012 soll dann beraten werden, wie es den Copyright-Inhabern einfacher gemacht werden kann, gegen Raubkopien im Internet juristisch vorzugehen.
  • Aufgaben für den Zoll: Zöllner sollen an den Grenzen künftig verstärkt gegen Urheberrechtsverletzungen vorgehen - auch gegen ähnlich aussehende Produkte und gegen Grauimporte.
  • Patentschutz: Die EU-Kommission will das Patentwesen in Europa vereinheitlichen. Ein Patent-Gerichtshof soll in allen Ländern gültige Entscheidungen treffen können.
  • Per Klick zum Trademark: Die Registrierung von Markenzeichen ist bereits harmonisiert, das Verfahren soll nun an die Internet-Ära angepasst werden.
  • Garantiert von hier: Regeln für Herkunftsbezeichnungen gibt es bisher nur in Bezug auf Lebensmittel. Künftig sollen auch Messer aus Solingen und Marmor aus Carrara geschützt werden können.

Den Plänen müssen der EU-Ministerrat, in dem die Regierungen der 27 Staaten vertreten sind, sowie das Europaparlament zustimmen. Spätestens 2013 soll der Vorschlag umgesetzt werden - bis dahin gibt es noch einiges zu beraten und verhandeln.

ore/AFP/dpa

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insgesamt 20 Beiträge
DerBlicker 24.05.2011
Musik und Innovation? Dass ich nicht lache. Musik gehört überhaupt nicht geschützt, denn daran ist nichts technisch innovativ. Wer mit Musik Geld verdienen will, kann das gerne mit Konzerten tun, mit Konserven ist es eben nicht [...]
Musik und Innovation? Dass ich nicht lache. Musik gehört überhaupt nicht geschützt, denn daran ist nichts technisch innovativ. Wer mit Musik Geld verdienen will, kann das gerne mit Konzerten tun, mit Konserven ist es eben nicht mehr möglich, und das ist auch gut so.
JohnBlank 24.05.2011
Hört sich gut an, endlich nicht mehr dieser Klein-Staaten Mist. Vielleicht wird dann auch das Thema TV sich ändern. Während in den USA die Medien wieter sind, bewgen wir uns im Steinzeitalter. Allerdings: Wir reden von der [...]
Hört sich gut an, endlich nicht mehr dieser Klein-Staaten Mist. Vielleicht wird dann auch das Thema TV sich ändern. Während in den USA die Medien wieter sind, bewgen wir uns im Steinzeitalter. Allerdings: Wir reden von der EU,die selbe, die gerne nach Angaben von Juncker auch Lügen muss. Denen da in Brüssel traue ich nicht ganz bei der Sache. Da dürfen die sich bei den Finanzn, ähm Bankministern wie Schäuble bedanken.
abfallverwertung 24.05.2011
Eben. Bevor es Aufzeichnungsmöglichkeiten gab, mussten Musiker ihren Lebensunterhalt durch das bestreiten, wozu sie da sind: Auftreten. Wer gute Musik macht, zu dessen Konzerten werden die Leute auch kommen. Da ist das Internet [...]
Zitat von DerBlickerMusik und Innovation? Dass ich nicht lache. Musik gehört überhaupt nicht geschützt, denn daran ist nichts technisch innovativ. Wer mit Musik Geld verdienen will, kann das gerne mit Konzerten tun, mit Konserven ist es eben nicht mehr möglich, und das ist auch gut so.
Eben. Bevor es Aufzeichnungsmöglichkeiten gab, mussten Musiker ihren Lebensunterhalt durch das bestreiten, wozu sie da sind: Auftreten. Wer gute Musik macht, zu dessen Konzerten werden die Leute auch kommen. Da ist das Internet die optimale Werbeplattform. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn man meine Musik tausendfach kostenlos runterlädt. Denn das bedeutet mehr Publikum beim nächsten Konzert. Durch Filesharing habe ich schon so manche Musikgruppe entdeckt, von der ich normalerweise nie erfahren hätte. Und durch meine Konzertbesuche haben die sicher mehr an mir verdient als wenn ich nie von dieser Musik erfahren hätte. Ein positiver Nebeneffekt: 0815 Retortenkünstler können nicht mehr so wie früher schnell mal ein Haufen Geld machen. Man muss wieder mehr Qualität liefern und auch bühnenfähig sein. Die Hörer kaufen nicht mehr jeden Eintagsfliegen-Schrott. Gleiches gilt für Filme. Die wirklichen guten Filme wollen die Leute nach wie vor im Kino sehen und sich oft später auch die DVD kaufen. Die Leute haben es einfach satt, von der Unterhaltungsindustrie über den Tisch gezogen zu werden und Katzen im Sack zu kaufen. Heutzutage kann man sich vorher ein sehr genaues Bild machen. Das ist gut so. Im übrigen ist geistiges Eigentum ein Affront gegen Kultur selbst. Es ist der Anspruch der Gier, des Nichtteilenwollens, des Zurückhaltens vor anderen. Geistiges Eigentum entspricht voll und ganz dem Profitgedanken der kapitalistischen Neuzeit. Es ist das genaue Gegenteil einer kreativ freien Haltung, das Gegenteil von Teilhaben. Gleiches gilt für Patente. Diese Dinge gehören schlicht abgeschafft. Es wäre ein großer Innovations- und Kreativitätsschub weltweit. Und der sogenannte Wettbewerb bestünde nicht mehr in Abgrenzung, sondern in Kooperation und Art der Umsetzung.
Ahnungslos 24.05.2011
Diese ganze Idee vom geistigen Eigentum ist sowieso totaler Schwachsinn. Klar, der Urheber hat eine Leistung erbracht für die er entlohnt werden soll, aber wieso muss das über ein Monopol passieren, welches dann mitunter für [...]
Zitat von sysopDie Europäische Union will einen gemeinsamen Online-Binnenmarkt schaffen, in dem geistiges Eigentum gut geschützt ist.*Einen entsprechenden Rahmenplan hat*EU-Kommissar Michel Barnier präsentiert. Vorgesehen sind*Musik-Lizenzen und Regeln für "verwaiste" Bücher. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,764705,00.html
Diese ganze Idee vom geistigen Eigentum ist sowieso totaler Schwachsinn. Klar, der Urheber hat eine Leistung erbracht für die er entlohnt werden soll, aber wieso muss das über ein Monopol passieren, welches dann mitunter für Jahrzehnte bestehen kann? Es gibt gut funktionierende Entlohnungssysteme, die täglich Millionen von Arbeitnehmern und Selbständige nutzen. Kein Mensch benötigt ein Urheberrecht auf seine Arbeitsleistung, sei sie geistig oder körperlich.
ok-info 24.05.2011
leben muß, weiß ich, daß es sich dabei keineswegs um Schwachsinn handelt - es ist aber auch okay, daß diese nach einer weile erlischt. Klar besitzt die Mehrzahl der Leute kein geistiges Eigentum (woher sollte es auch kommen [...]
leben muß, weiß ich, daß es sich dabei keineswegs um Schwachsinn handelt - es ist aber auch okay, daß diese nach einer weile erlischt. Klar besitzt die Mehrzahl der Leute kein geistiges Eigentum (woher sollte es auch kommen ?), aber so etwas gibt es tatsächlich - manche Menschen erdenken/erarbeiten so etwas, die sind dazu imstande. Die können sogar eigene Doktorarbeiten schreiben, man überlege mal ! Das rechnet sich bloß nicht so... Grotesk finde ich, daß hier immer nur die Rede ist von "Musik, Texten oder Filmen" - wer glaubt, daß es sonst nichts Schützenswertes gibt (außer evtl. dem Wankel-Motor, aber den kann man ja nicht ´runterladen - den müßte man schon wie die Rolex in China bestellen), der weiß einfach nicht, wovon er hier überhaupt schwallert, genausowenig wie der EU-Kommission das offenbar klar ist.
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  • Dienstag, 24.05.2011 – 18:10 Uhr
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Piraten-Paradise weltweit

Wo gibt es Raubkopien, wo wird mit gefälschten Produkten gehandelt? Das Büro des US-Handelsvertreters unterhält dazu die "Notorious Markets"-Liste mit Beispielen - und fordert die betreffenden Länder auf, Maßnahmen zu ergreifen.

Im Fadenkreuz der US-Regierung:
In dieser Kategorie sammelt die US-Regierung Online-Shops, in denen Musik-Raubkopien kostenpflichtig heruntergeladen werden können. Aufgeführt werden aber nur nicht näher benannte Allofmp3-Klone. Die russische Seite Allofmp3 wurde 2007 geschlossen, seitdem hätten nahezu identische Websites den Platz eingenommen, heißt es.

Quelle: Office of the United States Trade Representative. Out-of-Cycle Review of Notorious Markets, 28. Februar 2011







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