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Online-Demonstration: 100.000 Facebook-Nutzer klicken gegen Neonazis

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Rechtsextremisten rotten sich auf Facebook zusammen - das wollen mehr als 100.000 Mitglieder des Netzwerks nicht länger hinnehmen. Sie protestieren gegen die offizielle NPD-Präsenz und fordern Facebook auf, die Seite zu löschen. Bisher allerdings vergeblich.

Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai in Berlin: Die NPD sammelt Facebook-Freunde Zur Großansicht
Getty Images

Neonazi-Aufmarsch am 1. Mai in Berlin: Die NPD sammelt Facebook-Freunde

So sehen Nazis aus: Auf der Facebook-Seite der NPD bekennen sich mehr als tausend Nutzer zu der rechtsextremen Partei. Viele mit ihrem richtigen Namen nebst passendem Foto. Sie zeigen Muskeln, Tätowierungen oder T-Shirts mit Fraktur-Beschriftung. Das ist ganz im Sinne der Partei: Vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ereilte die NPD-Mitglieder die Order, die virtuellen Masken fallen zu lassen und sich offen zur Partei zu bekennen. Der Erfolg ist eher bescheiden, der virtuelle Ortsverein der Rechtsextremen konnte nur 300 Fans hinzugewinnen.

Die Gegner der NPD sind erfolgreicher: Seit vier Tagen sammeln sie sich in einer eigenen Facebook-Gruppe. Mehr als 100.000 Mitglieder fordern "Kein Facebook für Nazis", auch hier die meisten mit ihrem richtigen Namen und einem eigenen Foto.

Auf Facebook treffen die Gruppen aufeinander - ganz ohne Polizei, die sonst Aufmärsche von Neonazis zum Teil rabiat gegen Störer aus dem Linken Spektrum verteidigen muss. Auf Facebook findet die Konfrontation ganz ohne Ordnungshüter statt, hier steht Profilbild gegen Profilbild. Derzeit kommen auf jeden NPD-Anhänger rund hundert Gegner. Mehr als neun Millionen Mitglieder zählt Facebook in Deutschland, damit haben sich rund 1,1 Prozent der Nutzer dem Protest angeschlossen. Sie wollen, dass Facebook die NPD-Seite löscht - doch laut Facebook-Regeln ist gegen die NPD-Präsenz im sozialen Netz nichts auszusetzen.

Denn Facebook geht nur gegen Inhalte vor, die gegen Gesetze verstoßen. Die NPD-Seite mag zu einem Online-Massenprotest führen - solange die Rechten nicht zur Hatz gegen Andersdenkende aufrufen, hält das amerikanische Netzwerk die freie Meinungsäußerung hoch und macht nicht von seinem Hausrecht gebrauch. Auch nicht, wenn 100.000 Nutzer protestieren.

Dass es auch anders geht, zeigt die Facebook-Konkurrenz aus Deutschland. Bei den VZ-Netzwerken will man Rechtsextremisten keine Plattform bieten. "Rechtsextreme oder extremistische Inhalte und Profile sind bei uns verboten. Dazu zählt bei uns auch die NPD", sagt eine Sprecherin der VZ-Netzwerke. Man gehe jedem Hinweis nach und lösche gegebenenfalls Gruppen und Profile.

Geschmack zählt nicht

Diese rigorose Haltung gab es bei StudiVZ nicht von Anfang an: Im Herbst 2007 schlugen Tausende Mitglieder den Betreibern der Seite vor, rechtsextreme Inhalte zu löschen - doch dazu wollte man sich damals nicht entschließen, sprach von extremistischen Meinungen, die eine Gesellschaft aushalten müsse. Die NPD sei doch als Partei auch nicht verboten, in den Beiträgen auf der Seite könne man nichts Verfassungsfeindliches finden. Die Gegner der Rechten mobbten die Neonazis schließlich so lange, bis diese entnervt aufgaben und ihre NPD-Gruppe von selbst zurückzogen. Nach harscher Kritik greifen die Betreiber der VZ-Netzwerke mittlerweile durch und schmeißen die Rechten raus, so sie denn auffällig werden.

Geschmacksfragen zählen, anders als bei den in Berlin ansässigen VZ-Netzwerken, bei der amerikanischen Firma Facebook nicht. Das ahnen wohl auch einige der 100.000 Online-Demonstranten: Sie rufen dazu auf, die Facebook-Seite der NPD mit möglichst viel Unsinn zu verstopfen. Anders als eine Straßenblockade können die NPD-Fans diesen zivilen Ungehorsam allerdings mit ein paar Klicks einfach ausblenden.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 87 Beiträge
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1. Gegen Neonazis und an Göring anlehnend....
haltetdendieb 12.05.2010
..."Wer Neonazi ist, bestimme ich!" Diese Gegenrechtsgeiferer gehen mir dermaßen auf den Senkel. Wo rotten sich bitteschön Neonazis auf facebook zusammen? Und wo ist der Artikel geblieben? Schlecht recherchiert, oder wieso gibt es den nicht mehr?
2. ..
tetaro 12.05.2010
Zitat von sysopRechtsextremisten rotten sich auf Facebook zusammen - das wollen mehr als 100.000 Mitglieder des Netzwerks nicht länger hinnehmen. Sie protestieren gegen die offizielle NPD-Präsenz und fordern Facebook auf, die Seite zu löschen. Bisher allerdings vergeblich. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,694558,00.html
Klickklick. Straßenschlachten Anno 2010 mit der Counterstrike Generation. Nur der virtuelle Wasserwerfer fehlt noch.
3. freiheit
hermit, 12.05.2010
Interessant, daß in den ach so oft geschmähten USA die REde- und GEdankenfreiheit noch immer hoch gehalten wird - hierzulande ja weniger, also die übliche Tradition: Wer anders denkt, schreibt oder was auch immer, der wird in totalitärer Manier erbarmungslos bekämpft: Und sie fühlen sich so wohl dabei und ach so tapfer zivilcouragiert. Jämmerliche Meute!
4. Apropos Maken fallen lassen
Kosmopolit08 12.05.2010
Zitat von hermitInteressant, daß in den ach so oft geschmähten USA die REde- und GEdankenfreiheit noch immer hoch gehalten wird - hierzulande ja weniger, also die übliche Tradition: Wer anders denkt, schreibt oder was auch immer, der wird in totalitärer Manier erbarmungslos bekämpft: Und sie fühlen sich so wohl dabei und ach so tapfer zivilcouragiert. Jämmerliche Meute!
Sie verstehen unter Zivilcourage wahrscheinlich eher Ausländerfamilien durch national befreite Zonen zu hetzen. Redefreiheit ist ein demokratisches Grundrecht, geistige Brandstiftung ist es nicht. Der Unterschied zwischen den USA und Deutschland in dieser Frage? Über 20 Millionen tote Europäer. Danke, setzen...
5. Propaganda
elschmido, 12.05.2010
Zitat von Kosmopolit08Sie verstehen unter Zivilcourage wahrscheinlich eher Ausländerfamilien durch national befreite Zonen zu hetzen. Redefreiheit ist ein demokratisches Grundrecht, geistige Brandstiftung ist es nicht. Der Unterschied zwischen den USA und Deutschland in dieser Frage? Über 20 Millionen tote Europäer. Danke, setzen...
Hoeren Sie doch mit diesen Floskeln auf. "Geistige Brandstiftung" - wenn ein Volk nicht in der Lage ist mit dummen Meinungen umzugehen, kann es auch nicht schlau genug fuer eine demokratische Staatsform sein. In einer demokratischen Gesellschaft muessen alle Meinungen erlaubt sein. Lediglich das gesetzeswidrige Handeln (also "Auslaenderfamilien durch national befreite Zonen zu hetzen") muss hart bestraft werden.
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Facebook: Das Weltnetz
Mitglieder
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).
Plattform
Seit Mai 2007 können externe Entwickler auf Nutzerdaten zugreifen, wenn die Facebook-Mitglieder dem zustimmen. Seit die Plattform für externe Entwickler geöffnet wurde, wächst das Angebot des einstigen Studentennetzwerk rasant – die Nutzer können aus mehreren tausend kostenloser Anwendungen wählen – Spielen, Fotoverwaltern, Programmen zum Abgleich von Lese-, Film- und Musikvorlieben zum Beispiel.
"Mir gefällt das"
Facebook überall: Die "Mir gefällt das"-Funktion können Website-Betreiber auf ihren eigenen Seiten einbauen. Mit einem Klick teilen Facebook-Nutzer ihren Freunden mit, was ihnen gefällt. Im Gegenzug kann Facebook Werbung gezielter schalten - und weiß, welche Seiten die Mitglieder ansurfen.
Geschäft
Der Umsatz von Facebook lag 2009 schätzungsweise bei 800 Millionen Dollar. Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im November 2007 bei einer Präsentation in New York 250 Werbekunden ein "Interface, um Erkenntnisse über die Facebook-Aktivitäten von Mitgliedern zu sammeln, die fürs Marketing relevant sind", versprach, brach ein Proteststurm los.
Firmenwert
Facebook hat Google 2010 als meistbesuchte Website in den USA überholt. Anfang 2011 investierten die US-Großbank Goldman Sachs und die russische Beteiligungsgruppe Digital Sky Technologies 500 Millionen Dollar in das US-Unternehmen. Der Wert des Netzwerks klettert auf 50 Milliarden Dollar.
Hollywood
Der Film zum Phänomen: Die Gründungsgeschichte von Facebook wurde 2010 von David Fincher mit Jesse Eisenberg in der Hauptrolle verfilmt. "The Social Network" zeigt Zuckerberg als soziopathischen Nerd, der Facebook aus enttäuschter Liebe gründet.


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