Von Konrad Lischka
Viele Menschen würden sich über die Daten freuen, die auf Milan Bergers Plattform verbreitet werden.
Berger ärgert sich.
In seinem Internetforum veröffentlichen Unbekannte seit gut einem Jahr immer wieder komplette Datensätze von Kreditkarten. Vor sechs Jahren hat der Programmierer eine Web-Anwendung mitentwickelt, mit der man ohne Anmeldung mit wenigen Klicks beliebige Texte auf einer Web-Seite mit fester Adresse veröffentlichen kann. Solche Pastebins nutzen vor allem Programmierer, um bei Chats längere Code-Passagen einzubinden, ohne den Dialog zu unterbrechen. Berger moderiert die neuen Einträge im Codeschnipsel-Forum nicht vorab, stattdessen entfernt eine Löschroutine automatisch Einträge mit bestimmten Schlagwörtern, die zum Beispiel auf Links zu Raubkopie-Seiten hindeuten. Vor einigen Monaten aber entdeckte Berger unter den meistabgerufenen Einträgen seines Pastebins Veröffentlichungen, die mit Quelltext gar nichts zu tun haben: Listen mit mehreren Dutzend Kreditkartendatensätzen und Kontaktinformationen zu sogenannten Cardern - Menschen, die solche Daten vertreiben.
Zumindest ein Teil der veröffentlichten Datensätze ist echt. SPIEGEL ONLINE hat in einer Stichprobe die Kartenbesitzer kontaktiert. Alle haben die Informationen bestätigt. Es handelte sich um Professoren, Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen, Mitarbeiter von Kreditkartenunternehmen, Ärzte. Ihre E-Mail-Adressen und Telefonnummern waren auf Basis der veröffentlichten Daten leicht zu recherchieren. Denn die Cyber-Kriminellen haben vollständige Namen, Kreditkartennummern, Sicherheitscodes, Privatadressen, den Ablaufmonat der Karte und in einigen Fällen auch das Geburtsdatum veröffentlicht.
Berger hatte schon zuvor - ohne diese Gewissheit - die Polizei und die Kreditkartenfirmen informiert. Er berichtet vom Rückruf eines Beamten vom Betrugsdezernat, dem zufolge die Polizei kaum handeln könne. Denn die Täter hätten die Informationen über einen Proxy veröffentlicht, einen zwischengeschalteten Rechner, der die Identität des Absenders verschleiert. Und die veröffentlichten Daten gehörten mit Sicherheit zu ohnehin gesperrten Karten.
Werbegeschenke, Angeber-Postings und Überwachungssoftware - so arbeiten Kreditkartenbetrüger im Web:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Netzpolitik | RSS |
| alles zum Thema Kreditkartenbetrug | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH