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Guerilla-Aktion: Deutsche Bahn wehrt sich gegen Fahrplan-Veröffentlichung

Fahrplandaten für Google, aber nicht für jedermann: Das wollte ein Entwickler nicht hinnehmen und veröffentlichte die Fahrplandaten der Deutschen Bahn im Internet. Der Konzern reagiert mit einem offenen Brief auf die "illegale Aktion".

Bahn-Ticketautomaten (Symbolbild): "Skepsis gegenüber offenen Daten" Zur Großansicht
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Bahn-Ticketautomaten (Symbolbild): "Skepsis gegenüber offenen Daten"

Hamburg - Die Deutsche Bahn gibt ihre Fahrplandaten bisher nur an ausgewählte Kooperationspartner weiter, zum Beispiel an den Suchmaschinen-Marktführer Google. Die Bahn will kontrollieren, wer was mit den Fahrplandaten anstellt, die Bahn kontrolliert den Zugang, die Daten sind nicht öffentlich in einer maschinenlesbarer Form zugänglich.

Der Entwickler Michael Kreil wollte den Konzern zu mehr Offenheit drängen, er extrahierte von einer CD-ROM der Bahn die Fahrplandaten und konvertierte sie in ein offenes, maschinenlesbares Format. Den digitalen Fahrplan veröffentlichte er im Internet als Torrent-Datei. Der Name der Guerilla-Aktion: openPlanB.

Nun meldet sich die Deutsche Bahn mit einem offenen Brief zu Wort und beklagt den "eindeutigen Rechtsbruch". Im Wiederholungsfall droht sie openPlanB mit zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen. Die Veröffentlichung stelle eine "absichtliche Verletzung der uns und Dritten zustehenden ausschließlichen Rechte an der Datenbank dar".

Mit der Aktion leiste Kreil der "Skepsis gegenüber offenen Daten jedweder Art Vorschub", schreibt Birgit Bohle, Vorsitzende der Geschäftsführung der Bahn-Vertriebstochter. Eine künftige Zusammenarbeit mit dem Open-Data-Aktivisten schließt der Konzern aus. Man werde das Gespräch "mit anderen Open-Data-Förderern suchen".

"Mir war von Anfang an bewusst, dass eine Neulizenzierung juristisch hinterfragt werden könnte", sagte Kreil am Freitag gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die Bahn hatte kritisiert, dass Kreil für die Fahrplandaten ohne jede Berechtigung eine Lizenz (ODbL) vergebe.

Falls es zu einer juristischen Klärung kommen sollte, so Kreil, müsse die Deutsche Bahn begründen, warum sie eine freie Nutzung der Fahrpläne nicht ermöglichen möchte. "Mir ist unklar, in welchen Punkten denn die ODbL dem gesellschaftlichen Auftrag der deutschen Verkehrsunternehmen widerspricht."

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insgesamt 17 Beiträge
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1. optional
Hank_Chinaski 28.09.2012
Ha! Ha! Wäre ja noch schöner wenn jeder rausfinden kann wann die Bahn kommt. Naja - kommen soll.
2. Unverständliches Gebaren
infoseek 28.09.2012
Es gibt eigentlich überhaupt keinen vernünftigen Grund, warum die Bahn (und nicht nur die) ihre Fahrplandaten nicht allgemein verfügbar machen sollte. Das beliebte Argument bezüglich Aktualität und Korrektheit ist keins - wenn die Daten in einem offenen Format von einem DB-eigenen Server realtime und read only abgerufen werden können und sich Dritte entsprechend dranhängen können, besteht diesbezüglich überhaut kein Risiko. Der jetzige Zustand mit bald veraltenden Daten von einer geknackten CD ist wesentlich schlechter. Klar, dass die Bahn genau das nicht will, aber dann sollen sie gefälligst aktuelle Daten ohne irgendwelches Theater rausrücken. Stattdessen tun sie so, als ob ihr Fahrplan eine Art Geheimwissen für insider wäre. Frei zugängliche Fahrplandaten wären für alle Verkehrsunternehmen letztlich positiv - die Fahrgastzahlen können durch clevere Anwendungen nur steigen. Und bezüglich solcher Anwendungen ist noch enorm viel Luft nach oben. Das Herumreiten auf dem Urheberrecht ist einfach nur albern. Und selbst wenn es dazu dient, von einigen Anbietern eventuell Lizenzgebühren verlangen zu können - die würden durch steigende Fahrgastzahlen mit Sicherheit schnell aufgewogen.
3. Aufgabenzweck
NochNeMeinung 28.09.2012
Es ist die Aufgabe der DB, in Deutschland den Personenverkehr der Eisenbahn im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge zu organisieren. Erst an zweiter Stelle steht der Betriebszweck, Gewinne zu erwirtschaften. Dass die Bahn den Fahrplan vermarkten will, entspricht nur dem zweiten und widerspricht dem ersten Zweck. Man stelle stelle sich vor, die Bundestagsverwaltung würde Tantiemen für jeden Abdruck oder jede Veröffentlichung von Gesetzen verlangen.
4. Die Deutsche Telekom...
matthias.mueller 28.09.2012
wurde dereinst als staatlicher Monopolost gerichtlich gezwungen, ihre Telefonbuchdaten jedermann zu Selbstkosten zu lizensieren. Warum sollte dies bei der Bahn anders sein?
5.
Flari 28.09.2012
Zitat von NochNeMeinungEs ist die Aufgabe der DB, in Deutschland den Personenverkehr der Eisenbahn im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge zu organisieren. Erst an zweiter Stelle steht der Betriebszweck, Gewinne zu erwirtschaften. Dass die Bahn den Fahrplan vermarkten will, entspricht nur dem zweiten und widerspricht dem ersten Zweck. Man stelle stelle sich vor, die Bundestagsverwaltung würde Tantiemen für jeden Abdruck oder jede Veröffentlichung von Gesetzen verlangen.
In vielen Bereichen haben die DIN-(Normen) in D quasi Gesetzescharakter. Die Veröffentlichungsrechte liegen aber bei einem gewerblichen Anbieter, der damit richtig Kasse macht..
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Google Transit: Fahrplandaten nicht für alle

Deutsche Bahn
Der Konzern
dpa
Mit einem Umsatz von 39,3 Milliarden Euro und weltweit 285.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Bahn einer der größten Konzerne des Landes. 2012 machte die Bahn einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Jedes Jahr transportiert die Bahn weltweit fast zwei Milliarden Reisende im Fern- und Nahverkehr.
Die Geschäftsfelder
Die Deutsche Bahn bietet neben dem Personenverkehr auch andere Transport- und Logistikdienstleistungen (DB Schenker) an. Gut ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit dem Fern- und Nahverkehr und dem Betrieb von Bussen im Stadtverkehr. Der Bereich DB Schenker, in dem unter anderem der Schiengüterverkehr gebündelt ist, trägt rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei.
Der Chef
REUTERS
Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.

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