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Operation "Onymous": FBI und Europol schließen Hunderte Seiten im Dark Web

Homepage von Silk Road 2.0: Abgeschaltet von den US-Bundesbehörden Zur Großansicht
REUTERS

Homepage von Silk Road 2.0: Abgeschaltet von den US-Bundesbehörden

Silk Road 2.0 war nicht die einzige illegale Seite im Visier internationaler Ermittler. Neben dem Drogenumschlagplatz sollen 410 weitere Seiten geschlossen worden sein. Die Marktführer aber sind noch da.

Den Haag - Europol und andere Polizeibehörden haben eigenen Angaben zufolge nicht nur den Online-Drogenmarktplatz Silk Road 2.0 geschlossen, sondern Hunderte weiterer Seiten. Gemeinsam haben sie eigenen Angaben zufolge "410 Hidden Services ausgeschaltet", außerdem 17 Verhaftungen durchgeführt, Bitcoin im Wert von etwa 800.000 Euro sowie Bargeld, Drogen, Gold und Silber im Wert von etwa 180.000 Euro beschlagnahmt. 16 europäische Staaten und die USA seien an der Aktion beteiligt gewesen, so Europol. Auf einigen der geschlossenen Seiten wurde den Angaben zufolge nicht nur mit Drogen gehandelt. Dort seien auch Kinderpornografie und Auftragsmorde feilgeboten worden.

An der internationalen Polizeioperation mit dem Codenamen "Onymous" waren neben dem European Cybercrime Centre (EC3) von Europol auch das FBI, die US-Zoll- und Einwanderungsbehörde, die Homeland Security der USA und die europäische Organisation Eurojust beteiligt.

Hidden Services sind Seiten, die sich im sogenannten Dark Web verstecken und nur über das Tor-Netzwerk zu erreichen sind. Durch diese Technologie, die ursprünglich von US-Behörden mitentwickelt wurde, lassen sich die IP-Adressen verschleiern, mit deren Hilfe Nutzer ansonsten identifiziert werden könnten. Das Tor-Netzwerk dient lauteren Zwecken, etwa der verschlüsselten und verdeckten Kommunikation von Dissidenten in repressiven Staaten, aber auch illegalen Geschäften mit Waffen, Drogen und anderen Gütern.

"Wired" berichtet, zu den abgeschalteten illegalen Handelsplätzen gehörten neben Silk Road 2.0 auch die Seiten Hydra und Cloud 9. Beide Sites trügen nun statt ihrer normalen Startseiten die "Diese Hidden Site wurde beschlagnahmt"-Mitteilungen von FBI und Europol. Beide Sites seien weit kleiner gewesen als Silk Road 2.0, hätten aber eine besondere Zahlungsvariante angeboten, die das Beschlagnahmen von Bitcoin-Beständen schwieriger machen könnte. Viele Transaktionen innerhalb von Hidden Services werden mittlerweile mit Bitcoin abgewickelt, der auf Verschlüsselungstechnik basierenden Digitalwährung.

Die beiden größten Drogenmarktplätze sind noch online

Die zwei größten Online-Drogenumschlagplätze Agora und Evolution seien aber am Freitag weiterhin online gewesen, berichten mehrere einschlägige Websites. In einem Unterforum des Internetportals Reddit wird auf Seiten mit Dark-Web-Statistiken verwiesen, denen zufolge zahlreiche weitere versteckte Drogenumschlagplätze derzeit nicht mehr erreichbar sind.

Silk Road 2.0 war der inoffizielle Nachfolger des Marktplatzes Silk Road, dessen Betreiber das FBI 2013 verhaftet und die Seite vom Netz genommen hatte. Danach hatte es nur knapp fünf Wochen gedauert, bis ein Nachfolger auftauchte: Silk Road 2.0.

In San Francisco nahm das FBI offenbar schon am Mittwoch einen 26-Jährigen fest. Blake B. soll hinter dem Pseudonym "Defcon" stecken und der Administrator von Silk Road 2.0 gewesen sein. Er habe schon ein entsprechendes Geständnis abgelegt, berichtet die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Staatsanwältin Kathryn Haun. Laut der Staatsanwaltschaft waren auf Silk Road 2.0 mehr als 150.000 Nutzer aktiv. Beim Handel mit Hunderten Kilogramm Drogen und anderen illegalen Gütern seien monatlich 6,4 Millionen Euro umgesetzt worden. Demnach gab es insgesamt 13.000 Anzeigen für verbotene Güter auf der Website.

Dem Betreiber droht lebenslange Haft

Blake B. habe sich der Verschwörung zu Drogenhandel und Geldwäsche schuldig gemacht, so die Anklage. Außerdem soll er in illegales Hacking und Urkundenfälschung verwickelt gewesen sein. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft.

Blake B. wurde laut AP einen Tag nach seiner Festnahme einer Richterin vorgeführt. Das US-Magazin "Forbes" berichtet, B. habe Anfang des Jahres einige Monate für SpaceX, das Raumfahrt-Unternehmen des Tesla-Gründers Elon Musk, gearbeitet.

In Dublin wurden offenbar in einer weiteren Aktion zwei Verdächtige verhaftet und Drogen im Wert von 180.000 Euro beschlagnahmt, darunter etwa Ecstasy-Pillen und LSD, berichtet der "Belfast Telegraph". "Wired" zufolge wurden in Dublin außerdem weitere 2,5 Millionen Dollar in Bitcoin sichergestellt. Dieser Schlag sei zwar Teil einer "koordinierten Strafverfolgungsaktion", aber nicht Teil des gleichen Falls, zitiert das Magazin einen FBI-Sprecher.

cis/AFP/AP

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insgesamt 21 Beiträge
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    Seite 1    
1. Legaliltät und Freiheit
...xyz 07.11.2014
an Drogen kann man doch diese ganze Schizophrenie der heutigen Gesellschaft sehen ... vorher haben die die eigentlich alle ... Koks kann ja nur ein Thema sein, wenn es Leute gibt, die das konsumieren, in den 70ern gabs viele Lieder darüber .. ok heute weniger .. aber trotzdem .. ist ein Leben lebenswert, indem alles verboten ist ? .. natürlich gibt's die gesellschaftliche Verantwortung .. aber daneben muß es eben auch etwas anderes geben .. einbißchen kommt da eben unsere gesellschaftliche Struktur an ihre Grenzen .. ich bin eher für eine aufgeklärte Gesellschaft , mit aufgedeckten gesellschaftlichen Strukturen .. von mir aus auch mit Kasten .. wo jeder eben aber auch seine Rechte hat, das beste Beispiel für mich immer die NSA .. da liegen Daten, die wirklich für Gerechtigkeit sorgen könnten, allerdings schaffen die Menschen es nicht eine gesellschaftliche Struktur zu erschaffen, die die freiheitlichen Rechte der Menschen sichert und gleichzeitig diese Möglichkeit benutzbar macht .. es liegt einfach an der Schlechtigkeit des Einzelnen, jeder will den anderen manipulieren, dominieren, belästigen .. niemand kann nur für sich sein und will selber Verantwortung für sich übernehmen ...auch nicht für diese freiheitlichen Rechte .. die Lüge ist verführerischer und der mächtige Bruder erlaubt sie sogar in der Form eines Kredites , wenn man sich halt selbst verleugnet .. und schon vorher im Leben stirbt, obwohl es gar nicht notwendig wäre und sinnlos ist ... Im Angesichts des Todes gibt es wohl nichts sinnloseres als die Meditation ..
2. Ist Internet-Englisch Neuland?
muskat51 07.11.2014
Warum bitte muss site jetzt auch beim SPIEGEL mit Seite übersetzt werden? "Site" hat die Bedeutung von Standort, Fabrik oder so ähnlich. Eine Gedenkstätte heißt beispielsweise memorial site. Eine deutsche "Seite" ist im Englischen, je nach Bedeutung, eine "page" oder eine "side".
3. 410 Seiten?
Mensch Meier 07.11.2014
Da ist uns die NCA aber noch den Beweis schuldig. Offenbar hat sie hier die Unterseiten mitgezählt. Schaut man sich die 50 größten Markets an, sind davon nicht mal 10 down
4.
Frank Zi. 07.11.2014
Zitat von muskat51Warum bitte muss site jetzt auch beim SPIEGEL mit Seite übersetzt werden? "Site" hat die Bedeutung von Standort, Fabrik oder so ähnlich. Eine Gedenkstätte heißt beispielsweise memorial site. Eine deutsche "Seite" ist im Englischen, je nach Bedeutung, eine "page" oder eine "side".
So ein Unfug. Warum heißt es dann "Website" und nicht "Webside"? Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Website oder: http://www.duden.de/rechtschreibung/Website
5.
Vin Taroel 07.11.2014
Zitat von Frank Zi.So ein Unfug. Warum heißt es dann "Website" und nicht "Webside"? Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Website oder: http://www.duden.de/rechtschreibung/Website
Die Seite heißt weder Website noch Webside sondern einfach Webpage. Eine Website ist z.B. Spiegel Online, das ist also eine Stätte für viele Webseiten, quasi eine Fabrik für die Erstellung von Webseiten aus den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur u.s.w. So ein Handelsportal, eine Website, kann man also nicht mit Seite übersetzen. Mehr wollte er/sie nicht sagen.
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