Cyber-Attacke Hacker legen israelische Regierungswebsites lahm

Alle Jahre wieder: Pünktlich zum 7. April haben Aktivisten im Namen von Anonymous zahlreiche Seiten der Regierung in Israel blockiert. Und sie drohen mit weiteren Angriffen.

YouTube-Screenshot: Kollektiv attackiert israelische Webseiten

YouTube-Screenshot: Kollektiv attackiert israelische Webseiten


In Israel sind offenbar Dutzende Webseiten angegriffen worden, darunter zahlreiche Seiten der israelischen Regierung. Propalästinensische Hacker hätten sie mit gezielten Attacken lahmgelegt, berichten israelische Medien. Bei Twitter bekannte sich ein Kollektiv namens Op_Israel dazu, die Seiten vom Netz genommen zu haben, darunter die des Obersten Gerichts und zahlreicher Behörden. Betroffen sei auch eine Webseite für Erziehung sowie mehrere israelische Sänger.

Eine Hacker-Gruppe hatte Israel im Namen von Anonymous für Dienstag einen "elektronischen Holocaust" angedroht. Die Ankündigung war bei YouTube erschienen, die Angreifer bezeichnen sich darin als die "Stimme Palästinas". Wie bei früheren Angriffen will die Organisation nach eigenen Angaben mit der Aktion #OpIsrael gegen Entscheidungen der israelischen Regierung protestieren, sowie auf die Lage der Palästinenser in den besetzten Gebieten aufmerksam machen.

Auf vielen betroffenen Seiten erschien die Mitteilung "Hacked by AnonGhost" und überraschenderweise Bilder von Kämpfern mit der Flagge der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS). Anonymous ist zwar keine feste Hacker-Gruppe, sondern ein loses Kollektiv, dem sich jeder anschließen und unter dessen Namen theoretisch jeder operieren kann. Bislang hatte sich die Gruppierung allerdings deutlich gegen den IS positioniert.

Seit 2013 ist es bereits das dritte Jahr in Folge, in dem der 7. April zum Tag der Cyberangriffe wird. Damals fiel der nationale israelische Gedenktag Jom ha-Shoah ("Tag des Gedenkens an Shoa und Heldentum") auf den 8. April. Der Gedenktag findet zwar an unterschiedlichen Tagen statt, den 7. April haben die Hacker jedoch beibehalten.

Schon seit Längerem wird der Nahost-Konflikt auch im Netz ausgetragen. Zur Zeit der Kämpfe in Gaza im Jahr 2014 hatte es im Schnitt 150 Distributed-Denial-of-Service(DDoS)-Attacken pro Tag gegeben, berichtete das Software-Unternehmen Arbor Networks. Im Jahr 2011 hatte Anonymous einen gravierenden Ausfall verursacht. Zahlreiche Seiten israelischer Behörden waren offline, darunter die des Geheimdienstes Mossad.

Die Gruppe drohte jetzt, sie werde weitere Webseiten der israelischen Regierung und Armee sowie von Banken lahmlegen. Bereits am Samstag hatten Hacker der Gruppierung die Web-Präsenz der linksliberalen israelischen Merez-Partei blockiert. Die Partei setzt sich allerdings für eine Friedensregelung mit den Palästinensern ein.

isa/dpa/AP

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