Terrorbekämpfung Hessens Polizei kauft Software von umstrittener US-Firma

Hessische Polizisten werden nach SPIEGEL-Informationen im Umgang mit Software des US-Unternehmens Palantir geschult, um gezielter gegen islamistischen Terrorismus und organisierte Kriminalität vorzugehen.

Polizei-App (Symbolbild)
DPA

Polizei-App (Symbolbild)


Die hessische Polizei hat eine Software der US-Firma Palantir Technologies gekauft, die der "effektiven Bekämpfung des islamistischen Terrorismus und der schweren und organisierten Kriminalität" dienen soll. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, bilden Palantir-Mitarbeiter bereits hessische Polizeibeamte aus. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 15/2018
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Der Wert der Software mit dem Namen Gotham beträgt nach offizieller Mitteilung "0,01 Euro ohne MwSt". Gegenüber dem SPIEGEL räumte das hessische Innenministerium ein, dass dies "nicht der tatsächliche Preis" sei, wollte diesen aber aus "Gründen des öffentlichen Sicherheitsinteresses des Landes Hessen" nicht nennen.

Anschaffung ohne Ausschreibung

Palantir wurde 2004 von dem Facebook-Investor und PayPal-Erfinder Peter Thiel mithilfe von In-Q-Tel gegründet, dem Risikoinvestment-Arm des US-Geheimdienstes CIA. Erst kürzlich erhielt Palantir einen 876-Millionen-Dollar-Auftrag des US-Militärs. Palantir steht im Verdacht, Kontakte zur Firma Cambridge Analytica unterhalten zu haben, die mit illegal erlangten Facebook-Daten die US-Präsidentschaftswahl manipuliert haben soll.

Der Kauf der Palantir-Software in Hessen ist auch deshalb heikel, weil die Firma in den USA wegen missbräuchlicher Nutzung von Kundendaten aufgefallen war. Auf eine Ausschreibung sei verzichtet worden, weil es am Markt keine einsatzbereite Alternative gegeben habe, begründete Hessen die Anschaffung.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
zensurgegner2017 06.04.2018
1.
Und die Bayrische Polizei kauft bei XY, die BW Polizei bei Z..... und 16 Behörden beschäftigen 16 Beschaffungsabteilungen mit 16 Expertengremien, und 16 Abteilungen verhandeln über Rabatte für 1/16 der deutschlandweit benötigten Menge.... Ein Trauerspiel Und selbstverständlich sind die Systeme nicht kompatibel, sondern Datenaustausch über Bundesgrenzen hinweg geschieht mit modernen Kommunikationsmitteln wie Brief und Post, bei manchen sogar via FAX, wobei das ist nicht fälschungssicher Rauchzeichen vielleicht?
wydy1 06.04.2018
2. Wenn
es doch gelänge mal eine einheitliche bundesweite Software, Ausrüstung etc. einzukaufen. So ist es wieder vorprogrammiert, dass Hessen demnächst nicht mit den übrigen Bundesländern kompatibel Daten austauschen und auswerten kann.
the_tetrarch 06.04.2018
3. Wenn es keine bundeseinheitliche Lösung gibt...
... macht die Not halt erfinderisch. Egal, Hauptsache die Polizei ist erfolgreich damit.
rösti 06.04.2018
4. ja
Ist es nicht möglich in Deutschland eine Software zu entwickeln, die alle Polizei Dienststellen benutzen könne. Oder können unsere Computer Spezialisten nur PC Games programmieren? Als so ein Programm sollten doch auch Deutsche Firmen herstellen können! Aber bei den Amis kaufen , da kann man ja gleich die Daten in die USA liefern! Die Deutschen Politiker lernen es nicht, jedes Bundesland für sich...Kriminelle lachen sich krumm!
GoaSkin 06.04.2018
5. die Polizei sollte ihre Software selbst entwickeln
Die Polizei und andere Behörden sollten ihre Software lieber selbst entwickeln, damit sie den Quellcode einsehen kann und die Programmabläufe überprüfbar sind. Sie können dabei gerne auf Open Source Code zurückgreifen, um sich die Arbeit zu erleichtern, da der Code ebenfalls lesbar und überprüfbar ist. Es ist aber naiv und blauäugig geschlossenen Systemen blind zu vertrauen. Sonst bekommen am Ende noch Leute gezielt Werbung für Waffen zugesendet, die wegen illegalem Waffenbesitz verurteilt sind.
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