New Jersey: Wahlscheine über Hotmail-Adresse erhältlich

Hurrikan "Sandy" hat auch das Wählen für viele Betroffene schwierig gemacht. In New Jersey entschied man sich deshalb, Wähler auch per E-Mail abstimmen zu lassen. Dabei ging einiges schief: Server waren überlastet, deswegen gab ein Beamter kurzerhand seine Privatadresse an.

Improvisiertes Wahllokal (hier in New York): "Sandy" machte das Wählen schwierig Zur Großansicht
AFP

Improvisiertes Wahllokal (hier in New York): "Sandy" machte das Wählen schwierig

Chris Durkin wird vermutlich als eine der Witzfiguren dieser US-Wahl in die Geschichte eingehen. Der Beamte aus dem Bezirk Essex im Staat New Jersey erwies sich als allzu improvisationsfreudig: Er forderte Wähler auf, ihre Anmeldungen zur Wahl kurzerhand an seine private Hotmail-Adresse zu schicken. Solche Mail-Adressen sind nur mit einer Sicherheitsfrage geschützt, wenn man angibt, sein Passwort vergessen zu haben. Durkins Sicherheitsfrage betraf eine leicht herauszufindende Information, wie der IT-Sicherheitsexperte Ashkan Soltani herausfand: den Mädchennamen der Mutter des Verwaltungsbeamten.

Schon der vorangegangene Schritt wird von Sicherheitsexperten höchst kritisch bewertet: New Jersey erlaubte die Stimmabgabe via E-Mail für alle Wähler im Staat, sofern sie durch Hurrikan "Sandy" und seine Folgen vorübergehend aus ihren Heimen vertrieben worden waren.

E-Mail ist ein höchst anfälliges Medium, das sich über Hack-Attacken oder auf anderem Weg leicht manipulieren oder abfangen lässt, zumal man mit der Verwaltung von New Jersey unverschlüsselt kommunizierten kann. "Dies ist unter Sicherheitsgesichtspunkten die schlechteste Art zu wählen, die je entwickelt wurde", sagte David Jefferson, Computerfachmann und Vorsitzender der Organisation Verified Voting Foundation der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er rechne mit Klagen gegen die Entscheidung.

Militärangehörige und im Ausland lebende Bürger des Staates dürfen schon seit 2008 auch per E-Mail wählen, sie müssen allerdings im Anschluss ihren Wahlzettel auch in ausgedruckter Form per Post einreichen. Aufgrund der chaotischen Zustände im Anschluss an Hurrikan "Sandy" weitete die Vizegouverneurin Kim Guadango diese Regelung auf alle Bürger des Staates New Jersey aus und verlängerte die Frist für E-Mail-Anmeldungen bis zum Nachmittag des 6. November.

Doch die Server der Verwaltung des Staates waren dem Ansturm von Anmeldungen zur E-Mail-Wahl offenbar nicht gewachsen. Via Twitter und auf anderen Wegen beschwerten sich Wähler, ihre Anmeldungen seien nicht beantwortet worden oder als unzustellbar zurückgekommen.

An diesem Punkt entschied man in Essex County offenbar, kurzerhand auf die private Adresse des Verwaltungsbeamten Durkin zurückzugreifen, zwar nicht für die Wahl selbst, aber für den Antrag auf einen Wahlschein. DenFacebook-Eintrag, in dem Durkins Hotmail-Adresse angegeben ist, kommentierte ein Nutzer dennoch mit den Worten: "Wenn Wladimir Putin in New Jersey gewinnt, wird das ein schlechter Tag für Sie."

cis

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema US-Präsidentschaftswahl 2012
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
US-Wahl 2012 Ergebnisse

Live-Twitter vom FDP-Parteitag
Wahlcountdown

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | USA-Reiseseite


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.