Panoramafreiheit Mehrheit im EU-Parlament offenbar gegen Foto-Einschränkungen

Wahrscheinlich kann man seine Urlaubsfotos von öffentlichen Gebäuden auch künftig frei verwenden. Eine Urheberrechtsreform, die das ändern sollte, findet wohl keine Mehrheit.

Selfie vor dem Eiffelturm: Fotos vor neueren Gebäuden, bei denen der Architekt noch keine 70 Jahre tot ist, könnten zum Problem werden
DPA

Selfie vor dem Eiffelturm: Fotos vor neueren Gebäuden, bei denen der Architekt noch keine 70 Jahre tot ist, könnten zum Problem werden


Fotos von öffentlichen Gebäuden können in Deutschland wohl auch künftig ohne besondere Erlaubnis kommerziell genutzt werden. Ein Großteil der Abgeordneten im EU-Parlament sei gegen eine entsprechende Änderung des Urheberrechts, hieß es am Mittwoch in Brüssel aus Parlamentskreisen.

Die großen Fraktionen hätten sich darauf verständigt. Damit würden sie sich bei der Plenarabstimmung am 9. Juli gegen eine anderslautende Stellungnahme des Rechtsausschusses stellen.

In dem Gremium hatten Christdemokraten, Sozialdemokraten und Liberale zuvor für eine Reform des Urheberrechts gestimmt. Demnach müsste für die kommerzielle Nutzung von Fotos, etwa von öffentlichen Gebäuden oder Skulpturen, künftig die Einwilligung der Urheber eingeholt werden. Betroffen wären Kunstwerke und Gebäude, bei denen der Urheber noch keine 70 Jahre tot ist.

Die Regelungen in Europa unterscheiden sich derzeit. In Deutschland darf man Fotos von Gebäuden und öffentlichen Kunstwerken machen und sie frei verwenden, auch für kommerzielle Produkte wie Kalender oder Postkarten. Das nennt sich Panoramafreiheit.

Unter anderem der Fotografenverband Freelens hatte sich nach der Ausschuss-Entscheidung alarmiert gezeigt. Die Piraten-Europaabgeordnete Julia Reda, die die Reform des Urheberrechts im Parlament federführend betreut, warnte auch vor Konsequenzen für private Nutzer, die Bilder über Plattformen wie Facebook verbreiten wollen.

Bei der Abstimmung in der kommenden Woche bezieht das Europaparlament Position zur anstehenden Reform des europäischen Urheberrechts. Der eigentliche Vorschlag für ein neues Gesetz, eine EU-Richtlinie, kommt von der Kommission. Er wird im Herbst erwartet. Darüber verhandeln dann das Parlament und die EU-Staaten, am Ende müssen sich beide einigen.

mak/dpa



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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
wo_st 02.07.2015
1.
Es spricht immer mehr gegen die EU.
hansulrich47 02.07.2015
2. Wäre ja noch schöner,
wenn jeder Architekt Geld bekäme, wenn ich sein 'Kunstwerk', z. B. die Elbphilharmonie, beim Hafenfoto zufällig im Bild hätte und das Bild dann hochlade! Da müssen die Franzosen eben ihr fragwürdiges Gesetz ändern!
vantast64 02.07.2015
3. Eigentum und Profit als höchster Wert unserer Gesellschaft,
dem sich alles unterzuordnen hat. Die Rechthaber (mein Haus, meine Plastik) fühlen sich in den letzten Jahren von den Dienern des Goldenen Kalbes ermutigt, das "Eigentum verpflichtet zu gar nichts", durchzusetzen und unsere Machthaber zeigen volles Verständnis, gehören sie doch auch zu den WohlHabenden. Den Parteien, die sich "den Staat zur Beute gemacht" haben, sehen leider alles aus der Sicht des Besitzers von allem und jedem, sogar die sPD, die sich derart an die Neue Gier angepaßt hat,daß ihr die kleinen Leute abhanden kommen, die nur ihr Recht am eigenen Bild haben.
mik.a 02.07.2015
4.
wenn man nicht weiß um was es geht, dann geht es immer ums Geld. nichts gibt es mehr kostenlos im Leben.. bald will der Stadt Geld für Fotos vom Asphalt. lächerlich
rolarndt 02.07.2015
5. überzogenes Urheberrecht
Wer seine Kreation (Gebäude, Gemälde, Skulpturen etc.) öffentlich zugänglich zur Schau stellt, wer außerdem für diese Werke bezahlt wurde, der hat doch auf eine exklusive Nutzung bereits verzichtet. Es ist doch nicht einzusehen, warum man dieses Werk zwar öffentlich ansehen darf, aber ein Bild davon nicht. Es war etwas andetes, wenn eine Kopie oder andere Nutzung der Kreation erfolgen würde.
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