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Fluggastdaten in den USA: Grenzschutz speichert IP-Adressen von Reisenden

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Flughafen in Frankfurt am Main: USA speichern jahrelang sensible Daten über Reisende Zur Großansicht
DPA

Flughafen in Frankfurt am Main: USA speichern jahrelang sensible Daten über Reisende

Planen Sie eine Reise in die USA? Dann erfährt der amerikanische Grenzschutz eine Menge über Sie. Ein US-Bürger hat die Behörden zur Herausgabe seiner gespeicherten Passagierdaten gezwungen. Sogar IP-Adressen und eine Kreditkartennummer waren darunter.

Die Grenzschützer in den USA betreiben einen riesigen Reisedatenspeicher. Will jemand das Land verlassen, einreisen oder auch nur dort Zwischenstation machen, müssen die Fluggesellschaften und Buchungsagenturen den Behörden detaillierte Angaben über ihre Kunden machen. Passenger Name Record (PNR) heißt so ein einzelner Datensatz.

Was darin alles enthalten sein kann, führen die Grenzschützer der Customs and Border Protection (CBP) auf ihrer Website auf. 19 Punkte umfasst die Liste (PDF-Datei), darunter Kontaktdaten, Reiseziel und Angaben über die bei der Buchung verwendete Zahlungsmethode. Die Aufzählung deckt sich mit der Liste, auf die sich EU und USA 2012 im höchst umstrittenen Abkommen über Fluggastdatensätze schließlich geeinigt haben (siehe Tabelle unten).

Cyrus Farivar, Redakteur bei "Ars Technica", wollte nun genauer wissen, was sich hinter diesen 19 Punkten verbirgt, also was die Behörde alles über ihn gespeichert hat. Er stellte eine Anfrage nach dem US-Informationsfreiheitsgesetz. Zwei Monate später bekam er seine Akte.

Im Datenspeicher der Regierung fanden sich Angaben zu seinen internationalen Reisen zwischen den Jahren 2005 und 2013. Insgesamt bekam er 76 Seiten voller Details - und fand einige Überraschungen:

  • Die IP-Adressen der Computer, von denen er Buchungen ausgeführt hatte
  • In einem Fall die vollständige Nummer seiner Kreditkarte
  • Die von ihm auf Buchungsseiten genutzte Spracheinstellung
  • Notizen zu Telefonanrufen bei Fluggesellschaften, auch wenn es nur um einen Sitzplatzwechsel ging

Warum seine Reisedaten neun Jahre zurückreichen - und nicht nur fünf Jahre, wie es eigentlich vorgesehen ist - konnte die Behörde Farivar nicht beantworten. Ebenso konnte American Airlines ihm nicht erklären, warum die Nummer seiner Kreditkarte vollständig in den Datensatz gelangte. Farivar kritisiert, dass wohl keinem Mitarbeiter einer Fluggesellschaft bewusst sei, dass sogar Gesprächsnotizen für viele Jahre in Regierungsakten landen.

Für den Journalisten ist der Reisedatenspeicher ein weiterer Auswuchs der Sicherheitsgesetzgebung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und der Devise, möglichst viel zu speichern. Die großen Datenmengen ermöglichen Rasterfahndung und verdeckte Ermittlungen.

Europa und Russland wollen Datenspeicher

Das Sammeln der sensiblen Daten ohne konkreten Verdacht erinnert Farivar an ähnliche flächendeckende und anlasslose Überwachungsmaßnahmen: Das umfassende Speichern von Telefon- und Internetverbindungsdaten durch Geheimdienste, das Edward Snowden aufgedeckt hat, oder das massenhafte Scannen von Autokennzeichen durch die Polizei.

Das erwähnte Abkommen regelt schon seit zwei Jahren die Lieferung von Passenger Name Records (PNR) an die USA. Datenschützer hatten die einseitige Vereinbarung heftig kritisiert. Was die EU-Länder aber nicht davon abhält, einen eigenen Reisedatenspeicher zu planen.

Der Europäische Rat hat gerade wieder bekräftigt, die Daten aller Flugreisenden nach und aus der Europäischen Union systematisch erfassen zu wollen. Großbritannien fordert zusätzlich, nicht nur die Überquerung von Außengrenzen für fünf Jahre zu speichern, sondern auch Daten zum innereuropäischen Flugverkehr.

Welche Fluggastdaten an die USA übermittelt werden
Arten von "Passenger Name Record" (PNR)-Daten
1 PNR-Buchungscode (Record Locator Code)
2 Datum der Reservierung / der Ausstellung des Flugscheins
3 Datum der Reservierung / der Ausstellung des Flugscheins
4 Name(n)
5 Verfügbare Vielflieger- und Bonus-Daten (d.h. Gratisflugscheine, Upgrades usw.)
6 Andere Namen in dem PNR-Datensatz, einschließlich der Anzahl der in dem Datensatz erfassten Reisenden
7 Sämtliche verfügbaren Kontaktinformationen, einschließlich Informationen zum Dateneingeber
8 Sämtliche verfügbaren Zahlungs-/Abrechnungsinformationen (ohne weitere Transaktionsdetails für eine Kreditkarte oder ein Konto, die nicht mit der die Reise betreffenden Transaktion verknüpft sind)
9 Von dem jeweiligen PNR-Datensatz erfasste Reiseroute
10 Reisebüro/Sachbearbeiter des Reisebüros
11 Code-Sharing-Informationen
12 Informationen über Aufspaltung/Teilung einer Buchung
13 Reisestatus des Fluggastes (einschließlich Bestätigungen und Eincheckstatus)
14 Flugscheininformationen (Ticketing Information), einschließlich Flugscheinnummer, Hinweis auf einen etwaigen einfachen Flug (One Way Ticket) und automatische Tarifanzeige (Automatic Ticket Fare Quote)
15 Sämtliche Informationen zum Gepäck
16 Sitzplatznummer und sonstige Sitzplatzinformationen
17 Allgemeine Eintragungen einschließlich OSI-, SSI- und SSR-Informationen
18 Etwaige APIS-Informationen (Advance Passenger Information System)
19 Historie aller Änderungen in Bezug auf die unter den Nummern 1 bis 18 aufgeführten PNR-Daten
Quelle: BMI: Abkommen über Fluggastdaten-Übermittlung, 2007

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insgesamt 52 Beiträge
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    Seite 1    
1. Big brother
taunusfohlen 21.07.2014
Zitat von sysopDPAPlanen Sie eine Reise in die USA? Dann erfährt der amerikanische Grenzschutz eine Menge über Sie. Ein US-Bürger hat die Behörden zur Herausgabe seiner gespeicherten Passagierdaten gezwungen. Sogar IP-Adressen und ein Kreditkartennummer waren darunter. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/passenger-name-record-pnr-enthaelt-ip-adressen-a-982058.html
Big Brother is watching you! Wobei man hier nicht unbedingt vom Bruder reden kann. Der ganze Überwachungsscheiss nervt mich einerseits, andererseits ist es mir egal da ich es so oder so nicht ändern kann.
2.
derigel3000 21.07.2014
Ja und? Wo ist dabei das Problem? Meine Kreditkartenabrechung bekomme ich jeden Monat, sollte also dank TSA etwas in die falschen Hände gelangt sein, kann ich es jederzeit zurückbuchen. Und die anderen Daten? Scheren mich nicht die Bohne. Wenn dadurch verhindert wird, dass sich irgendjemand auf meinem (oder irgendeinem Flug) samt dem fliegenden Untersatz in die Luft sprengen kann, dann bin ich absolut gerne bereit, diese Daten offen zu legen. Schließlich führe ich ja nichts unrechtes im Schilde.
3. ganz tief drin...
dr.joe.66 21.07.2014
Und jetzt? Da müssen wir wohl alle wieder mit der Bahn fahren. Und die Tickets bar am Schalter kaufen, mit Sonnenbrille und Basecap wegen der Kameras und der Gesichtserkennung. Tja, das Kind (sprich: unser aller persönliche Daten) ist wohl schon vor längerer Zeit in den Brunnen (die Hände der staatlichen Stellen) gefallen. Jetzt stellen wir das erstaunt fest. Aber es ist zu spät. Das Kind sitzt dort unten im Wasser und friert - und wird dabei aus allen Richtungen belauscht und gefilmt. Big Brother ist kein tumbes Fernsehformat. Big Brother ist Realität, und wir sind mitten drin - ganz tief drin.
4. und wieder
ralphofffm1 21.07.2014
die Mitforisten die mit dem " ich hab nix zu verbergen " Spruch sich selbst zum Sklaven und Opfer der Entwicklung machen.
5. Gefährlich
wedemboyz 21.07.2014
Zitat von sysopDPAPlanen Sie eine Reise in die USA? Dann erfährt der amerikanische Grenzschutz eine Menge über Sie. Ein US-Bürger hat die Behörden zur Herausgabe seiner gespeicherten Passagierdaten gezwungen. Sogar IP-Adressen und ein Kreditkartennummer waren darunter. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/passenger-name-record-pnr-enthaelt-ip-adressen-a-982058.html
Die Frage ist nur wann "Hacker" an die Daten kommen. Das selbe Frage ich mich bei der NSA. Und was passiert wenn es an die falschen Hände kommt. Jedoch kann man dies einfach umgehen, indem man nicht in die USA reist und der NSA Spionage nicht.
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