Antwort auf "Handelsblatt": 102 Piraten für ein neues Urheberrecht

Die Piratenpartei will das Urheberrecht abschaffen? Von wegen: In einem offenen Brief plädiert sie für eine Reform, nicht für einen Verzicht auf die Rechte von Urhebern. Kritiker hatten gewarnt, das "geistige Eigentum" sei durch die Partei in Gefahr.

Mitglied der Piratenpartei (Archivbild): "Ich bin selbst Urheber." Zur Großansicht
DPA

Mitglied der Piratenpartei (Archivbild): "Ich bin selbst Urheber."

In der Debatte um das Urheberrecht haben sich nun 102 Anhänger der Piratenpartei zu Wort gemeldet. Sie plädieren in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme für ein neues Urheberrecht, nicht für dessen Abschaffung. Genau das war ihnen vorgeworfen worden. Unter den Unterzeichnern sind nach eigenen Angaben nicht nur "Konsumenten", sondern auch zahlreiche Urheber. Ein Beispiel:

"Ich bin selbst Urheber. Als solcher ist es mir wichtig, dass andere Urheber ihre Werke wirtschaftlich nutzen können. Das aktuelle Urheberecht ist aber viel zu sehr auf die Geschäftsmodelle des vergangenen Jahrtausends und die Verwerter ausgelegt. Das muss sich ändern." Florian "branleb" Zumkeller-Quast, Vorsitzender der Jungen Piraten, Software-Entwickler

Damit antworten die Piraten auf eine Kampagne des "Handelsblatts". Unter dem Titel "Mein Kopf gehört mir" hatten sich 100 Persönlichkeiten für das Urheberrecht und gegen eine "Umsonstkultur im Internet und deren politische Protagonisten: die Piratenpartei" ausgesprochen. Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft sei ohne einen starken Schutz geistigen Eigentums in Gefahr, hieß es.

Im "Handelsblatt" sprechen jedoch nicht vor allem Künstler und Kreative, wie es die Aufmachung nahelegt. Marcel Weiß schreibt in seinem Blog, knapp die Hälfte der Urheberrechtsverfechter seien Manager, "meist von Unternehmen, die Urheberrechte in der einen oder anderen Form verwerten". Im Web ist die "Handelsblatt"-Liste auf mehr als 160 Statements angewachsen.

Zuvor hatten 51 Hacker in einem offenen Brief auf 51 "Tatort"-Autoren geantwortet. Auch die "Tatort"-Schreiber fürchten eine Reform oder gar eine Abschaffung des Urheberrechts und einen Angriff auf das "geistige Eigentum".

Die Liste der Piratenpartei umfasst 101 Namen - für eine Reform sprechen sich allerdings 102 aus. Ursprünglich hatte sich als Nummer 61 das umstrittene Parteimitglied Bodo Thiesen auf der Liste verewigt. Nachdem einige Piraten protestiert hatten, wurde Thiesens Wortmeldung noch am Montag ausgetauscht. Gegen Thiesen läuft seit Jahren ein Parteiausschlussverfahren, weil dieser den Holocaust relativiert haben soll.

ore

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 237 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Handelsblatt?
ReneMeinhardt 10.04.2012
Zitat von sysopDPADie Piratenpartei will das Urheberrecht abschaffen? Von wegen: In einem offenen Brief plädiert sie für eine Reform, nicht für einen Verzicht auf die Rechte von Urhebern. Kritiker hatten gewarnt, das "geistige Eigentum" sei durch die Partei in Gefahr. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,826475,00.html
Ein Grund mehr, dieses Blatt nicht für sehr ernst zu nehmen. Es war von Anfang an klar, dass die Piraten das Urheberrecht nicht abschaffen wollen. Gezielte Falschinformationen? Wer weiß. Alles Guten den Piraten!
2.
Methados 10.04.2012
Zitat von sysopDPADie Piratenpartei will das Urheberrecht abschaffen? Von wegen: In einem offenen Brief plädiert sie für eine Reform, nicht für einen Verzicht auf die Rechte von Urhebern. Kritiker hatten gewarnt, das "geistige Eigentum" sei durch die Partei in Gefahr. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,826475,00.html
im handelsblatt kamen fast nur MANAGER zu wort - deren geschäftsgebahren ist jedem der mal als redaktuer gearbeitet hat (so wie ich bekannt = man tritt jegliches urheberrecht zu einem spottpreis ab so sieht das heutige urheberrecht aus: die kreativen MÜSSEN alle rechte an konzerne abtreten. wo ist das bitte gerecht ? eigtl braucht man sich aber nicht aufregen - die alten strukturen sind des todes, sie werden nicht mehr lange machen, das steht wohl fest.
3. Wenn sie anfangen Lügen über dich zu verbreiten...
Stelzi 10.04.2012
... dann hast du den Beweis, dass sich dich nicht nur ernst nehmen, sie haben Angst vor dir! Anders sieht es ja auch bei den Blockparteien nicht aus. Da wird den Piraten von etlichen "Parteisoldaten" regelmässig zu neuen Umfragewerten allerlei Unfug in den Mund gelegt um bei den Wählern Verunsicherung und Angst zu schüren. Das die Wirtschaftslobby, die die ersten Profiteure des kaputten Urheberrechts sind, dasselbe versuchen, ist keine Überraschung.
4. ????
deSelby 10.04.2012
Es finden sich im Handelsblatt eine große Menge empörter Aussagen dazu, daß die Piraten angeblich "das Urheberrecht abschaffen" wollten. Mit der Position der Piraten zum Urheberrecht hat das ganze allerdings absolut nichts zu tun.
5. .
Methados 10.04.2012
Zitat von sysopDPADie Piratenpartei will das Urheberrecht abschaffen? Von wegen: In einem offenen Brief plädiert sie für eine Reform, nicht für einen Verzicht auf die Rechte von Urhebern. Kritiker hatten gewarnt, das "geistige Eigentum" sei durch die Partei in Gefahr. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,826475,00.html
ich zitiere die wohl passenste bemerkung zu dem thema: "Es geht bei der ganzen Diskussion gar nicht um das Urheberpersönlichkeitsrecht. Es geht um Monetarisierung, um Geschäftsmodelle. Es geht um eine Unterhaltungsindustrie, die zuerst an die Vermarktung denkt und erst in zweiter Linie an kreative Konzepte. Eine Wirtschaft, die kreative Leistungen zur Fließbandarbeit degradiert hat. Eine Wirtschaft, die selbst bei jeder Gelegenheit Funktionierendes kopiert und durch Masse an Innovationsgeist verloren hat." nachzulesen hier Piratenpartei NRW: Urheberrecht und Eigentum | Ruhrbarone (http://www.ruhrbarone.de/piratenpartei-nrw-urheberrecht-und-eigentum/#more-40888) schon krass zu sehen, wie die verleger nun diese schmierenkampagne aufziehen. gottseidank sind die "1st - und unentschlossenen wähler" mehr als halbintelligent und werden diese verlage in zukunft genauso meiden, wie die parteien, die sich bedingungslos hinter die finanziellen interessen der verleger stellen !!!! heute geht die kampagne zb weiter in der rhenischen post.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Copyrights
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 237 Kommentare

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.