Kulturstreit: Piraten wollen runden Tisch zum Urheberrecht

Sie werden als Gegner des "geistigen Eigentums" beschimpft, weil sie ein "zeitgemäßes" Urheberrecht fordern: Nach heftigen Attacken plant die Piratenpartei nun nach eigenen Angaben einen runden Tisch mit Künstlern, Verwertern und Konsumenten.

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Piratenpartei-Werbung: Urheberecht ja, nur anders

Die Piratenpartei will den Streit mit Künstlern um das Urheberrecht entschärfen. Seine Partei plane "seit einiger Zeit, einen runden Tisch zu diesem Thema zu veranstalten", sagte das Mitglied des Bundesvorstandes der Piraten, Matthias Schrade, der Nachrichtenseite "Handelsblatt online". "Hierzu wollen wir alle Beteiligten - Musiker und Künstler, Verwerter und Rechteinhaber sowie Konsumenten - einladen und gemeinsam ein zeitgemäßes Urheberrecht entwickeln", fügte Schrade hinzu.

Verwerter, Politiker und Künstler haben die Piratenpartei in den vergangenen Monaten immer wieder wegen ihrer liberalen Position zum Urheberrecht kritisiert - zum Teil versuchten sie den Eindruck zu erweckten, die Piratenpartei mache sich für eine Abschaffung des Urheberrechts stark und würde so den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden.

Bisheriger Höhepunkt der schrillen Debatte, in deren Verlauf sich auch "Tatort"-Autoren eingebracht hatten, war eine Kampagne im "Handelsblatt". Unter dem Titel "Mein Kopf gehört mir" hatten zu Ostern 100 Persönlichkeiten für das Urheberrecht und gegen eine "Umsonstkultur im Internet und deren politische Protagonisten: die Piratenpartei" gewettert. Tatsächlich lehnen einige Mitglieder der Partei den Begriff "geistiges Eigentum" ab, weil kreative Leistungen auf bereits erbrachte kreative Leistungen aufbauen.

Die Piratenpartei hat sich auf einem Parteitag im Jahr 2011 für eine Reform des Urheberrechts ausgesprochen. In dem Entwurf, der als Grundlage für das kommende Wahlprogramm dienen soll, heißt es, man wolle das Urheberrecht "wieder auf ein sinnvolles Stadium für alle Beteiligten" zurückwandeln. Man gehe "grundsätzlich davon aus, dass unser Urheberrecht für jeden funktionieren kann", man müsse es nur "vernünftig und zeitgemäß reformieren".

Folgende Ziele sind dem Entwurf der Piratenpartei vorangestellt:

  • die Stärkung der Allgemeinheit bei der Nutzung von Werken,
  • die Stärkung des Urhebers, die Befreiung der Bildung von Vergütungen,
  • das Streichen von Schutzbestimmungen und Restriktionen, die eine Wissens- und Informationsgesellschaft behindern und die Weiterentwicklung von Werken und die Nutzung von Wissen unverhältnismäßig einschränken,
  • die Reduzierung aller Schutzfristen auf ein sinnvolles Maß, mit dem alle, die sich nicht komplett der Digitalisierung und unserer modernen Welt versperren, ausreichend gut auskommen können.

Die Piratenpartei geht davon aus, dass die Vervielfältigung von Werken auf technischer Ebene, etwa mit Kopierschutzmechanismen, nur mit extremen Mitteln wie einer lückenlosen Überwachung verhindert werden kann.

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ore/dapd

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1.
Olaf 12.04.2012
Zitat von sysopSie werden als Gegner des "geistigen Eigentums" beschimpft, weil sie ein "zeitgemäßes" Urheberrecht fordern: Nach heftigen Attacken plant die Piratenpartei nun nach eigenen Angaben einen runden Tisch mit Künstlern, Verwertern und Konsumenten. Kulturstreit: Piraten wollen runden Tisch zum Urheberrecht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,827044,00.html)
Dagegen ist doch nichts zu sagen. Immer noch besser als eine Ethikkommission. Die sind ja auch sehr beliebt in letzter Zeit.
2. Legalisierung von Tauschbörsen
johnbatz 12.04.2012
Siehe Punkt 37: Legalisierung der nicht gewerblichen oder kommerziellen Verbreitung von rechtmäßig hergestellten Kopien über das Internet (Tauschbörsen). Das bedeutet nichts anderes als die Abschaffung des Urheberrechts. Wenn jeder privat sämtliches Material über das Internet mit allen anderen Menschen teilen kann, dann kann man doch nicht ernsthaft annehmen, dass es dazu noch irgendeine kommerzielle Konkurenz geben könnte. Denn die Software wird dann noch einfacher, die Qualität noch besser und wirklich jeder wird in der Lage sein, Software zu installieren, die alles umsonst liefert. Da gibt es keine kommerziellen Geschäftsmodelle mehr. Wie kann man so naiv und blöde sein, 84 Punkte zum Urheberrecht aufzuschreiben, wenn Punkt 37 das Urheberrecht de facto abschafft? Ich habe übrigens nach Punkt 37 aufgehört diesen Irrwitz an Volkverblödung weiter zu lesen. Entweder sind die Piraten verpimperte Wohlstandskinder die keine Ahnung von Arbeit haben und einfach nur alles umsonst möchten oder die Piraten sind vorsätzlich irreführend und damit noch verlogener als die anderen Parteien.
3. Datendiebe
heiko_2012 12.04.2012
Zitat von sysopSie werden als Gegner des "geistigen Eigentums" beschimpft, weil sie ein "zeitgemäßes" Urheberrecht fordern...
Schon der Name PIRATENpartei sollten einem zu denken geben, da kann nichts Gutes und Sinnvolles dahinterstecken. Diese Leute wollen das Internet als ihre Spielweise mißbrauchen und daher soll alles frei sein. Das wäre das selbe, als wenn Kinder im Spielzeugladen alles umsonst bekämen, damit ihre Entwicklung mehr gefördert würde. Diese "Forderung" ist derartig naiv und zerstörerisch, auf so eine Idee kamen noch nicht einmal die Kommunisten. Irgendwer muß doch die Lieder und Filme erst einmal herstellen und er muß auch davon leben können. Also müssen diese Sachen auch gegen Geld verkauft werden können. Die Forderung der Datendiebe nach einem Runden Tisch wäre das selbe, als wenn Autodiebe straffreiheit für das Klauen eines Autos fordern würden.
4. Keinen Deut besser als die etablierten ...
sappelkopp 12.04.2012
Zitat von sysopSie werden als Gegner des "geistigen Eigentums" beschimpft, weil sie ein "zeitgemäßes" Urheberrecht fordern: Nach heftigen Attacken plant die Piratenpartei nun nach eigenen Angaben einen runden Tisch mit Künstlern, Verwertern und Konsumenten. Kulturstreit: Piraten wollen runden Tisch zum Urheberrecht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,827044,00.html)
... Parteien. Viele schwammige Formulierungen, wenig konkretes. Und wenn es konkret wird, dann geht es gegen den Urheber. Beispiel: Zitat aus dem Entwurf: "Bildung lässt sich somit als ein Gut bezeichnen, bei dem die Interessen der Allgemeinheit deutlich über den Interessen von Einzelpersonen stehen. Gerade hier wäre es eventuell möglich, den Allgemeinheitsanspruch gegenüber dem Eigentum von Einzelpersonen geltend zu machen und in der Konsequenz auch Vergütungen für den Urheber zu streichen." "Vergütungen für Urheber zu streichen". Schulbücher werden also demnächst von altruistischen Menschen geschrieben, die ein wenig Langeweile haben. Leben kann man dann davon nicht mehr. Oder noch eines, Zitat aus dem Entwurf: "37 - Legalisierung der nicht gewerblichen oder kommerziellen Verbreitung von rechtmäßig hergestellten Kopien über das Internet (Tauschbörsen)." Einer kauft den Film und 100.000 laden ihn herunter. Der Urheber kann sich freuen, er hat immerhin einen Film verkauft. Die Piraten sind sowas von wirklichkeitsfern. Es tut schon weh, zuzusehen, wie alle den Piraten hinterherrennen.
5.
John.Moredread 12.04.2012
Zitat von johnbatzSiehe Punkt 37: Legalisierung der nicht gewerblichen oder kommerziellen Verbreitung von rechtmäßig hergestellten Kopien über das Internet (Tauschbörsen). Das bedeutet nichts anderes als die Abschaffung des Urheberrechts. Wenn jeder privat sämtliches Material über das Internet mit allen anderen Menschen teilen kann, dann kann man doch nicht ernsthaft annehmen, dass es dazu noch irgendeine kommerzielle Konkurenz geben könnte.
Der Haken an ihrer Darstellung: Diese Art Software gibt es schon sehr lange. Woran es fehlt ist lediglich halbwegs vernünftige kommerzielle Konkurrenz. Sobald die existiert, gehen die Zahlen der Nutzer zurück, denn egal, wie gut die Software ausgearbeitet ist, als kommerzieller Anbieter kann man immer ein besseres Angebot gestalten. Sieht man sehr schön in den USA an dem Effekt, den die Einführung von bspw. Hulu auf die Downloadraten bei Cyberlockern bzw. P2P hat. Im übrigen gibt es bereits ein Land, in dem der Einsatz für Privatpersonen legal ist, nämlich Österreich. Und es gibt ein Land, in dem es praktisch keine Schwarzkopien gibt - Lettland. Da kostet eine Film DVD zwischen 1 und 3 Euro. Da macht sich niemand die Mühe, etwas herunterzuladen. Ihre Behauptung wird demnach schlicht durch Fakten widerlegt und erinnert mich doch arg daran, wie die Musikindustrie damals zur Kassette stand. Da hieß es nämlich auch, die Kassette wäre das Ende. DER SPIEGEL*42/1980 - Doppelt schröpfen (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14319084.html) Sobald die entsprechenden Industrien beginnen, attraktive Angebote zu machen, könnten sie den Markt problemlos abschöpfen. Mir scheint es aber manchmal, das dies nicht gewünscht ist.
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