Polit-PR: Chinas Staatschef macht auf Microblogger

Hu Jintao, Chinas Staatschef und Generalsekretär der kommunistischen Partei ist unter die Microblogger gegangen. Die ungewöhnliche Transparenz hat bisher allerdings Grenzen: Es gibt eine Profilseite Hu Jintaos bei einem Twitter-Klon - aber keinerlei Aktivitäten.

Symbolische Präsenz: Bisher ist die Profilseite von Hu Jintao nur ein Platzhalter Zur Großansicht
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Symbolische Präsenz: Bisher ist die Profilseite von Hu Jintao nur ein Platzhalter

Peking - Seit der damalige japanische Premier Junichiro Koizumi im Sommer 2001 seinen Stab anwies, ihn zum Blogger zu machen, gehört symbolische Internetaktivität zu den Werkzeugen der Polit-PR. Wirklich glaubhaft ist so etwas sehr selten, wirksam aber trotzdem: Der vermeintlich direkte Kommunikationsdraht zum Bürger verspricht Volksnähe und Transparenz. Die will nun auch Chinas Präsident Hu Jintao demonstrieren - und hat sich bereits Anfang Februar eine Profilseite beim populären chinesischen Microblogging-Dienst Renmin Weibo einrichten lassen.

Chinesische Medien berichteten erst am Montag darüber, jetzt wartet alles gespannt auf erste Aktivitäten - denn bisher ist Hu Jintao Netzwerk-untypisch völlig stumm geblieben. Was schon vor der offiziellen Bekanntgabe der Existenz der Seite rund 7000 Chinesen nicht davon abhalten konnte, ihn als "Follower" beim Nicht-Kommunizieren zu beobachten. Inzwischen sollen es über 14.000 sein.

Dass sich tatsächlich der Staatschef registriert habe, sei von den Betreibern der Website am Wochenende bestätigt worden, berichten Nachrichtenagenturen. Bisher gibt sich der Präsident nicht nur kommunikativ sparsam: Auf seinem Profil ist auch kein Foto zu sehen, dafür listet er seine Funktionen auf - Generalsekretär der kommunistischen Partei, Staatschef, Präsident des zentralen Militärausschusses.

Jetzt wartet Chinas Internetgemeinde darauf, aus berufenem Mund und erster Hand Dinge von und über Hu zu erfahren, die man noch nicht weiß: "Schade, dass er noch nichts geschrieben hat", bedauerte ein Nutzer von Renmin Weibo. Der Staatschef sei nach Ansicht von Bloggern des Portals ein "Internet-Freund", schrieb die staatliche Zeitung "Global Times".

Das darf getrost als Neuigkeit verbucht werden: In China herrscht strenge Internetzensur. Auf viele ausländische Seiten wie das Netzwerk Facebook und das Video-Portal YouTube können chinesische Internetnutzer gar nicht erst zugreifen. Privater Zugriff auf das Internet läuft nur nach Registrierung und über staatliche Netzwerkanbieter, die sowohl Zensur als auch Kontrolle ausüben. Selbst Internetnutzung in Cybercafés ist registrierungspflichtig. Meinungsäußerungen im Web sind nicht ungefährlich, in keinem Land der Welt sitzen mehr Blogger in Haft.

pat/AFP

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