Polizeistatistik Netz-Kriminalität steigt auf Rekordwert

Laut Polizeistatistik ist die Zahl erfasster Straftaten in Deutschland im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken. Die meisten Straftaten pro Einwohner in Großstädten wurden in Frankfurt registriert. Doch die Internetkriminalität nimmt rapide zu.

Bildschirmarbeiter: Die Bedrohung durch Computerkriminalität wächst
Corbis

Bildschirmarbeiter: Die Bedrohung durch Computerkriminalität wächst


Berlin - Der Computer wird immer häufiger zum Tatwerkzeug von Kriminellen: Die Computerkriminalität ist im vergangenen Jahr in Deutschland um mehr als zwölf Prozent auf rund 84.400 Fälle gestiegen - die bislang höchste registrierte Zahl. Der starke Anstieg ist vor allem darauf zurückzuführen, das deutlich häufiger als 2009 Daten ausgespäht und abgefangen wurden. Das geht aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervor, die Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in Berlin vorgestellt hat.

  • Den größten Anteil an den als Computerkriminalität erfassten Taten haben Betrugsdelikte. Computerbetrug macht fast 46 Prozent der zu Computerkriminalität gezählten Straftaten aus.
  • Es folgen das Ausspähen und Abfangen von Daten (rund 25 Prozent) und
  • der Betrug mit Zugangsberechtigungen (rund 13 Prozent).

Allerdings werden nicht alle Straftaten, die mit Hilfe von Computern verübt werden, in der Statistik als Computerkriminalität aufgeführt, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. So würden zum Beispiel gefürchtete Betrugsmaschen wie Phishing-Angriffe beim Onlinebanking oder gezielten DDoS-Attacken auf Server eines Unternehmens oder einer Behörde in der Statistik nicht unter dem Oberbegriff "Cybercrime" erfasst.

Zahl der registrierten Straftaten auf dem tiefsten Stand seit 1993

Insgesamt ist die Zahl aller erfassten Straftaten gesunken - von rund 6,05 Millionen auf rund 5,9 Millionen. Damit liegt die Zahl erstmals seit der Einführung der gesamtdeutschen Statistik im Jahr 1993 unter der Marke von sechs Millionen. Gesunken ist vor allem die Zahl dieser registrierten Delikte:

  • gefährliche und schwere Körperverletzung (- 4,3 Prozent)
  • Raub, räuberischer Erpressung und räuberischer Angriff auf Kraftfahrer (-2,3 Prozent)
  • Mord (- 1,6 Prozent)

Überdurchschnittlich stark ist die Zahl tatverdächtiger Jugendlicher (14 bis unter 18 Jahre) gesunken - um 6,9 Prozent.

Vergleichweise viele registrierte Taten in Frankfurt, Hannover, Berlin

Im Vergleich der Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern gibt es die meisten registrierten Straftaten pro 100.000 Einwohner nach wie vor in Frankfurt. Auf dem zweiten und dritten Platz liegen wie schon im Jahr 2009 Hannover und Berlin.

Die Aufklärungsquote stieg weiter und lag im vergangenen Jahr bei 56 Prozent - das ist der höchste Wert seit Einführung der gesamtdeutschen Kriminalstatistik. Am höchsten lag sie mit 65,3 Prozent in Thüringen. An zweiter Stelle rangierte Bayern mit einer Quote von 64,6 Prozent und an dritter Stelle Niedersachsen mit 62,9 Prozent. Am niedrigsten lag sie mit 46,2 Prozent in Hamburg.

Gewerkschaft der Polizei: "Statistiken können manipuliert werden"

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt vor einer voreiligen Interpretation der Zahlen. GdP-Chef Bernhard Witthaut sagte dem Südwestrundfunk (SWR): "Es hat sich seit langem erwiesen, dass diese Statistik nicht das entsprechende Sicherheitsgefühl und das Sicherheitsgeschehen in Gänze wiedergibt."

Witthaut warnt: "Diese Statistiken können sehr wohl so manipuliert werden, dass nach außen hin alles gut dasteht." Zum Beispiel gebe es Versuche, einen aufgeklärten Einbruch dreifach zu erfassen, indem als separate Delikte Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung dazu gezählt würden. Tatsächlich handle es sich aber nur um eine aufgeklärte Tat, erklärte Witthaut.

Registrierte Kriminalität in Großststädten je 100.000 Einwohner

Stadt Häufigkeitszahl* 2010 Häufigkeitszahl 2009 Veränderung der Häufigkeitszahl (%)
Frankfurt a. M. 15.977 16.410 -2,6
Hannover 14.653 14.727 -0,5
Berlin ** 13.798 14.467 -4,6
Berlin (angepasst) ** 13.798 13.842 -0,3
Düsseldorf 13.781 13.670 0,8
Köln 13.694 13.617 0,6
Bremen 13.475 14.407 -6,5
Hamburg 12.669 13.364 -5,2
Lübeck 12.636 13.743 -8,1
Magdeburg 12.632 13.733 -8,0
Dortmund 12.580 12.112 3,9
Kiel 12.108 12.952 -6,5
Halle (Saale) 11.751 11.993 -2,0
Leipzig 11.667 11.272 3,5
Freiburg i. Br. 11.606 11.321 2,5
Bonn *** 11.051 13.114 -15,7
Bonn (angepasst) *** 11.051 10.884 1,5
Rostock 11.014 10.949 0,6
Erfurt 10.611 9.504 11,6
Aachen 10.495 11.153 -5,9
Krefeld 10.431 9.726 7,2
Münster 10.391 10.750 -3,3
Duisburg 10.274 9.903 3,7
Braunschweig 9.943 9.921 0,2
Oberhausen 9.943 9.662 2,9
Bochum 9.897 9.187 7,7
Stuttgart 9.699 10.012 -3,1
Essen 9.422 9.539 -1,2
Augsburg 9.388 9.502 -1,2
Gelsenkirchen 9.366 9.684 -3,3
Mannheim 9.357 9.604 -2,6
Mönchengladbach 9.327 8.500 9,7
Dresden 9.168 8.630 6,2
Wuppertal 9.161 8.753 4,7
Karlsruhe 9.014 8.845 1,9
Chemnitz 8.919 9.253 -3,6
Wiesbaden 8.803 9.349 -5,8
Bielefeld 8.633 8.366 3,2
Nürnberg 8.418 8.641 -2,6
München 7.684 7.519 2,2

Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2010
* Häufigkeitszahl: Fälle pro 100.000 Einwohner
** Die Berliner Daten für 2009 weisen aufgrund einer technischen Anpassung des Zählzeitpunktes eine einmalige Überhöhung auf. Es handelt sich um 9.372 zu viel gezählte Fälle, rechnet man diesen Effekt heraus, lag die Häufigkeitszahl in Berlin 2009 bei 13.842 - der Rückgang 2010 ist also ohne diesen Effekt weit weniger dramatisch: -0,3 Prozent.
*** Besonderheit in Bonn 2009: umfangreiches Ermittlungsverfahren mit 7.089 Einzeldelikten beim Warenbetrug. In der Zeile mit den angepassten Werten haben wir diese Fälle 2009 herausgerechnet.

lis/AFP/dpa

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insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
dualbore 20.05.2011
1. ..,-
Zitat von sysopLaut Polizeistatistik ist die Zahl erfasster Straftaten in Deutschland*im vergangenen Jahr gesunken. Die wenigsten Straftaten pro Einwohner in Großstädten wurden in Frankfurt registriert. Doch die Internetkriminalität nimmt rapide zu. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,763806,00.html
ist zwar mehr Aufwand als erwartet, aber irgendwann ist D bestimmt sturmreif geschrieben (pun intended) und will VDS und Internetsperren. Ganz bestimmt. Man muss es nur häufig genug probieren. Irgendwas vom konservativen Standard-FUD bleibt bestimmt hängen.
L.Gardiner 20.05.2011
2.
Auf welchem Platz der Statistik würde Frankfurt landen, wenn man die Deutsche Bank nicht berücksichtigt?
jhartmann, 20.05.2011
3. .
Was ein Wunder. Ein Großteil des Markttreibens verlagert sich "ins Netz", folgerichtig auch ein ebenso großer Teil des "strafbaren" Treibens im Marktumfeld. Ladendiebstal "auf modern". So what? Wo es keine "echten" Tante-Emma-Läden mehr gibt, kann man auch keine ausrauben.
infoseek, 20.05.2011
4. Klar doch.
Und was sagt uns das? Vorratsdatenspeicherung! Netzsperren! Stoppschilder! Dringend! (Und wenn wir dann endlich die zur Bekämpfung der "Cyberkriminalität" absolut unverzichtbare 24/7-Totalüberwachung aller Bürger haben, wird es im Statistischen Jahrbuch auf Seite 486 eine kleine Grafik geben, die ausweist, dass diese Kriminalität seitdem munter weiter angestiegen ist ...)
Blutkoete, 20.05.2011
5. Manipulation
Wenn Herr Witthaupt erklärt, dass es zum Beispiel Versuche gebe, einen aufgeklärten Einbruch dreifach zu erfassen, indem als separate Delikte Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung dazu gezählt würden, bedeutet es doch zweierlei: 1. Die Aufklärungsquote wird künstlich erhöht und 2. die Anzahl der erfassten Straftaten wird massiv vergrößert. Wird insbesondere durch (2) dann nicht bewusst die gefühlte Unsicherheit der Bevölkerung vergrößert? Wenn die Zahl der erfassten Straftaten sinkt, obwohl Delikte mehrfach registriert werden, dann gibt es in der Realität ja um einiges weniger Verbrechen als die Statistik behauptet.
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