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27. Februar 2013, 13:39 Uhr

Porno-Abmahnungen

NDR sieht Verbindungen zu Rockergang

Das Muster ist bekannt: Internetnutzern flattern Anwaltsschreiben ins Haus mit dem Vorwurf, sie hätten bestimmte Pornofilme in Tauschbörsen verbreitet. Die Betroffenen bestreiten das und wittern Betrug. Recherchen des NDR führen nun von solchen Abmahnungen ins Rockermilieu.

Hamburg - Im vorliegenden Fall geht es um eine Firma namens Triple X Entertainment aus Neumünster, die vermutlich tatsächlich einmal Pornofilme produziert hat. Sie hat NDR Info zufolge eine bewegte Geschichte: Ab 2009 war sie in Großbritannien als "Limited"-Gesellschaft registriert, verlor dem Bericht zufolge aber wegen fehlender Geschäftsberichte und Bilanzen ihren Unternehmensstatus. Nun existiere Triple X Entertainment als Unternehmergesellschaft (UG) in Deutschland.

Ob das Unternehmen derzeit überhaupt irgendetwas herstellt, ist unklar - jedenfalls verschickt mindestens eine deutsche Anwaltskanzlei, die Kanzlei Bäcker aus Runkel-Dehrn, in ihrem Namen kostenpflichtige Unterlassungserklärungen. Den Angeschriebenen wird vorgeworfen, sie hätten einen Pornofilm, etwa ein Werk mit dem Titel "Fuck with You", in Tauschbörsen verbreitet. Doch NDR Info gegenüber bestreiten Betroffene, jemals etwas Derartiges getan zu haben. Zahlen sollen sie trotzdem, und zwar 750 Euro. Manchmal werden auch 850 Euro verlangt. In den Anwaltsschreiben heißt es, die IP-Adresse des entsprechenenden Nutzers sei mit Hilfe einer Software ermittelt worden - und viele der Angeschriebenen zahlen lieber, als sich auf einen Rechtsstreit einzulassen.

Um Abmahnungen herum blühen gleich zwei Geschäftsmodelle

Eine kurze Internetrecherche wirft zahlreiche Anwaltskanzleien aus, die alle ihre Hilfe gegen Triple X Entertainment und deren Forderungen anbieten. Das Abmahngeschäft lohnt sich für Anwälte gleich in zweifacher Hinsicht: Einige Kanzleien sind auf das Verschicken von Unterlassungserklärungen spezialisiert, andere darauf, Abgemahnte zu beraten. Letztere betreiben effektive Suchmaschinenoptimierung, um verzweifelte Abgemahnte als Kunden zu gewinnen, und so ist es auch hier: Wer nach "Fuck with You" sucht, findet erst einmal keine Porno-Angebote, sondern ausschließlich Anwälte und Internetforen, in denen Betroffene Rat suchen. Solche Fälle sind nicht selten - auch SPIEGEL ONLINE hatte schon mit Internetnutzern Kontakt, die angeben, Unterlassungserklärungen zu Filmen erhalten zu haben, von denen sie nie gehört hatten. Meistens ging es um Pornos.

Wer bei einer Abmahn-Abwehr-Kanzlei Rat sucht, der kann die Kosten oft drücken, muss dafür aber eben den eigenen Anwalt bezahlen. Die auf die Abwehr spezialisierten Kanzleien versenden meist sogenannte modifizierte Unterlassungserklärungen. Abzuraten ist in jedem Fall davon, die ursprünglich erhaltene Unterlassungserklärung zu unterschreiben oder das Schreiben einfach zu ignorieren.

Oft ist in solchen Fällen an das Unternehmen, das die entsprechenden Filme produziert haben will, gar nicht heranzukommen. Im Fall von Triple X aber gibt es eine Adresse in Neumünster. Bei der trafen NDR-Reporter nur den - ehemaligen - Vermieter an.

Einige hundert Meter weiter sei die Triple X nun ansässig, berichtet der NDR, dort aber sei man von einem "großen, muskulösen Mann mit Kurzhaarschnitt" in Empfang genommen worden. Als der Reporter nach den Geschäftsführern und den Pornofilmen gefragt habe, habe der Mann die Tür zugeknallt.

Die Geschäftsführer sind laut NDR1 Welle Nord und Schleswig-Holstein Magazin zwei einschlägig bekannte Herren: Beide seien der Polizei zufolge dem Umfeld des Rockerclubs "Bandidos" zuzuordnen.

cis

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