Prism-Spähprogramm: US-Geheimdienst soll IT-Konzernen Millionen gezahlt haben

Der US-Geheimdienst NSA soll mehrere Millionen Dollar an große IT-Firmen gezahlt haben. Das geht aus geheimen Dokumenten hervor, die dem "Guardian" vorliegen. Bezahlt wurde offenbar für die Teilnahme am Prism-Spähprogramm.

NSA-Zentrale in den USA: Hinweise auf finanzielle Verflechtungen Zur Großansicht
REUTERS

NSA-Zentrale in den USA: Hinweise auf finanzielle Verflechtungen

Noch immer ist nicht völlig klar, was genau das Prism-Spähprogramm eigentlich ist. Aus internen Unterlagen des US-Geheimdienstes NSA geht hervor, dass Unternehmen wie Google, Yahoo, Microsoft und Facebook auf geheime Anordnungen hin Nutzerdaten herausgeben, offenbar über technische Schnittstellen.

Nun gibt es erste Hinweise auf finanzielle Verflechtungen zwischen dem Geheimdienst und beteiligten Unternehmen. Der "Guardian" hat Dokumente ausgewertet, die der Whistleblower Edward Snowden kopieren konnte. Demnach hat die NSA den Firmen Millionen für ihre Kooperation gezahlt.

Offenbar hat der Geheimdienst Kosten der Unternehmen übernommen, die nach einem Urteil des Foreign Intelligence Surveillance Court im Oktober 2011 entstanden sind. Das Gericht hatte gemahnt, dass der Geheimdienst mit der Ausspähung von Amerikanern zwischen 2008 und 2011 gegen die Verfassung verstoßen hatte. Die US-Regierung hat das ursprünglich geheime Urteil kürzlich veröffentlicht.

Daraufhin wurde beim Prism-Programm, das in dem Urteil nicht explizit erwähnt wird, offenbar nachgebessert. Wie der "Guardian" berichtet, kam die NSA für diese Kosten auf. In einem anderen Schreiben werden Yahoo und Google ausdrücklich erwähnt. Die angeblich an Prism beteiligten Unternehmen haben öffentlich mit zum Teil gleichlautenden Erklärungen ihre Beteiligung abgestritten.

Dazu könnten sie allerdings auch gesetzlich verpflichtet sein. Die Unternehmen erklärten, nur legitime Anfragen von Behörden zu beantworten. Vom "Guardian" zu den finanziellen Verflechtungen befragt, erklärte lediglich Yahoo, Kostenerstattungen in Anspruch genommen zu haben - für die Beantwortung legitimer Anfragen.

Google wies erneut darauf hin, an keinem Überwachungsprogramm teilzunehmen. Facebook erklärte, kein Geld für Datenabfragen erhalten zu haben. Microsoft wollte keinen Kommentar abgeben.

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insgesamt 49 Beiträge
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1. dann ...
Hilfskraft 23.08.2013
... dürfte der Weg zum BND nach Adam Riese auch nicht mehr weit sein. Herzlichen Glückwunsch, wenn unsere Daten von unserer Regierung und denen zugewandten dt. IT-Unternehmen verkauft wurden. Es bleibt spannend.
2. Eine Reihe von Fragen
batmanmk 23.08.2013
Zitat von sysopDer US-Geheimdienst NSA soll mehrere Millionen Dollar an große IT-Firmen gezahlt haben. Das geht aus geheimen Dokumenten hervor, die dem "Guardian" vorliegen. Bezahlt wurde offenbar für die Teilnahme am Prism-Spähprogramm. Prism: NSA soll Millionen an IT-Unternehmen gezahlt haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/prism-nsa-soll-millionen-an-it-unternehmen-gezahlt-haben-a-918308.html)
Hier darf doch ganz klar von regierungsseitiger Bestechung gesprochen werden, wenn bei milliardenschweren IT-Konzernen offen gegen die vom Vorstand vorgeschriebe und in der Öffentlichkeit proklamierte Firmenphilosophie unter Zahlung läppischer Millionen verstoßen worden ist. Es stellt sich daher umso akuter die Frage, welche Einzelpersonen davon haben aktiv profitieren können.
3. US Geheimdienste
hubertrudnick1 23.08.2013
Zitat von sysopDer US-Geheimdienst NSA soll mehrere Millionen Dollar an große IT-Firmen gezahlt haben. Das geht aus geheimen Dokumenten hervor, die dem "Guardian" vorliegen. Bezahlt wurde offenbar für die Teilnahme am Prism-Spähprogramm. Prism: NSA soll Millionen an IT-Unternehmen gezahlt haben - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/prism-nsa-soll-millionen-an-it-unternehmen-gezahlt-haben-a-918308.html)
Man könnte sagen, dass US Internetanbieter nur getarnte US-Geheimdienste sind, die so die Bürger der gesamten Welt ausspionieren. Man müsste alles was von den USA ausgeht total ignorieren, leider geht das nicht, aber es wird doch wohl genug Leute geben, die was gegen diese kriminellen Unternehmen unternehmen können. Ich kann es mir nicht vorstellen das es anderen sachkundige Leute wissen, was treiben diese Leute nur mit uns?
4. Abgeschlossen?
menschtrara 23.08.2013
Was, es kommen noch weitere Details zur Komplettüberwachung der gesamten Menschheit inklusive der Abschaffung von Meinungsfreiheit und dem bröckeln der Demokratie ans Licht mit der lächerlichen Rechtfertigung "Kampf gegen den Terrorismus"? Erstaunlich, da unsere Neuland-Regierung die Affäre doch für beendet erklärt hat.
5. Umsteigen jetzt!
Der_Junge_Fritz 23.08.2013
Die US-Unternehmen sind der verlängerte Arm der NSA. Dabei ist es vollkommen unerheblich, ob sie mittels Geheimgerichten und Geheimurteile dazu verpflichtet wurden. Darum gibt es nur eine wirtschaftliche Antwort, kein Geld mehr für US-Firmen. Auf Alternativen umsteigen, es gibt sie! Ein Land, das Geheimgerichte unterhält, befindet sich nicht mehr auf rechtstaatlichem Boden. Armselige Spinner!
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