Whistleblower auf der Flucht Snowden offenbar nicht im Flugzeug nach Kuba

Rätselraten um den Verbleib von Edward Snowden: Der Platz des Whistleblowers auf dem Flug von Moskau nach Kuba ist leer, laut Airline ist er nicht an Bord. Der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño präsentierte Snowdens Asylantrag.

Abflugtafel am Moskauer Flughafen Scheremetjewo: Keine Spur von Snowden
DPA

Abflugtafel am Moskauer Flughafen Scheremetjewo: Keine Spur von Snowden


Moskau - Der planmäßige Flug von Moskau nach Kuba findet offenbar ohne den Whistleblower Edward Snowden statt. Journalisten an Bord des Flugzeugs berichten, Snowden habe das Flugzeug nicht betreten. Platz 17A sei leer geblieben, meldete Max Seddon von Associated Press über Twitter. Mitarbeiter der Fluglinie Aeroflot am Flughafen Scheremetjewo sagten der "Guardian"-Reporterin Miriam Elder, Snowden sei nicht an Bord.

Der Whistleblower Snowden hatte vor rund zwei Wochen damit begonnen, die Internetüberwachung des US-Geheimdienstes NSA öffentlich zu machen. Er hatte sich zunächst nach Hongkong abgesetzt. Von dort aus soll er mit WikiLeaks-Aktivistin Sarah Harrison nach Russland geflogen sein. Es war spekuliert worden, Snowden könnte über Kuba und Venezuela nach Ecuador fliehen. Die USA wollen ihn vor Gericht stellen.

Der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño teilte am Montag mit, dass Snowden Antrag auf Asyl in seinem Land gestellt habe. Man stehe im diplomatischen Kontakt mit Russland und habe mitgeteilt, dass man den Asylantrag prüfe. Wo genau sich Snowden derzeit aufhalte, wisse er nicht.

Snowden fürchtet Prozess in den USA

Patiño zitierte aus dem Asylantrag, den Snowden an den ecuadorianischen Präsidenten geschrieben haben soll. Darin soll er dem US-Geheimdienst Verstöße gegen die Verfassung vorwerfen. Wegen seiner Enthüllungen fürchte Snowden, bei einem Strafverfahren in den USA nicht fair behandelt zu werden. In dem Brief soll sich der Whistleblower auf eine Stufe mit dem WikiLeaks-Informanten Bradley Manning stellen.

Außenminister Patiño ist derzeit zu einem Staatsbesuch in Vietnam. Zuvor hatte er in Großbritannien den WikiLeaks-Gründer Julian Assange getroffen. Auch Assange hat Asyl in Ecuador beantragt.

Ob sich Snowden aktuell überhaupt in Moskau befindet, ist unklar. Journalisten vor Ort konnten bisher keine Augenzeugen ausfindig machen. Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete, Snowden habe Russland vermutlich bereits verlassen. Der 30-Jährige sei offenbar an Bord eines anderen Flugzeuges gegangen. Interfax berief sich auf Sicherheitskreise.

Die US-Regierung hat Snowdens Pass zurückgezogen und die russische Regierung aufgefordert, den Whistleblower auszuliefern. Russland wies dieses Ansinnen zunächst zurück, weil kein internationaler Haftbefehl vorliege. Zuvor war die US-Regierung damit gescheitert, die Regierung von Hongkong zur Auslieferung Snowdens zu bewegen. Die Führung der zu China gehörenden Sonderverwaltungszone berief sich auf formale Mängel und ließ Snowden ausreisen.

ore/ulz



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insgesamt 261 Beiträge
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Seite 1
gog-magog 24.06.2013
1.
Zitat von sysopRätselraten um den Verbleib von Edward Snowden: Der Platz des Whistleblowers auf dem Flug von Moskau nach Kuba ist leer, laut Airline ist er nicht an Bord der Maschine. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/whistleblower-auf-der-flucht-a-907520.html
Er hat längst eine andere Identität und befindet sich unter dem Namen Eduard Schneeweis in Oberbayern.
hartwig7 24.06.2013
2. Anstelle
der für dei Sicherheit Verantwortlichen für einen Flug nach Kuba würde ich auch jederzeit beschwören, dass deklarierte US-Staatsfeinde sich nicht an Bord befinden.
bürger_prollmann 24.06.2013
3. viel Glück
Ich hoffe, er schafft es und kann ein einigermaßen normales Leben führen.
bibabuzelmann 24.06.2013
4.
Wie geht das dann, noch nie gehört sowas, haben sie den Pass jetzt einfach für ungültig erklärt? Naja, in Russland wird er da kein Problem haben nen neuen Pass zu bekommen ...
tomgarn 24.06.2013
5. Ein Held - kein Gangster !
Big Brother - auf einmal bloßgelegt - plötzlich und unerwartet - doch keine Science Fiction sondern nackte Realität. Aber können wir das überhaupt ungefiltert ins Bewußtsein durchlassen, ohne uns selbst für Verschwörungfanatiker zu halten ?
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