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Chinesischer Messenger: WeChat löscht mehr als 20 Millionen Accounts

Smartphone-Display mit Weixin-App (rechts): 20 Millionen Accounts gelöscht Zur Großansicht
DPA

Smartphone-Display mit Weixin-App (rechts): 20 Millionen Accounts gelöscht

In China geht nicht nur die Regierung gegen Prostitution vor, sondern auch das Unternehmen Tencent. Seit Jahresanfang hat es bei seinem Messenger-Dienst WeChat 20 Millionen Accounts entfernt.

Im Rahmen einer Regierungskampagne gegen Pornografie und Gerüchte hat Chinas größter Messenger-Dienst WeChat eine große Zahl von Nutzerkonten gelöscht. Seit Jahresanfang seien 20 Millionen Accounts wegen Verbindungen zu Prostitution entfernt worden, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag. Außerdem fielen der Aktion "Donnerschlag" 30.000 gefälschte öffentliche Accounts zum Opfer.

Die chinesische WhatsApp-Alternative gehört zum Unternehmen Tencent und hat nach Eigenangaben knapp 400 Millionen aktive Nutzer. In China wird die App unter dem Namen Weixin angeboten, sie ist dort das beliebteste Chatprogramm. Mit dem Dienst können sich die Nutzer gegenseitig kostenlose Text- und Sprachnachrichten senden, in Gruppen diskutieren und sich per Videotelefonie unterhalten. Tencent bewirbt seinen Dienst mit Stars wie dem argentinischen Fußballprofi Lionel Messi.

Vergangenes Jahr hatten chinesische Behörden eine Kampagne gegen das Verbreiten von Gerüchten beim chinesischen Twitter-Klon Weibo gestartet. Hunderte Blogger waren festgenommen worden. Daraufhin waren viele Weibo-Nutzer zu WeChat gewechselt.

Doch auch WeChat musste sich schon mehrfach mit Zensurvorwürfen auseinandersetzen. Im März meldeten Medien, dass chinesische Behörden das Unternehmen veranlasst hätten, die Accounts von etwa 40 Nutzern zu blockieren. Unter den gesperrten Nutzern sollen vor allem chinesische Journalisten und Aktivisten gewesen sein, die den Messenger nutzen, um Meinungsbeiträge zu politischen und wirtschaftlichen Themen zu teilen.

Der Internetkonzern Tencent wehrte sich damals gegen die Anschuldigung, die Nutzer aus politischen Gründen gesperrt zu haben. Vom Unternehmen hieß es, man wolle die Übertragung von Pornografie, Gerüchten und Gewaltdarstellungen unterbinden. Dazu "überprüfen und messen wir ständig auffällige Fälle von Spam, Gewalt, pornografischen und illegalen Inhalten", erklärte ein Sprecher.

Ende Mai hatte unter anderem "Zeit Online" berichtet, dass Chinas Zensurbehörden verstärkt gegen Smartphone-Apps vorgehen.

mbö/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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1. Aha!
nervmann 10.06.2014
Nein, in China gibt es keine Prostitution mehr, wenn die Accounts gelöscht sind. Ob sich die Löscher selber daran halten? Na,...... schau'n wir mal :-)
2. Pest oder Cholera
vikking 10.06.2014
Im europäischen Raum wird man belauscht bis der Arzt kommt, nach ein wenig Kommunikation wird man mit profilgerechten Werbeattacken "belohnt". In China sieht nur die "Belohnung" etwas anders aus...
3. Gerüchte
NorbertSuhl 10.06.2014
Gerüchte sind ein ernstes Problem in China, die Chinesen glauben jeden noch so abwegigen Mist. Hier in D geht unter Chinesen gerade das Gerücht um, man bräuchte zum Grillen in Parks einen "Grillschein". Das mag harmlos sein aber in China haben solche abwegigen Dinge manchmal heftige Folgen. Als Fukushima ausseinandergeflogen ist, sind in einigen Provinzen die Salzpreise extrem explodiert, weil man sich mit dem enthaltenen Jod ja angeblich schützen könne. In einigen Gegenden gab es für Wochen kein Salz mehr zu kaufen. Prostitution ist eine andere Geschichte. Offiziell verboten, wird sie aber nur wirklich verfolgt, wenn massiv Staatsknete dafür verballert (verknattert) wird oder wenn man einen unliebsamen Beamten aus dem Weg schafen will.
4.
derBob 10.06.2014
Zitat von NorbertSuhlGerüchte sind ein ernstes Problem in China, die Chinesen glauben jeden noch so abwegigen Mist. Hier in D geht unter Chinesen gerade das Gerücht um, man bräuchte zum Grillen in Parks einen "Grillschein". Das mag harmlos sein aber in China haben solche abwegigen Dinge manchmal heftige Folgen. Als Fukushima ausseinandergeflogen ist, sind in einigen Provinzen die Salzpreise extrem explodiert, weil man sich mit dem enthaltenen Jod ja angeblich schützen könne. In einigen Gegenden gab es für Wochen kein Salz mehr zu kaufen. Prostitution ist eine andere Geschichte. Offiziell verboten, wird sie aber nur wirklich verfolgt, wenn massiv Staatsknete dafür verballert (verknattert) wird oder wenn man einen unliebsamen Beamten aus dem Weg schafen will.
Also, wenn ich mich hier in den SPON-Foren so umschaue, ist das ganz offensichtlich kein chinesisches Alleinstellungsmerkmal
5. Chinesische Chat Apps
mcpoel 10.06.2014
Welcher einigermaßen helle Westeuropäer nutzt denn solch eine chinesische Anwendung? Die kommen zwar mit chinesischen Android Geräten, aber daß heißt ja nicht, daß man sowas auch nutzt. Am besten Rooten und de-installieren.
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