Providerhaftung Der nächste Angriff auf Filehoster und Streaming-Dienste

Nächste Runde im Kampf ums Copyright: Im US-Senat ist ein Gesetz vorerst gescheitert, das die Sperrung von Filehostern, Stream- und Cloud-Diensten erlaubt hätte. Deren Schicksal könnte sich jedoch auch vor Gericht entscheiden - in einem Prozess von Musikfirmen gegen MP3.com-Gründer Michael Robertson.

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Michael Robertson: Im Dauerclinch mit der Entertainment-Industrie

Michael Robertson: Im Dauerclinch mit der Entertainment-Industrie


Michael Robertson ist das, was man spöttisch einen Schwiegermuttertraum nennt: Der Mann könnte Zahnpasta-Werbung machen oder als fescher ewiger Schlagerbursch Seniorinnen-Herzen erobern. Stattdessen gründet er Firmen und zeigt dabei ein ziemliches Gespür, Konzernen und ganzen Branchen auf die Füße zu treten.

Für die Musikindustrie wurde er 1997 zur Inkarnation des Bösen, als er MP3.com aus der Taufe hob und damit die Ära des Filesharing einläutete - eineinhalb Jahre vor Napster. Seitdem kennt sich Robertson auch auf dem juristischen Parkett aus, denn irgendeine Klage hat er so gut wie immer am Hals. Aktuell prozessieren mehrere Töchter des Entertainment-Konzerns EMI vor einem Bundesgericht in New York gegen Robertson und MP3Tunes, eine der Firmen, die er derzeit unterhält. EMI nennt Robertson einen "schamlosen Wiederholungstäter".

Die von Robertson 2005 gegründete Web-Firma MP3Tunes begann als Musik-Downloadshop. Bereits im November 2005 baute Robertson den Shop um eine Dienstleistung aus, die man heute einen Cloud-Service oder einen File-Locker nennen würde: Er stellte seinen Nutzern Netz-Speicherplatz zur Verfügung, um dort eigene Musik zu parken und unabhängig von der eingesetzten Gerätschaft weltweit darauf zugreifen zu können. Dazu bietet MP3Tunes mit seinem "Sideload"-Dienst auch noch eine Schnittstelle an, Musik aus anderen Diensten und Websites "querzuladen". Für EMI ist damit klar: Der Filehosting-Dienst erlaube das Finden, Speichern und Nutzen geklauter Inhalte.

Das ist keine profane Sache. Das US-Bundesgericht entscheidet letztlich darüber, in welchem Maße ein Dienstleister verantwortlich zu machen ist für den vermeintlichen Missbrauch seiner Dienste. Betroffen davon wären alle möglichen Arten von Filehostern, Stream- und Cloud-Diensten.

Die hat die Copyright-Lobby seit langem im Visier: Geschätzt drei Viertel der Verbreitung unlizenziert verbreiteter Kopien Copyright-geschützter Waren läuft nicht mehr über P2P-Börsen, sondern über Filehoster - denn die stellen auch die Datenbanken hinter den so populären Streaming-Diensten. Lange Zeit waren Streamer und Hoster ein Nischenphänomen, inzwischen sind sie eine der populärsten Nutzungen des Internet. Grund genug für die geschädigten Branchen, den rechtlichen Status Quo erneut zu hinterfragen.

Unter dem Strich geht es EMI dabei um zwei Fragen:

  • Welche Rechte hat der Käufer an den digitalen Waren, die er erstanden hat: Was darf er damit tun und was nicht?

  • Können Dienstleister dazu verpflichtet werden, die Verantwortung für alle Nutzungen ihrer Dienste zu übernehmen und ihre Kundschaft entsprechend zu beaufsichtigen?

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
Nonvaio01 23.11.2010
1. Wann lernen die endlich?
Hallo, anstatt das ganze Geld fuer Gerichte zu verpulvern sollten die es lieber in etwas stecken was Geld bringt. Fuer jeden Filehoster den die schliessen sind 2-3 neue da. Es gibt immer webseiten wo man etwas herunterladen kann. Das ganze ist einfach ein witz.
mark78 23.11.2010
2. Post ist ab jetzt für Schmuggel verantwortlich
Das wäre doch mal Lustig. Die Post für Schmuggel ihrer Kunden, die Banken für Steuerhinterziehung und Telekom für Bombendrohungen ihrer Kunden haftbar zu machen. Und Autobauer gehen ins Kitchen wenn jemand betrunken mit ihren Autos fährt und dabei einen Schaden verursacht.
Luna125 23.11.2010
3. *
Die ganze Musikbranche gehört eingestampft: der Musiker macht musik und soll sein Geld durch Auftritte verdienen. Und daran sollen sich nicht Grosskonzerne durch Lizenzverkauf dumm und dämlich verdienen. Und wenn , dann muss der Preis auch stimmen. Früher gab es Singles, heute gibt es nur noch Alben. Der Medienbranche fehlt einfach Innovation. Meine Musiksammlung habe ich bereits zweimal bezahlt: erst auf Vinyl, dann auf CD. Ich werde sie nicht noch einmal als MP3 bezahlen.
Dyl Ulenspegel 23.11.2010
4. *
naja, wenn das nicht klappt, könnten ja die Festplattenhersteller haftbar gemacht werden...
gunman, 23.11.2010
5. Längst erledigt.
Ich hab längst alle mp3s, für die ich mich je interessiert habe. Und das schon seit Napster. Ist halt von Vorteil, wenn man ohne den modernen/aktuellen Musikmüll auskommt.
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