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Provokative Motive: Facebook lehnt Aktion-Mensch-Kampagne ab

Die Plakatmotive sollen provozieren, der gute Zweck aber ist klar ersichtlich: Die Werbekampagne "Voll im Leben" der Aktion Mensch wendet sich gegen die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen. Auf Facebook aber darf sie so nicht werben. Die Richtlinien der Community verbieten das.

Aktion-Mensch-Kampagne: Bitte keine Ironie Fotos

Hamburg - Die Überschriften sind gemacht, um zu irritieren. "Voll gestört", steht da in groß, und darunter, in kleinerer Schrift: "Den Job nicht frei wählen zu können." Die beiden anderen Motive spielen mit den Formulierungen "Voll krank" ("auf ne andere Schule zu müssen") und "Voll behindert" ("nicht alle mitspielen zu lassen"). Die dazugehörigen Bilder zeigen Menschen mit Behinderung, die augenscheinlich bestens gelaunt Sport treiben oder ihrem Job nachgehen. Als Plakat- oder Anzeigenmotiv werben diese Bilder deutschlandweit für die "Aktion Mensch", die Lotterie, deren Erlöse in soziale Projekte investiert werden. Nur bei Facebook dürfen sie nicht erscheinen.

Dort habe man die Kampagne abgelehnt, erklärt Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch. Die Mitarbeiter des Social Networks hätten sogar Vorschläge gemacht, um die jeweiligen Plakatmotiv-Überschriften zu "entschärfen". Bei Aktion Mensch ist man "enttäuscht" über die Ablehnung. Georgi: "Die Aktion Mensch greift in der Kampagne bewusst Vorurteile auf und nutzt Formulierungen aus der Allgemeinsprache, um diese ins Positive zu wenden." Man wolle eben gerade zeigen, dass in Beruf, Schule oder Freizeit "ein Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung gut gelingen kann". Man habe sich in "enger Abstimmung mit Vertretern der Wohlfahrtsverbände und Selbsthilfeorganisationen" für die Kampagne entschieden.

Eine Sprecherin von Facebook verweist auf die hausinternen Regeln, die verhindern sollen, dass Nutzer sich von Anzeigen innerhalb des Angebotes beleidigt oder verletzt fühlen könnten: "Wir von Facebook glauben, dass jeder Teil unserer Seite, einschließlich der Werbeanzeigen, zur allgemeinen Nutzererfahrung beitragen und mit dieser im Einklang sein sollte. Daher schützen wir unsere Nutzererfahrung und stellen sicher, dass die Seite sauber, einheitlich und frei von irreführender Werbung ist."

Irreführend im engeren Sinne ist die Aktion-Mensch-Kampagne zweifellos nicht - presst man die Motive allerdings ins Facebook-Anzeigenformat in Briefmarkengröße, dürfte auf den ersten Blick tatsächlich wenig mehr als die provokativen Überschriften zu erkennen sein. Natürlich ist das gewollt - aber bei Facebook will man eben kein Risiko eingehen.

cis

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1. soso
sebastian_stgt 07.11.2010
Zitat von sysopDie Plakatmotive sollen provozieren, der gute Zweck aber ist klar ersichtlich: Die Werbekampagne "Voll im Leben" der Aktion Mensch wendet sich gegen die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen. Auf Facebook aber darf*sie so nicht werben. Die Richtlinien der Community verbieten das. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,727560,00.html
... wenn ich mirs jetzt einfach mache - sag ich typisch amerikanisch (protestantischchristliche) pseudogutmenschen, die gerne ihre verlogenheit schützen ...
2. An alle Facebook-user!
robr 07.11.2010
Zitat von sysopDie Plakatmotive sollen provozieren, der gute Zweck aber ist klar ersichtlich: Die Werbekampagne "Voll im Leben" der Aktion Mensch wendet sich gegen die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen. Auf Facebook aber darf*sie so nicht werben. Die Richtlinien der Community verbieten das. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,727560,00.html
Es ist schon merkwürdig, was Facebook da alles zulässt und was es verbietet. *Aber ihr könnt alle den SPON-Beitrag über den F-Knopf in euer Facebook-Profil aufnehmen,* oder alternativ eines der Bilder aus der Fotostrecke! Die Kampagne ist wichtig und wertvoll, nicht behindert sein ist kein Verdienst! Es ist ein Geschenk das einen jederzeit genommen werden kann! Facebook sollte sie akzeptieren!
3. Meiner Meinung nach...
knappe #34 07.11.2010
Zitat von sysopDie Plakatmotive sollen provozieren, der gute Zweck aber ist klar ersichtlich: Die Werbekampagne "Voll im Leben" der Aktion Mensch wendet sich gegen die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen. Auf Facebook aber darf*sie so nicht werben. Die Richtlinien der Community verbieten das. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,727560,00.html
Voll beschränkt ... dieses Facebook
4. ...
moejenning 07.11.2010
Facebook verweist auf Richtlinien, die Facebook selbst erschaffen hat. 0-Nummer!
5. Voll gut!
Lightbringer 07.11.2010
Voll gut, dass die "hausinternen Regeln" die Meinungsfreiheit der NPD schützen! - davon fühle ich mich auch provoziert und keinen interessiert's.
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