Beurteilung des Sozialverhaltens Peking legt Starttermin für digitales Punktesystem fest

Peking soll die Vorzeigestadt für die Überwachung in China werden. Ab 2020 sollen alle Einwohner der Stadt nach einem Punktesystem beurteilt werden. Wer sich benimmt, wird belohnt, wer nicht, benachteiligt.

Passanten gehen in Peking an einem Bildschirm vorbei, auf dem eine Gesichtserkennung gezeigt wird.
REUTERS

Passanten gehen in Peking an einem Bildschirm vorbei, auf dem eine Gesichtserkennung gezeigt wird.


Es ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur totalen Überwachung: Um die "persönliche Vertrauenswürdigkeit" ihrer knapp 22 Millionen Einwohner zu bewerten, will die chinesische Hauptstadt Peking ein Punktesystem einführen. Ende 2020 soll das Projekt gestartet werden, melden chinesische Staatsmedien .

Seit rund vier Jahren wird in China ein solches System von "Sozialpunkten" geplant. Auf dem Punktekonto sollen unter anderem die Finanzen und das persönliche Verhalten der Bürger erfasst werden. Der Punktestand soll spürbare Auswirkungen auf das tägliche Leben der Betroffenen haben.

Wer etwa bei Transaktionen im Online-Handel schlecht bewertet wird, könnte für bestimmte Einkäufe im Netz gesperrt werden. Wer Fristen verpasst, müsste länger auf einen Termin für Behördengänge warten.

Außerdem beeinflusse das System die Chancen auf einen Arbeitsplatz. Wer auf einer Schwarzen Liste steht, werde "sich keinen Schritt bewegen können", heißt es beim Finanzdienst "Bloomberg" . Wer hingegen als vertrauenswürdig eingestuft wird, den erwarte eine "grüne Welle".

Verhalten von Menschen soll verbessert werden

Ein Sprecher der Stadtverwaltung sagte der der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua: "Das ist ein wichtiger neuer Ansatz, um das Verhalten von Personen zu bewerten und mit ihrem Leben zu verknüpfen." Das Projekt solle ein Vorbild für ganz China sein, "wie man das Verhalten von Menschen und Unternehmen verbessert", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Bericht von Xinhua.

Neben normalen Bürgern sollen künftig auch Mitarbeiter von Städten und Gemeinden in China nach einem Punktesystem bewertet werden: Die Beamten sollen etwa danach beurteilt werden, ob sie Verträge und Absprachen einhalten.

Kritiker bezeichnen den geplanten Punkteplan als gefährliche Totalüberwachung. Zwar würden Menschen gerne bei Belohnungssystemen mitmachen, sagte eine Politikwissenschaftlerin vergangenes Jahr im SPIEGEL-Interview. Doch man habe keine Kontrolle darüber, wann und wie dieses System für Bestrafungen eingesetzt wird.

jbr/rtr



insgesamt 34 Beiträge
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thomas haupenthal 22.11.2018
1. Einfach...
...scheußlich.
rainerwäscher 22.11.2018
2.
Interessantes Experiment. Bin gespannt, was das aus den Menschen macht. Bestimmt werden alle viel freundlicher miteinander umgehen. Es kommt natürlich darauf an, wer die Punkte verteilt. Darf man seinem Nachbarn Minuspunkte geben, weil er meinen Morgengruß nicht erwidert oder dürfen nur wie im Text erwähnt Firmen und Behörden bewerten. Ohne Transparenz und mögliche Rechtsmittel ist das Ganze eher ein totalitäres System.
uli_sinus 22.11.2018
3. "bin gespannt wer wohl die Punkte vergeben kann"
Naja, das wird wohl nicht so spannend. Das wird die Regierung mit den nachgeschalteten Organisationen sein.
Lemmingeforscher 22.11.2018
4. Amoklauf der Datenschützer
Dieses System wird einen Amoklauf der Datenschützer weltweit auslösen. Aber was gibt es dazu schützen? Fehlverhalten? Anonyme Beleidigung? Mal kurz das Fenster des Nachbarn einschlagen? Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit zählt nicht Geld alleine sondern auch das wohlbehalten in der Gesellschaft dass man zum Beispiel alten Leuten in der Straßenbahn weiterhilft und alle Platz anbietet. Dass man eine Person die offenbar krank am Boden liegt nicht dort liegen lässt sondern sich dafür einsetzt das diese Person geholfen wird. Was genau soll daran falsch sein? Unsere Daten sind ohnehin perfekt gesammelt ich erlebe selbst weil ich Etwas an Nachricht Leben und die behördlichen Vorschriften mich an eine ganz bestimmten Stelle küssen dürfen. Ich denke China ist das Vorbild für die ganze Menschheit ich erlaube mir den Hinweis und ich bitte um Korrekturen wenn ich da falsch liegen sollte das von China noch nie einen Angriffskrieg im Ausland stattgefunden hat. Vor was müssen wir aus Angst haben? Vor einer besseren Welt?
scgtef 22.11.2018
5. Da wird ein Alptraum wahr.
In asiatischen Ländern zählt der Einzelne sehr wenig. Individualität, Kreativität sind nicht so wichtig, nur das Funktionieren in einem Staat. Wie in einem Ameisenhaufen sollen alle mitspielen. Wer nicht funktioniert und sich nicht unterordnet, den erwartet Furchtbares. Keine Chancen im Leben, wahrscheinlich noch weit Schlimmeres, Umerziegungslager... Die armen Chinesen.
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