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Raubkopie-Seite kino.to: Mitarbeiter muss mehr als zwei Jahre in Haft

Mehr als eine Million Filme, Serien und andere geschützte Werke standen auf der Raubkopie-Seite kino.to illegal zur Verfügung, die Betreiber verdienten mit Werbung Millionen. Nun wurde der erste Mitarbeiter der Seite verurteilt: zu zweieinhalb Jahren Gefängnis.

Streaming-Seite kino.to: Hartes Durchgreifen gegen die ehemaligen Betreiber Zur Großansicht
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Streaming-Seite kino.to: Hartes Durchgreifen gegen die ehemaligen Betreiber

Leipzig - Im Juni nahm die Staatsanwaltschaft Dresden die mutmaßlichen Betreiber der Raubkopie-Seite kino.to fest, nun ist das erste Urteil gefallen: Wegen der Mitarbeit an dem Internet-Filmportal muss ein 33 Jahre alter Webdesigner zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Amtsgericht Leipzig sprach ihn am Freitag der illegalen Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke in mehr als 1,1 Millionen Fällen schuldig. Das Urteil ist rechtskräftig.

Das Strafmaß solle zeigen, dass bei derartigen Taten mit erheblichen Strafen zu rechnen ist, heißt es in der Begründung des Gerichts. Allerdings berücksichtigte es auch, dass der Angeklagte schon kurz nach seiner Festnahme ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte. Damit habe er die Strafverfolgung weiterer Beschuldigter ermöglicht. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Dresden wird derzeit noch gegen mehr als 20 Personen ermittelt.

Rückzahlung: 190.000 Euro Werbeeinnahmen

Der 33-Jährige erklärte sich zudem damit einverstanden, dass die ihm zugeflossenen Werbeeinnahmen des Portals an die Staatskasse fließen. Er hatte nach eigenen Angaben vom Januar 2009 bis zum Juni 2011 insgesamt rund 190.000 Euro eingenommen. Nach dem Abzug von 30.000 Euro Kosten seien ihm 160.000 Euro verblieben.

"Es ging bei kino.to rein darum, Geld zu machen", sagte Richter Mathias Winderlich in seiner Urteilsbegründung. Die Betreiber des Portals hatten Millionen-Umsätze mit Online-Werbung erzielt.

Bei kino.to waren nach früheren Angaben zuletzt mehr als eine Million Links auf geschützte Werke aus Film und Fernsehen präsentiert worden, monatlich kamen etwa 131.000 hinzu. Die Drahtzieher des illegalen Netzwerkes saßen in Leipzig. Auf Konten fanden die Ermittler rund 2,5 Millionen Euro. Das Geld wurde beschlagnahmt. Als Hauptbeschuldigter gilt ein 38-Jähriger. Insgesamt gab es 13 Festnahmen.

irb/dapd/dpa

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1. ...
neuroheaven 02.12.2011
schade
2. Geld regiert die Welt
kalif1978 03.12.2011
Danke an die Justiz, das ihr uns wieder zeigt, wem ihr hörig seid. Hätte der erste Mensch, der mit dem Ackerbau anfing und Sesshaft wurde, seinem Nach(barn)ahmer erschlagen, würde er von euch auch Recht bekommen. Mit dem Schutz von allem, verhindert ihr die Weiterentwicklung des Menschen. Und das nur, um die Gier einiger weniger zu BEFRIEDIGEN! Schützer wie Ankläger und Urteiler:" Ihr wiedert mich an!
3. Gutes Urteil!
jj2005 03.12.2011
> Nach dem Abzug von 30.000 Euro Kosten seien ihm 160.000 Euro verblieben. Na dann besteht ja noch Hoffnung, dass ein paar Banker lebenslang in den Knast wandern ;-)
4. wahrscheinlich
autocrator 03.12.2011
ziemlich wahrscheinlich ist das urteil juristisch unsauber. wo stand der server? wer waren die uploader? in welchem vertrags- und weisungsverhältnis stand der webdesigner? Ist juristisch überhaupt geklärt, ob das bereitstellen einer plattform für up- und downloads an sich schon strafwürdig ist, selbst wenn man weiss, dass 90% der inhalte urheberrechtlich geschützt sind? - Was ist dann z.B. mit Youtube? wer haftet für einen einzelnen eintrag/beitrag/datei? Was ist dabei die aufgabe der GEMA? Und wieder: was hat der webdesigner, der einfach nur ein gewerk, konkret einen server-programmcode abliefert, mit all dem überhaupt zu tun? Parallele: ist Herr Kalashnikov, Konstrukteur gleichnamiger Waffe, verantwortlichfür jeden, der mit seiner Konstruktion erschossen wurde? Oder doch eher derjenige, der den abzug betätigte oder demjenigen den befehl dazu gab? Waren die 1,1 Mio fälle alles downloads? oder auch streams? oder "online geschaute dateien", die zwar im arbeitsspeicher des betrachters temporär zur sofortigen wiedergabe zwischengelagert werden, aber nicht dauerhaft als wiederherstellbare kopie abgespeichert werden? Wer ist überhaupt der klageführer? - der geprellte urheber, dem 1,50 euro GEMA-gebühr entgingen? Ist das überhaupt ein strafdelikt oder doch eher eine zivilrechtliche angelegenheit? Und wieder: was hat mit all dem der programmierer der webseite überhaupt zu tun? und inwiefern machten sich die werbenden mitschuldig, denen bekannt war, dass da illegal content veröffentlicht wird, um traffic zu erzeugen, von dem ein werbeeffekt erhofft wurde? Wurde das juristisch in der urteilsbegründung abgewägt? Ein geschickter anwalt des webdesigners hätte mit all diesen fragen, über die ich jetzt keine 2 sekunden nachgedacht habe, aber von denen sicher noch viel mehr rauskommen, wenn man sichauch nur 2 tage mit der materie befasst, den gesamten prozess mittels beweisanträgen etc. lahmlegen können. Also entweder ist der webdesigner selber nicht besonders helle, mit sicherheit hat er nen beschissenen anwalt, und insgesamt sieht mir die sache derart simpel inszeniert & als "deal" gestaltet aus, dass ich meine: das urteil ist von vorne bis hingten ziemlich wahrscheinlich derart unsauber, dass es für die zunft der juristen schon peinlich ist.
5. Was wäre, wenn Sie ein Buch schreiben würden....
beobachter81 03.12.2011
Zitat von kalif1978Danke an die Justiz, das ihr uns wieder zeigt, wem ihr hörig seid. Hätte der erste Mensch, der mit dem Ackerbau anfing und Sesshaft wurde, seinem Nach(barn)ahmer erschlagen, würde er von euch auch Recht bekommen. Mit dem Schutz von allem, verhindert ihr die Weiterentwicklung des Menschen. Und das nur, um die Gier einiger weniger zu BEFRIEDIGEN! Schützer wie Ankläger und Urteiler:" Ihr wiedert mich an!
Vorneweg, ich selber bin auch sehr links. Wenn es um Banken und Konzerne oder um die westlichen Staaten geht, das widert mich auch an. Jedoch bin ich für Eigentumsrechte. Die Einhaltung von Bürgerrechten ist für mich auch links. Wie fänden Sie es, wenn Sie ein Buch oder eine andere geistige Leistung erbracht hätten und der Staat oder andere Personen es für sich KOMMERZIELL nutzen. Die Betreiber von kino.to waren ja keine Gutmenschen, sondern wollten einfach Geld verdienen. Wer wer also hier gierig? Linke Menschen verdienen nur dann auch Respekt und Anerkennung, wenn sie keine platten Parolen herumposaunen. Für eine gute linke Sache plädiere ich also für eine differenzierte durchdachte Betrachtungsweise.
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Filehoster: Blick hinter die Kulissen einer undurchsichtigen Branche

Sogenannte Filehoster, 1-Click-Hoster oder Cyberlocker stellen die Infrastruktur für die große, weltweite Dateiverteilung. Für die einen sind sie komfortable Dienste, für die anderen Piraterie-Dienstleister. SPIEGEL ONLINE blickt in einer Serie hinter die Kulissen einer undurchsichtigen Branche.

Teil 1: Helfer oder Hehler? Was sich hinter dem Begriff Filehoster verbirgt (14.9.2010)

Teil 2: Selbstbild einer umstrittenen Branche: "Wir sind auch Opfer" (15.9.2010)

Teil 3: Ausweitung der Grauzone: Die rechtliche Situation (16.9.2010)


Nutzung von Filehostern: Mache ich mich strafbar?

Privatnutzer, die urheberrechtlich geschützte Werke, an denen sie selbst keine Rechte besitzen, über einen Filehoster Dritten zugänglich machen, verstoßen gegen das Urheberschutzgesetz ("Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte"). Das Gesetz unterscheidet hier nicht zwischen verschiedenen digitalen Vertriebswegen: Ob per P2P-Börse, Filehoster oder 1-zu-1-Verbindung per Messenger, die unautorisierte Verteilung der geschützten Güter Dritter ist verboten.

Die bloße Hinterlegung einer Privatkopie, die ohne Umgehung eines funktionierenden Kopierschutzes geschaffen wurde, ist zur rein privaten Eigennutzung hingegen wohl unproblematisch - man darf sie allerdings nicht zugänglich machen.

Für die meisten Internetnutzer wichtiger ist die Frage, ob auch der reine Download verboten ist. Prinzipiell ist die Nutzung von Filehostern durchaus nicht illegal. Allerdings erklärt das novellierte deutsche Urheberrecht klar, dass auch der Download - ergo: das Anlegen einer Kopie - eines Werkes aus dem Internet nicht legal ist, wenn diese Datei für den Downloader "offensichtlich rechtswidrig" zur Verfügung gestellt wurde.

Das aber dürfte bei den meisten Filmen und Musikstücken, die über Filehoster zu finden sind, der Fall sein. Die Formulierung läßt Raum für Interpretationen, ist aber letztlich eindeutig: Wenn man bei einem Filehoster die Kopie eines aktuellen kommerziellen musikalischen oder filmischen Werkes findet, ist nicht davon auszugehen, dass der Hinterleger über die Rechte zur Verbreitung verfügte. Kurzum: Wer weiß, dass die Verbreitung eines Werkes illegal geschah, verstößt gegen das Gesetz, wenn er diese nutzt.

pat

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