Anonymous auf der re:publica Rock'n'Roller tadeln Punks

Ist das Lahmlegen von Websites legitimer politischer Protest? Lohnt es sich, dafür bis ins Gefängnis zu gehen? Auf der re:publica diskutierten der Aktivist Jacob Appelbaum, der Hacker Frank Rieger und die Anonymous-Forscherin Carolin Wiedemann. Sehen Sie hier den Mitschnitt.

Aktivist Appelbaum: Kein Problem mit Hack-Attacken auf "skrupellose Scheißläden"
dapd

Aktivist Appelbaum: Kein Problem mit Hack-Attacken auf "skrupellose Scheißläden"


Bei Anonymous kann jeder mitmachen, mit ein paar Klicks lassen sich zum Beispiel Programme installieren, die einen zum Mittäter bei Angriffen auf Webserver machen. Die unter dem Ansturm dann zusammenbrechen. Erfahrene Hacker lassen sich bei so etwas nicht erwischen - Anfänger hingegen können vor Gericht landen. So wie die 21-jährige Mercedes Haefer aus Las Vegas, der vorgeworfen wird, Teil einer illegalen Anonymous-Operation gewesen zu sein.

Von einem Treffen mit Haefers Anwalt berichtete die Anonymous-Forscherin Carolin Wiedemann auf der Web-Konferenz re:publica in Berlin. Der Online-Aktivismus kann ganz reale Folgen haben, nicht nur für Unternehmen, die von Hackern geplündert werden, sondern auch für weniger versierte Angreifer. Während Netz-Aktivist Jacob Appelbaum den Protest unterstützt, fordert Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf dem Podium eine Hacker-Ethik für Anonymous.

Braucht Hacktivismus Regeln? Appelbaum forderte zunächst Solidarität mit Anonymous in der Hacker-Community und sagte: "Wir sind alle Anonymous." Rieger erinnere ihn an einen Rock'n'Roller, der die jungen Punker tadele. Das Lahmlegen von Websites verglich Appelbaum mit den Schienen- und Straßenblockaden der Anti-Atomkraft-Bewegung. Rieger widersprach vehement. Sehen Sie die Diskussion in voller Länge:

ore

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insgesamt 10 Beiträge
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sappelkopp 05.05.2012
1. Da können wir lange diskutieren...
Zitat von sysopdapdIst das Lahmlegen von Websites legitimer politischer Protest? Lohnt es sich, dafür bis ins Gefängnis zu gehen? Auf der re:publica diskutierten der Aktivist Jacob Appelbaum, der Hacker Frank Rieger und die Anonymous-Forscherin Carolin Wiedemann. Sehen Sie hier den Mitschnitt. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,831415,00.html
...aber für mich ist das Lahmlegen von Webseiten ähnlich wie die Randale in der Innenstadt, bei der Läden verwüstet werden. Wir müssen uns endlich mal von der Sichtweiste freimachen, das "Dinge" - Seiten, Softwäre, Musik usw. - nichts Wert sind, weil sie unendlich reproduzierbar sind. Es sind Wert, von Menschen geschaffen. Und der, der sie geschaffen hat bestimmt darüber, das gilt auch für eine Webseite. Im Übrigen, wer bestimmt denn, welcher Laden ein "Scheißladen" ist? Jacob Apfelbaum und Co.?
TiloS 05.05.2012
2. Dass darüber diskutiert wird, ist der Skandal
Ist eine Straftat legal oder illegal, was für eine Diskussion! Randale in der Innenstadt sind für mich das Gleiche wie das Lahmlegen von Webseiten. Übrigens werden beide Dinge viel zu sehr toleriert. Genau wie im Netz können auch die Leute auf Demonstrationen scheinbar alles machen. Es wird immer so dargestellt als seien das legitime Protestmittel. Das sind sie aber nicht. Das sind Straftaten und sollten auch so behandelt werden.
Raphael 05.05.2012
3. Illegal oder Pflicht?
Zitat von TiloSIst eine Straftat legal oder illegal, was für eine Diskussion! Randale in der Innenstadt sind für mich das Gleiche wie das Lahmlegen von Webseiten. Übrigens werden beide Dinge viel zu sehr toleriert. Genau wie im Netz können auch die Leute auf Demonstrationen scheinbar alles machen. Es wird immer so dargestellt als seien das legitime Protestmittel. Das sind sie aber nicht. Das sind Straftaten und sollten auch so behandelt werden.
Ich denke, dass das alles eine Frage der Relativität ist. Ist es illegal, wenn das Gesetz von einem nicht demokratisch legitimierten Gebilde ausgeht? Andererseits muss ich auch fragen, welche Möglichkeiten zur Demokratisierung dem Volk noch geblieben ist? Stuttgart 21? Ging ja auch nur mit viel Krawall. Das Volk hat inzwischen keine reale Möglichkeit außer Protest und Angriff, um auf den demokratischen Prozess einzuwirken und dazu sind wir sogar laut Grundgesetz Art. 20 Abs. 4 angehalten. Schließlich ist bekannt, dass unsere Demokratie gerade an die EU undemokratisch outgesourced wird und dass Lobbyisten aus Wirtschaft und Medien die Politik beeinflussen, ohne dass der Bürger darauf Einfluss nehmen kann. Jeder Versuch auf dieses System als Bürger positiv einzuwirken, wird unterbunden und als staatsfeindlich dargestellt. GG Art. 20 Abs.4: Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung ((1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.) zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. Andere Abhilfe ist offensichtlich nicht mehr möglich. Von daher haben solche Hackangriffe auch meine volle Unterstützung als Demokrat und Verfechter der deutschen Demokratie. Wenn eine demokratische Meinung unterdrückt wird von Menschen, die sich als Demokraten tarnen, dann muss gehandelt werden. Unter anderen Umständen wäre ich auch der Meinung, dass diese Angriffe nicht gerechtfertigt seien aber unter den gegebenen Umständen sehe ich sie als ein notwendiges Übel an. Sie sind ein Symptom und nicht die Ursache. mfG - Raphael
Zephira 05.05.2012
4.
Zitat von RaphaelIch denke, dass das alles eine Frage der Relativität ist. Ist es illegal, wenn das Gesetz von einem nicht demokratisch legitimierten Gebilde ausgeht? Andererseits muss ich auch fragen, welche Möglichkeiten zur Demokratisierung dem Volk noch geblieben ist? Stuttgart 21? Ging ja auch nur mit viel Krawall. Das Volk hat inzwischen keine reale Möglichkeit außer Protest und Angriff, um auf den demokratischen Prozess einzuwirken und dazu sind wir sogar laut Grundgesetz Art. 20 Abs. 4 angehalten. Schließlich ist bekannt, dass unsere Demokratie gerade an die EU undemokratisch outgesourced wird und dass Lobbyisten aus Wirtschaft und Medien die Politik beeinflussen, ohne dass der Bürger darauf Einfluss nehmen kann. Jeder Versuch auf dieses System als Bürger positiv einzuwirken, wird unterbunden und als staatsfeindlich dargestellt. GG Art. 20 Abs.4: Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung ((1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.) zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist. Andere Abhilfe ist offensichtlich nicht mehr möglich. Von daher haben solche Hackangriffe auch meine volle Unterstützung als Demokrat und Verfechter der deutschen Demokratie. Wenn eine demokratische Meinung unterdrückt wird von Menschen, die sich als Demokraten tarnen, dann muss gehandelt werden. Unter anderen Umständen wäre ich auch der Meinung, dass diese Angriffe nicht gerechtfertigt seien aber unter den gegebenen Umständen sehe ich sie als ein notwendiges Übel an. Sie sind ein Symptom und nicht die Ursache. mfG - Raphael
Wie würden Sie reagieren, wenn dieses Statement von einem Salafisten oder NSU-Aktivisten käme? Also ich würde zuallererst einmal klarstellen, dass das "Volk" dieser Person keine 82 Millionen Menschen in Deutschland umfasst, sondern nur eine fanatische, verschwindend geringe Minderheit...und damit ist dann auch klar, wass die Person unter "fehlender Demokratie" meinen würde, nämlich dass seine Minderheit nicht über die große Mehrheit herrscht. Was in Wirklichkeit so ziemlich das Gegenteil von fehlender Demokratie ist.
Raphael 05.05.2012
5.
Zitat von ZephiraWie würden Sie reagieren, wenn dieses Statement von einem Salafisten oder NSU-Aktivisten käme? Also ich würde zuallererst einmal klarstellen, dass das "Volk" dieser Person keine 82 Millionen Menschen in Deutschland umfasst, sondern nur eine fanatische, verschwindend geringe Minderheit...und damit ist dann auch klar, wass die Person unter "fehlender Demokratie" meinen würde, nämlich dass seine Minderheit nicht über die große Mehrheit herrscht. Was in Wirklichkeit so ziemlich das Gegenteil von fehlender Demokratie ist.
Ich denke, das siehst du ein bisschen zu einfach. Auch wenn dieses Statement von einem Salafisten oder NSU-Aktivisten käme, wäre es trotzdem noch nicht falsch und ich müsste mir darüber Gedanken machen, was mit unserer Demokratie nicht stimmt. Das nennt man Unvoreingenommenheit. Du kannst doch nicht die Aussagen von Außenstehenden einfach wegwischen, bloß weil sie dir nicht nach dem Mund reden. Das nennt man Diktatur. Natürlich ist dein Argument richtig. Ich kann nicht hingehen und den Bundestag sprengen nur weil ich meine, die Demokratie wird mit Füßen getreten. Es sollte schon eine Verhältnismäßigkeit bestehen. Wenn aber ein Konzern wie Monsanto jährlich durch seine Saat-Politik Millionen Afrikaner in den Hungertod treibt. Was ist dann eine verhältnismäßige Antwort? Was wäre angebracht, wenn eine politische Kaste versucht ein Volk zu entmündigen? Was müsste man tun, wenn Pharmakonzenere bewusst gesundheitsschädliche Medikamente vertreiben? Sei froh, dass nur gehackt wird! Natürlich kann ich für mich nicht behaupten, dass ich das deutsche Volk repräsentiere. Offensichtliche Missstände anzuprangern hat damit aber nichts zu tun. Es ist leicht sich einen Satz aus meiner Argumentation zu picken und ihn dann zu verreißen aber meine Gesamtaussage hast du garnicht anerkannt. Siehst du nicht, dass wir entdemokratisiert werden? Siehst du nicht, dass Politiker gekauft werden? Ich bin kein Vertreter einer kleinen Minderheit, sondern gehöre zu den 95 % die gerade entmündigt werden. Ich bin einfach froh, dass jemand für mich kämpft.
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