Netzneutralität auf der re:publica Drosselkom-Diskussion ausgebremst

Kommt das Zwei-Klassen-Internet? Auf der re:publica wollten Hunderte Antworten von der Telekom. Die will künftig Vielnutzern die Flatrate kappen, wenn sie zu viel aus dem Web laden, für ein eigenes Entertainment-Angebot aber eine Ausnahme machen.

Internetkonferenz re:publica: Teilnehmer kritisieren die Telekom
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Internetkonferenz re:publica: Teilnehmer kritisieren die Telekom

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Berlin - Sie sitzen auf dem Boden, stehen in den Gängen: In einem völlig überfüllten Saal drängen sich am Dienstag viele hundert Besucher der Netzkonferenz re:publica. Sie wollen wissen, wie der Telekom-Manager Jan Krancke die Pläne seines Unternehmens verteidigt, den Kunden künftig nach der Übertragung einer bestimmten Datenmenge die Flatrate zu drosseln. Gedrosselt wird zunächst aber die Diskussion.

Als die Runde geplant wurde, auf der außerdem ein Wirtschaftslobbyist, ein Rechtsexperte und eine Vertreterin der Bundesnetzagentur sitzen, gab es den Begriff Drosselkom noch nicht. Deswegen soll es erst 40 Minuten Nachhilfe in Sachen Internettechnik geben. Nur eine Viertelstunde soll es zum Schluss um das Thema gehen, das derzeit die Netzgemeinde in Aufruhr versetzt.

Die Besucher lassen es stumm über sich ergehen. Ein leises Buh gibt es, als Telekom-Manager Krancke vorgestellt wird, das war es auch schon. Die Runde spricht über Content Delivery Networks. Mit Hilfe solcher Dienstleister können große Mengen Daten schnell zu den Nutzern übertragen werden, die Datenanbieter legen ihre Kabel möglichst dicht zu den Rechenzentren der Provider. Die ersten Zuschauer verlassen gelangweilt den Saal.

Überholspur gegen Aufpreis

Dann erklärt Krancke, dass die Telekom mit ihrem Entertain-Angebot nicht nur Internetverbindungen, sondern auch Inhalte anbietet. Genau daran entzündet sich die Kritik: Das eigene Angebot, Fernsehen und Apps, schickt die Telekom ungebremst durch die Leitungen. Managed Services, nennt die Telekom diese Vorfahrtsspur. Anbieter datenintensiver Online-Angebote sollen sich künftig einen Platz auf dieser Spur bei der Telekom erkaufen können. Wer das nicht tut, muss damit rechnen, dass Telekom-Kunden seine Dienste nach einer etwaigen Drosselung nicht mehr nutzen können.

Aus dem Publikum wird Cara Schwarz-Schilling von der Bundesnetzagentur gefragt, ob eine Trennung von Inhalte- und Verbindungsanbieter angesichts solcher Pläne nicht sinnvoll sei. Schwarz-Schilling warnt, dass der Ausbau der Netze dann auf der Strecke bleiben könnte - das Zwei-Klassen-Internet, so umstritten es auf der Netzkonferenz auch ist, kann kommen.

Die Datendrosselung, die ab 2016 greifen soll, bezeichnet Krancke als "eine Frage der Gerechtigkeit". Er könne die Aufregung verstehen, aber 97 Prozent der elf Millionen Telekom-Nutzer würden gar nicht so viele Daten verbrauchen. Wer doch mehr Volumen brauche, könne ja zusätzliche Übertragungsvolumen hinzubuchen. Künftig soll transparent gemacht werden, wie viel Datenvolumen die Nutzer verbrauchen.

Klicken ohne Drosselangst

"Die Telekom steht für ein offenes, freies Internet", sagt Krancke mehrfach. Das re:publica-Publikum, darunter mutmaßlich einige der angesprochenen Vielnutzer, starrt stumm auf das Podium, einige schütteln ungläubig den Kopf. Verbraucherschützer haben bereits eine Klage angekündigt, der Wirtschaftsminister hat sich eingeschaltet, die Bundesnetzagentur will die Pläne prüfen, seit Tagen wird das Unternehmen als Drosselkom verspottet.

Klaus Landefeld vom Wirtschaftsverband Eco warnt vor einer Rückkehr in die Internetfrühzeit, in der nach Datenvolumen abgerechnet wurde: "Ich weiß einfach nicht, wie viele Mega- oder Gigabyte sich hinter einem Link verbergen", sagt er. Die Informationsgesellschaft würde ausgebremst von der Sorge, zu viele Daten zu verbrauchen. Klicken ohne Drosselangst: Das gibt großen Applaus.



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insgesamt 57 Beiträge
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u.loose 07.05.2013
1. Langsam aber sicher wird es langweilig
Das Thema ist ausgelutscht und alle "Argumente" ausgetauscht... Niedlich an der ganzen "Diskussion" - die wenigen die ein bisschen mehr zahlen müssten, machen ein Fass auf und erwecken den Eindruck "das Volk" steht hinter ihnen. Merkwürdigerweise sind diese Mehrverbraucher/Mehrzahler mit denjenigen vergleichbar denen Grün Rot einen höheren Steuersatz aufs Auge drücken will - nur da findet die Mehrheit das es da schon seine Richtigkeit hat. Ich jedenfalls warte erst mal ab wie hoch denn mein Datenvolumen ist und bei Bedarf zahle ich eben dafür, wenn es mir das wert ist.
roana 07.05.2013
2. Als verantwortungsbewußter Content-Anbieter
bietet man dann zwei Versionen der Page an: über Drosselcom kommende Kunden und ohne Drosselcom surfende. mod_gzip sollte eh für alle Standard sein und die gedrosselten bekommen weniger Bilder..., so wie heute auch für mobil extra Seiten angeboten werden mit reduziertem Content
Luke1973 07.05.2013
3. Ich glaube,
Sie haben die Dimension nicht verstanden. Es geht um die permanente Angst, sein Volumen aufzubrauchen. Dienste, von denen man oft nicht songenau weiß wieviel sie eigentlich saugen wie Maps, Earth, VOD, Dropbox, Videokonferenz, arbeiten von zu Hause online und vieles mehr und viele, die noch gar nicht erfunden worden sind, werden dann für die Mehrzahl der Nutzer uninteressant. Das wird einen riesen Hemmschuh für die Nutzung und Entwicklung im it-Bereich für Deutschland sein. Ich halte das für einen fatale Fehlentwicklung, die Deutschland auf lange Sicht große wirtschaftliche Nachteile bringen wird und damit am Ende alle Geld kosten wird. Auch wird der Ausbau der Netzte verlangsamt werden. Auch dies wird die weitere Entwicklung der Onlinedienste hemmen. Dabei ist das doch DER Zukunftsmarkt für eine Dienstleistungsgesellschaft wie wir es sind.
ratschbumm 07.05.2013
4. Nö, abwarten is nich.
Zitat von u.looseDas Thema ist ausgelutscht und alle "Argumente" ausgetauscht... Niedlich an der ganzen "Diskussion" - die wenigen die ein bisschen mehr zahlen müssten, machen ein Fass auf und erwecken den Eindruck "das Volk" steht hinter ihnen. Merkwürdigerweise sind diese Mehrverbraucher/Mehrzahler mit denjenigen vergleichbar denen Grün Rot einen höheren Steuersatz aufs Auge drücken will - nur da findet die Mehrheit das es da schon seine Richtigkeit hat. Ich jedenfalls warte erst mal ab wie hoch denn mein Datenvolumen ist und bei Bedarf zahle ich eben dafür, wenn es mir das wert ist.
Die Drosselcom muss lernen. So wie die Post nie lernte, wird auch die Drosselcom nicht lernen. Es sei denn durch Abstimmung mit den Füßen. Werde heute das letzte Fossil meines Telekom-Kundendaseins kippen: den Festnetzanschluß. Bye bye Obermänner.....................
webwude 07.05.2013
5.
Zitat von u.looseDas Thema ist ausgelutscht und alle "Argumente" ausgetauscht... Niedlich an der ganzen "Diskussion" - die wenigen die ein bisschen mehr zahlen müssten, machen ein Fass auf und erwecken den Eindruck "das Volk" steht hinter ihnen. Merkwürdigerweise sind diese Mehrverbraucher/Mehrzahler mit denjenigen vergleichbar denen Grün Rot einen höheren Steuersatz aufs Auge drücken will - nur da findet die Mehrheit das es da schon seine Richtigkeit hat. Ich jedenfalls warte erst mal ab wie hoch denn mein Datenvolumen ist und bei Bedarf zahle ich eben dafür, wenn es mir das wert ist.
Touché - man merkt, dass sie die Diskussion nicht verstanden haben: 1. heute kommt man möglicherweise mit 75 GB aus - 2016 sicherlich nicht mehr, auch nicht mehr der "Normale", der mit entsprechenden Endgeräten HD Material streamt. 2. Internet-Traffic einzuteilen, je nach dem, ob man zahlt oder nicht, entspricht eben nicht der Netzneutralität - andere Dienste außer Entertain oder Spotify bleiben dann auf der Strecke, weil der User nicht plötzlich den Dienst nach dem Ende des Volumens nicht mehr nutzen kann. 3. laut TKG darf die Telekom aktuell das verbrauchten Datenvolumens gar nicht speichern. 4. die Kostentreiber für die Telekom sind gerade nicht die Nutzer mit ihrem Traffic, sondern die Anschluss-Infrastruktur, Hardware, Strom. Daher fällt die ganze Argumentation. Generell geht es eben darum - bekomme ich mit meinem Internetanschluss eine beständige Leistung oder nicht - genauso könnte man argumentieren, dass einem der Fernsehanschluss bei übermäßigen Konsum abgedreht wird...
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