"Reporter ohne Grenzen"-Bericht: 120 Blogger sitzen in Gefängnissen

"Reporter ohne Grenzen" prangert zwölf Staaten erneut als Feinde des Internets an, darunter China, Vietnam und Iran. Zudem ist die Zahl der inhaftierten Cyber-Dissidenten angestiegen - und bedenkliche Entwicklungen in Russland und der Türkei werden beobachtet.

Titelseite der Studie zur Cyber-Repression: Die Zahl inhaftierter Blogger ist gestiegen Zur Großansicht

Titelseite der Studie zur Cyber-Repression: Die Zahl inhaftierter Blogger ist gestiegen

Berlin - Die schärfsten Gegner freier Meinungen im Internet sind laut "Reporter ohne Grenzen" die gleichen zwölf Staaten wie schon im vergangenen Jahr. Darunter finden sich Länder wie China, Vietnam und Iran. Verändert hat sich hingegen die Zahl der inhaftierten Blogger. 2009 zählte die Organisation rund 70 inhaftierte Cyber-Dissidenten. Die ernüchternde Studie, die am Freitag vorgestellt wurde, zählt nun rund 120 weggesperrte Blogger. Allein in China sitzen 72 Menschen wegen ihrer Meinungsäußerungen im Internet in Gefängnissen.

Auch Vietnam und der Iran seien in den vergangenen Monaten verstärkt gegen Oppositionelle im Netz vorgegangen. Nur wenige Staaten wie Nordkorea, Burma, Turkmenistan und Kuba würden es sich noch leisten, ihre Bürger fast vollkommen von der Netzwelt abzuschotten. Während die Liste der zwölf Internet-Feinde mit der des Vorjahres identisch ist, gibt es zwei Neuzugänge auf der "Watchlist" der Organisation.

Demnach gibt es bedenkliche Entwicklungen in Russland und der Türkei. In Russland sei wegen staatlicher kontrollierter Medien das Internet immer noch der vergleichsweise freieste Raum für Meinungsäußerungen. Weil aber Verhaftungen zunehmen und angeblich extremistisch Web-Seiten gesperrt werden, sei die Gefahr groß, dass das Netz einer politischen Kontrolle anheim falle. In der Türkei gebe es regelrechte Tabu-Themen, darunter das Militär und die kurdische und armenische Minderheit, die zur Blockade Tausender Websites geführt hätten - darunter auch YouTube.

Nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" spielt im "Cyber-Krieg" zwischen Bürgern und repressiven Regimes die Technik eine immer wichtigere Rolle. Mit immer raffinierteren Verschlüsselungsprogrammen oder Proxy-Schnittstellen versuchten viele Nutzer die Zensur zu umgehen. In Ländern wie Nordkorea, Burma und Kuba sei der Internetzugang schon aus technischen Gründen sehr schwer. Staaten wie Saudi-Arabien, Vietnam oder Usbekistan würden zwar aus wirtschaftlichen Gründen den Netzzugang ausbauen, setzten dafür aber immer schärfere Filtersysteme ein.

In westlichen Demokratien werde im Namen des Kampfes gegen Kinderpornografie oder Urheberrechtsverletzungen das Netz zunehmend reguliert, so etwa in Australien, Frankreich, Italien und Großbritannien. In den skandinavischen Staaten sei der ungehinderte Zugang zum Internet dagegen ein Grundrecht.

ore/dpa

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1. Skandinavien sollte Vorbild sein
www.PlusPedia.de 12.03.2010
Skandinavien sollte auch für westliche Gegenden Vorbild sein. Man sollte den Anfängen wehren - Was in Frankreich beispielsweise geschieht, dass man vom Netz für ein Jahr gekappt werden kann ist sehr bedenklich. Von den üblich verdächtigen Diktaturen ganz zu schweigen. Gerade China, Nordkoreak und der Iran sind hier echte Negativbeispiele.
2. Da fehlt doch ein Land in der Liste
onimoschta 12.03.2010
"In westlichen Demokratien werde im Namen des Kampfes gegen Kinderpornografie oder Urheberrechtsverletzungen das Netz zunehmend reguliert, so etwa in Australien, Frankreich, Italien und Großbritannien." Na, da fehlt doch definitiv ein Land in dieser kleinen Liste. Es liegt in Zentraleuropa, kämpft mit China um die Exportmeisterschaft und die Landessprache ist deutsch, aber ich komme nicht auf den Namen.... ;)
3. Deutschland
Saudi-Arabien 12.03.2010
Zitat von www.PlusPedia.deSkandinavien sollte auch für westliche Gegenden Vorbild sein. Man sollte den Anfängen wehren - Was in Frankreich beispielsweise geschieht, dass man vom Netz für ein Jahr gekappt werden kann ist sehr bedenklich. Von den üblich verdächtigen Diktaturen ganz zu schweigen. Gerade China, Nordkoreak und der Iran sind hier echte Negativbeispiele.
Na ja, man kann in Frankreich vom Netz gekappt werden, wenn man Urheberrechtsverletzungen begeht und diese Kappung erfolg erst nach ein paar Verstößen. Hier im tollen Deutschland erhält man sofort eine Abmahnung und wenn man auf die nicht reagiert erhält man eine EV und kann je nach Streitwert zwischen 2000 und 10.000 € zahlen und nun dürfte wohl klar sein, wo es schlimmer zu geht. Dagegen ist diese kleine Internet-Sperre einfach nur Spielkram.
4. Heuchelei
Pforzheimer 14.03.2010
Unsere lieben und mutigen Reporter. Im Ausland zeigen sie empört mit dem Finger auf die Feinde Pressefreiheit und zu Hause sind sie zu Feige, die Wahrheit zu schreiben, wenn es auch nur den Hauch hat, politisch unkorrekt zu sein. Einfach nur scheinheilig und verlogen.
5. Angst und Bange vor der Zukunft
Transmitter 15.03.2010
Zitat von PforzheimerUnsere lieben und mutigen Reporter. Im Ausland zeigen sie empört mit dem Finger auf die Feinde Pressefreiheit und zu Hause sind sie zu Feige, die Wahrheit zu schreiben, wenn es auch nur den Hauch hat, politisch unkorrekt zu sein. Einfach nur scheinheilig und verlogen.
Wenn ich daran denke, dass wir dies zugelassen und lange Zeit gar nicht richtig gemerkt haben, welche gefährlichen Folgen die Politcal Correctness-Gleichschaltung der Medien hat, wird mir Angst und Bange vor der Zukunft. Was ist, wenn wir den so blauäugig angerichtetne Schlamassel jetzt nicht mehr rückgängig machen können? Wenn auch nur ein Bruchteil davon stimmt, was wir heute über den Islam und seine Folgen für unsere Kultur, unsere Gesellschaft so erfahren, stecken wir ganz schön in der Scheisse.
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