Wegfall von Roaming-Gebühren Experten befürchten Gebührenanstieg

Der für 2017 geplante Wegfall der Roaming-Gebühren werde nicht nur positive Auswirkungen haben, fürchtet eine Expertenkommission. Die umstrittenen Pläne zur Netzneutralität seien dagegen sinnvoll.

Weil Mobiltelefonate im Ausland billiger werden sollen, könnten die Inlandspreise steigen
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Weil Mobiltelefonate im Ausland billiger werden sollen, könnten die Inlandspreise steigen


Wegen des geplanten Verbots von Roaming-Gebühren innerhalb der EU hat die Monopolkommission vor Preiserhöhungen bei Inlandstelefonaten gewarnt. Sie beurteile die laut EU-Vorgabe bis Juni 2017 vollendete Abschaffung der Gebühren "nicht uneingeschränkt positiv", hieß es in einem am Montag in Bonn vorgestellten Sondergutachten. Die Monopolkommission ist ein Beratergremium von Bundesregierung und Bundestag zu Wettbewerb und staatlichen Eingriffen in den Telekommunikationsmarkt.

Auch wenn die Regulierung der Gebühren für Verbindungen ins Ausland zum Schutz der Verbraucher vor überhöhten Preisen generell begrüßenswert sei, sehe sie deren Abschaffung kritisch, teilte die Kommission mit. "Bei einer Absenkung der Gebühren auf Null können die durch das Roaming entstandenen Kosten nicht mehr gedeckt werden, wodurch unerwünschte Auswirkungen auf die Inlandspreise auftreten könnten."

Im Oktober hatte das EU-Parlament den Weg zur Abschaffung der Roaming-Gebühren freigemacht. Ab Juni 2017 dürfen Mobilfunkanbieter innerhalb der EU keine Aufschläge mehr für Telefonate, SMS oder Datenpakete außerhalb des Heimnetzes ihrer Kunden verlangen. Als letzter Zwischenschritt vor der kompletten Abschaffung werden die Höchstwerte für Roaming-Gebühren ab dem 30. April 2016 zunächst gedeckelt und damit faktisch gesenkt.

Die aus fünf Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern zusammengesetzte Monopolkommission hat die Aufgabe, die Bundesregierung und Abgeordnete bei Fachfragen zu den Themen Wettbewerbsrecht und Regulierung unabhängig zu beraten. Die wesentlichen Entscheidungen dazu fallen inzwischen häufig auf EU-Ebene, nicht mehr in den einzelnen Staaten. Dabei veröffentlicht die Kommission ihre Gutachten entweder im Auftrag oder aus eigenem Antrieb.

Unterstützung von der Monopolkommission erhielt die EU dagegen für ihre umstrittenen Pläne zur Netzneutralität. EU-Parlament, EU-Kommission und EU-Rat hatten sich auf eine neue Verordnung verständigt. Demnach soll der Grundsatz der Gleichbehandlung sämtlicher Datenströme im Internet zwar prinzipiell erhalten bleiben, zugleich aber künftig Ausnahmen für "Spezialdienste" gestattet werden. Damit wird den Netzbetreibern die Möglichkeit eröffnet, für bestimmte Dienstleistungen "Überholspuren" einzurichten, die gegen Aufpreis etwa besonders schnelle oder stabile Verbindungen erlauben.

Die Monopolkommission verwies auf das Problem, unter den aktuellen Wettbewerbsbedingungen Investitionen in immer leistungsfähigere Datennetzwerke sichern zu müssen. "Mit Blick auf die sich verändernde Wertschöpfung auf den Telekommunikationsmärkten stellt sich die Frage, ob die klassischen Telekommunikationsunternehmen auch zukünftig noch über ausreichend Anreize verfügen, in den Ausbau von Infrastrukturen zu investieren."

mak/afp



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insgesamt 23 Beiträge
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noalk 07.12.2015
1. Netzwahl
In der Regel sind Mobilfunk-Anbieter international aufgestellt, entweder mit eigenen Tochtergesellschaften oder kooperativ. Wenn ich von München nach Hamburg telefoniere, geht das über die dreifache Distanz wie von München nach Wien. Habe ich als Provider die deutsche T-Mobile, geht das Gespräch nach Wien (oder umgekehrte Richtung) mit Sicherheit über T-Mobile Austria, erst dann lokal über den Anbieter des Empfängers. Bei Vodafone oder O2 dürfte das nicht anders sein. Ich sehe daher keinen Grund für höhere Gebühren. Oder liege ich da falsch?
Marillax 07.12.2015
2. Nachtigall, ick hör dir trapsen ...
"Die aus fünf Wissenschaftlern und Wirtschaftsvertretern zusammengesetzte Monopolkommission" ... alles klar. Die Wirtschafts-Vertreter sehen ganz einfach ihre Felle davonschwimmen. Das schöne Geld/die schönen Roaming-Gebühren - müssen wie eben sehen, wie wir das anderweitig wieder reinholen. Na, dann wirds eben in Zukunft auf die sowieso anfallenden Gebühren aufgeschlagen! Ganz einfach.
pyleas 07.12.2015
3. Roaming Gebühren
Verbraucher haben nirgendwo Lobby. Alles funktioniert nach der Logik der Gewinnmaximierung der monopolistische Telekommunikations Konzerne. Der Bürger ist machtlos und muss sich alles gelassen hinnehmen mit der Gewissheit er wird wieder betrogen. Sollte er mutig sein und seine recht fordern oder anfordern, dann bekommt er Post von den Anwälten der Konzerne. Die Roaming Vorteile der letzten Jahre sind sowieso durch Druck aus Brüssel durchgesetzt .
sualch 07.12.2015
4. Undurchsichtig
ist ohnehin die Preisgestaltung der Provider. Extrem teuer sind z.B. Verbindungen vom deutschen Festnetz in ein ausländisches Mobilfunknetz. Noch nie verstanden habe ich die hohen Kosten einer inländischen Verbindung vom Festnetz ins Mobilfunknetz (ca. 20 ct/Min). Technisch gesehen ist das nämlich ein Festnetz-"Gespräch" vom eigenen (Festnetz-)Telefon zum zentralen Server des Mobilfunkproviders; erst von dort aus wird es eine "mobile" Verbindung, aber im Netz des Mobilfunkbetreibers! Und Festnetzgespräche kosten normalerweise gar nichts mehr extra, dafür zahlt man heute meist eine Pauschale. Warum hier eine Unterscheidung gemacht wird, hat mir noch keiner plausibel erklären können.
managerbraut 07.12.2015
5. das war doch klar vom ersten Tag der Idee an,
das Handy Funk Provider für den Wegfall von Roominggebühren einen finanziellen Ausgleich schaffen werden und dafür die Minuten,- Volumen,- Flatratepreise erhöhen werden. Am Ende könnte es für jeden sogar teurer kommen als vorher mit Roomingsgebühren. Jedes Unternehmen nutzt solche Rechtslagen - Situationen schamlos aus um nicht nur für finanziellen Ausgleich zu sorgen sondern richtig zulangend die Preise anheben um gleich noch die eigenen Gewinne zu maximieren! Die Abschaffung der Roominggebühren könnte somit zum Eigentor werden und genau, das Gegenteil bewirken was deren Abschaffung eigentlich bewirken sollte.
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