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Überwachung: Russischer Geheimdienst will komplette Internetkommunikation speichern

Sitz des russischen Geheimdienstes FSB (Archivbild): Generalzugriff aufs Internet Zur Großansicht
AFP

Sitz des russischen Geheimdienstes FSB (Archivbild): Generalzugriff aufs Internet

NSA auf Russisch: Der Inlandsgeheimdienst FSB will von Russlands Providern direkten Zugriff auf die Daten von 70 Millionen Internetnutzern im Riesenreich. Betroffen sind auch Dienste wie Skype und Google Mail.

Moskau - Russland will seine Internetkontrollen massiv ausweiten. Laut einem Bericht der Moskauer Tageszeitung "Kommersant" soll der Inlandsgeheimdienst FSB ermächtigt werden, Kommunikation im Runet genannten russischen Segment des Internets komplett abzuschöpfen. Internetprovider in Russland werden aufgefordert, dem Geheimdienst entsprechende technischen Schnittstellen für einen direkten Zugriff auf die Daten zu schaffen.

Das Unternehmen Vimpelcom, einer der größten Internetanbieter, hält diese Pläne für verfassungswidrig. Das geht aus einer Stellungnahme eines hochrangigen Vimpelcom-Managers hervor, die dem "Kommersant" vorliegt.

Nach Angaben der Zeitung soll der Geheimdienst das Recht erhalten, den Datenverkehr insgesamt zu kontrollieren, also nicht nur Verbindungsdaten. "Provider werden verpflichtet, Spezialtechnik an ihre Netze anzuschließen, die von den Geheimdiensten gesteuert wird." Offiziell soll der FSB die abgezapften Daten zwölf Stunden speichern dürfen. Die neue Regelung soll ab 1. Juli 2014 in Kraft treten. Betroffen wären neben russischen Internetprovidern auch westliche Anbieter wie Skype und Google Mail.

Der FSB hat bereits seit längerem Zugriff auf die Nutzungsdaten russischer Internet-User im Rahmen des Spähprogramms Sorm, allerdings beschränkt. Sorm wurde bereits vom sowjetischen KGB in den achtziger Jahren entworfen. Für die Überwachung benötigt der Geheimdienst zwar offiziell die Erlaubnis eines Richters. Diese müssen die Beamten lediglich ihren eigenen Vorgesetzten vorlegen, nicht aber dem Internetprovider. Sorm ermögliche zudem direkten Zugriff auf die Daten von Internetunternehmen.

Der Kreml weitet seit geraumer Zeit die Befugnisse des FSB im Bereich der Internetüberwachung aus. Laut Geheimdienstgesetz ist der FSB zuständig für die Bekämpfung von Spionage, organisierter Kriminalität, Korruption und extremistischer Bewegungen. Derzeit liegt dem Parlament allerdings ein Gesetzesentwurf vor, der dem Geheimdienst auch weitreichende Ermittlungsbefugnisse im Cyberspace gewährt.

Die russischen Geheimdienstexperten Andrej Soldatow und Irina Borogan hatten Anfang Oktober enthüllt, wie der FSB vor der Winterolympiade im Februar in Sotschi sein Überwachungssystem modernisiert.

beb

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insgesamt 41 Beiträge
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1.
teenriot81 21.10.2013
Und wer will sich jetzt darüber aufregen? Der "Anführer der freien Welt" vielleicht. Ja danke auch dafür, das Diktaturen überall auf der Welt Persil-Scheine ausgestellt werden. Es gibt keinen mächtigen Staat mehr in der aufgeklärten Wert, der seine Werte verteidigt. Es steht wirklich schlecht um uns und die Welt.
2. zum Kotzen
nord1icht 21.10.2013
Nicht, dass man von der russischen, chinesischen etc. Regierung anderes erwartet hätte, aber seitdem die britische und US-Regierung sowas offen verteidigen, fällt es schwerer, hier noch zivile Standards zu etablieren.
3. wenn die nsa
snigger 21.10.2013
das gleiche tut ... will der grosse bruder in moskau da natürlicherweise nicht zurückbleiben. und wenn die informationen so wie im artikel beschrieben stimmen ... schaukeln sich die staaten gegenseitig hoch. enden wird das in einer totalkontrolle und einem absolut gläsernen bürger. damit wird jeder erpressbar und steuerbar. ein hoch auf unsere machteliten![ironie off] allerdings ... hat eigentlich schonmal jemand daran gedacht, dass damit in zukunft "terroristen" als begründung ad absurdum geführt werden?
4.
gog-magog 21.10.2013
Zitat von sysopAFPNSA auf russisch: Der Inlandsgeheimdienst FSB will von Russlands Providern direkten Zugriff auf die Daten von 70 Millionen Internet-Nutzern im Riesenreich. Betroffen sind auch Dienste wie Skype und Google Mail. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/russischer-geheimdienst-will-internet-kommunikation-speichern-a-929033.html
Warum sollen die etwas anderes machen, als von ihnen erwartet wird, wenn in den angeblichen Demokratien gleiches verbrochen wird? Das, was diese Leute vorhaben, gibt es in Russland seit Urzeiten, nämlich die Vollzensur der gesamten Kommunikation. Bei uns war es bis vor kurzem unbekannt.
5. Das ist nicht geheim gemein
daten.waesche@gmail.com 21.10.2013
Wer sagt, dass das nicht erlaubt sein soll? Die USA schafft überall Unfrieden und Chaos und das machen sie sicher nicht mit Briefen. Wann sperren wir endlich die Internet Grenzen?
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