Cyberwar-Gefahr: Unsere verwundbare Gesellschaft

Von Sandro Gaycken

Ohne Computer geht nichts mehr - doch was passiert, wenn sie plötzlich ausfallen? Auf den digitalen Ernstfall sind wir kaum vorbereitet, im Gegenteil: Unsere IT-Systeme stecken voller fehlerhafter Codes. Hacker und militärische Angreifer haben es damit leicht, die Gefahr eines Cyberwar ist real.

Stormtrooper-Helm aus "Star Wars": Bedrohung durch Versagen Zur Großansicht
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Stormtrooper-Helm aus "Star Wars": Bedrohung durch Versagen

Wir sind der IT ins Netz gegangen: Auf der ganzen Welt haben sich Gesellschaften in die Abhängigkeit von einer zutiefst unsicheren Technologie treiben lassen. Ein fulminanter Nachteil, der jedoch erst jetzt langsam bemerkt wird: eine überaus ernstzunehmende Bedrohung, die aus der ungünstigen Verquickung von Abhängigkeit und Angreifbarkeit erwächst. Das Opfer ist nicht nur enorm verwundbar, sondern darüber hinaus auch noch gefesselt. Diese Kombination ist für Angreifer aller Art so richtig interessant. Ein besonders besorgniserregender Angreifer ist dabei feindliches Militär.

Denn die Militärs verfügen in der Regel über sehr viele Ressourcen, sehr gutes Know-how und sehr breitgefächerte wie tiefgreifende Interessen. Oder genauer gesagt, tun dies die Staaten, denen die Militärs unterstehen. Hat man also seine gesamte Gesellschaft auf einer vollkommen angreifbaren Technologie erbaut und zudem einen Staat als potentiellen Gegner, ergibt das in Summe ein großes wie naheliegendes Problem: den Cyberwar. Dabei attackieren sich Staaten nicht mehr auf den traditionellen Schlachtfeldern, sondern greifen die IT des Gegners an. Ein solcher Angriff kann eine "informatisierte" Gesellschaft bis ins Mark treffen.

Für alle ermöglichten individuellen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Prozesse ist die IT längst eine notwendige Bedingung geworden. Die Angriffsfläche bei einem Cyberwar ist also groß - und ein Angriff ist (wie für IT typisch) auch sehr effektiv. Nicht nur im Moment des Angriffs, sondern auch lange darüber hinaus. Hier kommt die freiwillige Abhängigkeit von IT ins Spiel. Es steht nämlich fast keine Ersatztechnik mehr zur Verfügung, und die Fähigkeiten zur Bearbeitung der Prozesse ohne IT sind ebenfalls verloren gegangen, da sie nicht mehr benötigt werden.

Wie sollen in einer gehackten und lahmgelegten Produktionsstraße noch Autos gebaut werden? Und an den Ausfall der IT an der Börse möchte man gar nicht erst denken. Wir befinden uns zwar noch nicht lange im Informationszeitalter, aber es wäre bereits jetzt sehr teuer und umständlich, sich wieder von all der bereits verbauten und vernetzten IT zu befreien. Von Versuch kann hier leider nicht mehr die Rede sein. Sie ist inzwischen - danke, Fortschrittswahn - einfach schon zu tief in unsere gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen eingedrungen.

Manipulierbare Maschinen für kritische Prozesse

Die Technikforschung nennt dies eine "Pfadabhängigkeit". Man müsste nämlich nicht nur die IT zurückbauen, sondern auch fast alles drumherum. Denn eine sichere IT wäre eine grundlegend andere IT - weniger komplex und weniger vernetzt. Maschinen wie Produktionsstraßen, die auf die Steuerung durch die unsichere IT hin gestaltet wurden, müssten von Grund auf neu entwickelt werden. Prozesse wie der automatisierte Börsenhandel, die auf die unsichere hohe Geschwindigkeit und die Omnifunktionalität der IT vertrauten, müssten "entschleunigt" und neu organisiert werden. Vielerorts müsste wieder Personal eingestellt werden, weil besonders kritische Prozesse grundsätzlich nicht in die Hände manipulierbarer Maschinen gehören.

Das mag alles ein wenig nach fortschrittsfeindlichen Unkenrufen klingen, und natürlich sind IT-gestützte Prozesse dahingehend stabil und ausgereift, dass ein rein technisches Versagen nahezu ausgeschlossen werden kann - die "Unfallsicherheit" ist also durchaus gegeben. Daneben gibt es aber immer auch die "Angriffssicherheit". Dies ist eine ganz andere Sicherheit, denn hier geht es nicht um eine Bedrohung durch Versagen, sondern durch einen Angreifer.

Diese Art der Unsicherheit sollte uns Kopfzerbrechen bereiten und muss abgebaut werden, und von dieser Unsicherheit geht die große Gefahr für die Informationsgesellschaft aus. Hier versagt unsere etablierte, hochvernetzte Informationstechnik nämlich gänzlich: Sie ist nicht "angriffssicher".

Doch wie kann das sein? Wenn die Ingenieure und Computerwissenschaftler in der Lage sind, so komplexe und hochentwickelte Systeme zu schaffen, dann müssten sie doch auch in der Lage sein, einen entsprechenden Sicherungsmechanismus zu entwickeln? Doch genau in der Komplexität und in der hohen Entwicklung liegen die Probleme. Denn gerade bei komplexer, hoher Entwicklung können die Ingenieure Fehler machen, bieten sich unbekannte Nutzungsvarianten, und häufig sind solche Programmierfehler beziehungsweise Sicherheitslücken ein Einfallstor für Hacker.

Es geht um schnellen Profit, nicht um Sicherheit

Es gibt viele dieser Einfallstore, die man zu schließen hätte. Und dabei kommen nun noch einige Zusatzschwierigkeiten ins Spiel. Es ist nämlich gar nicht so umfassend bekannt, was eine Sicherheitslücke ist. Mit schöner Regelmäßigkeit tauchen immer neue, vollkommen unbekannte Angriffsvarianten auf, die vor allem eine Überprüfung nach vorgefassten Schemata gar nicht erfassen kann - und wie sollte man solch gigantische Software anders prüfen als "schematisch"? Jede Zeile einzeln "von Hand"? Bestimmt nicht. Doch tendieren solche Schemata-basierten Prüfungen zu falschen Einschätzungen, und es werden dabei nicht selten sogar Angriffsoptionen in einer Software hineininterpretiert, wo eigentlich nur ganz normale und unproblematische Funktionen sitzen.

Neben den unzähligen Möglichkeiten, einen Programmierfehler zu machen, und der gleichzeitigen Unmöglichkeit, diese gigantischen Mengen an Code vollständig zu überprüfen, kommt schließlich sogar noch ein drittes Problem dazu - ein regelrechtes Killerproblem: Da der Bedarf nach neuen Features, neuen Funktionen und Spielzeugen am Markt wesentlich größer ist als der Bedarf nach Sicherheit, werden mit wesentlich größeren Geschwindigkeiten neue Programme und Gadgets entwickelt, als jemals überprüft werden können.

Während also an einer Stelle 100 Zeilen Code auf Fehler und Sicherheit überprüft werden, werden an einer anderen Stelle 10.000 Zeilen ungeprüfter Code neu geschrieben. Ein Produkt bringt mehr Profit, wenn es seine Basisfunktionen erfüllt und schnell am Markt ist. Sicherheit war bislang immer ein zeitaufwendiges, ungewolltes und zu vernachlässigendes Feature. Gerade dieser Umstand führt auch dazu, dass die IT-Sicherheit (trotz deutlich verstärkten Bemühungen in Wissenschaft und Industrie) seit Jahren kontinuierlich sinkt statt steigt.

Das ist unsere Ausgangslage: Wir haben eine IT, von der wir bis in die kleinste Verästelung unserer Gesellschaft abhängig sind und die zudem grundsätzlich unsicher und unbeherrschbar ist. Wir wollen die IT sogar in genau dieser unbeherrschbaren Form. Denn bei unserem aktuellen, verschwenderischen Gebrauch von Features, Apps und Add-ons können wir nicht einfach umschalten auf eine sichere IT, die geprüft ist und laufend überwacht werden kann, dafür aber eben nur aus einigen tausend Zeilen Code besteht statt aus einigen Millionen.

Gekürzter Auszug aus dem neu erschienenen Buch "Cyberwar. Das Wettrüsten hat längst begonnen", erschienen bei Goldmann.

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1. Cyberwar-Gefahr
endbenutzer 17.04.2012
Zitat von sysopOhne Computer geht nichts mehr - doch was passiert, wenn sie plötzlich ausfallen? Auf den digitalen Ernstfall sind wir kaum vorbereitet, im Gegenteil: Unsere IT-Systeme stecken voller fehlerhafter Codes. Hacker und militärische Angreifer haben es damit leicht, die Gefahr eines Cyberwar ist real. Cyberwar-Gefahr: Unsere verwundbare Gesellschaft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,827730,00.html)
Und wenn künftig immer mehr Menschen auf die Idee kommen, all ihre Daten und Fotos in irgendwelchen fragwürdigen „Clouds“ zu speichern, wird man sich im Fall des Falles im Klaren darüber sein müssen, dass das „Gedächtnis“ einer ganzen Zivilisation auf einen Schlag ausgelöscht werden kann. Oder anders gesagt: Was hält wohl länger – eine beschriftete Pergamentrolle oder eine Festplatte irgendwo im Cyberspace?
2.
atpsych 17.04.2012
...die Aufregung? Ob atomarer oder digitaler Krieg, ein Nerd wird gut aufpassen sich seine virtuelle Lebenswelt NICHT soweit zu zerstören, das er darin nach einem Angriff nicht mehr leben kann. Eigentlich schade, als Schmied und Holzofenbesitzer wär ich ganz froh, wenn das ganze Dienstleistungssystem mit DSDS-Lebenswerten zerhackt wird, damit die Leute sich schneller rückbesinnen auf das, was Menschlichkeit und Leben im Einklang mit der Natur heisst. Und da ihr iPhonejunlies mit allesaufeinmal-App die mit schlimmsten Feinde der zukünftigen Generationen seid, hoffe ich "it bangs as much as possible". Und der Finanzkrieg der seit Jahren geführt wird ist ja nur kapitalistische Schattenfechterei. Zuwenig Opfer. Und null gesellschaftliche Veränderung.
3.
Sleeper_in_Metropolis 17.04.2012
Man muß es doch nicht mal auf der Ebene von Hackern und Cyberwar betrachten : Bei fast allen Firmen ist das Verständniss für die Bedeutung der IT für das Unternehmen stark unterentwickelt. IT - das ist für die meisten der graue Kasten, der unter'm Tisch steht. Und wenn der nicht geht, kommt halt einer und stellt einen anderen grauen Kasten hin. Wie Komplex und vor allem Bedeutsam die Unternehmens- IT in Wirklichkeit ist interessiert kaum. Das sieht man auch an den Organisationsstrukturen innerhalt vieler Firmen : die IT ist meist ein organisatorisches Anhängsel irgendeiner anderen Abteilung, und jeder mittlere Entscheidungsträger darf dort hineinfuschen als gehe es nur darum, das Klopapier von einem anderen Lieferanten zu beziehen. Die IT wird halbtags von Irgendwem mit"betreut" (wenn dazu zeit bleibt), und das war's. Nötig wäre mal ein Republikweiter IT-Streikt für z.B. einen halben Tag, damit auch der letzte Bürohansel mitbekommt, was ein Unternehmen ohne IT noch machen kann - nämlich (fast) gar nichts.
4. Features
Arno Nühm 17.04.2012
---Zitat--- Da der Bedarf nach neuen Features, neuen Funktionen und Spielzeugen am Markt wesentlich größer ist als der Bedarf nach Sicherheit, werden mit wesentlich größeren Geschwindigkeiten neue Programme und Gadgets entwickelt, als jemals überprüft werden können. ---Zitatende--- Also ich wäre ja bei vielen Programmen, vom Betriebssystem bis zum Computerspiel echt mal froh wenn der Focus bei den Updates bzw. neuen Versionen mal weg von neuen Features und mehr Richtung Bugfixing gelegt würde.
5. Thema
freigeist1964 17.04.2012
Zitat von sysopOhne Computer geht nichts mehr - doch was passiert, wenn sie plötzlich ausfallen? Auf den digitalen Ernstfall sind wir kaum vorbereitet, im Gegenteil: Unsere IT-Systeme stecken voller fehlerhafter Codes. Hacker und militärische Angreifer haben es damit leicht, die Gefahr eines Cyberwar ist real. Cyberwar-Gefahr: Unsere verwundbare Gesellschaft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,827730,00.html)
Dann fallen sie halt aus! Dann macht man alles halt wieder MANUELL und dann liest man vielleicht mal wieder ein BUCH, wenn man sich langweilt oder kümmert sich um seine Kinder, statt seine Zeit sinnlos im Internet zu vergeuden! Die Welt wird davon jedenfalls nicht untergehen!
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  • Jörg Klaus
    Sandro Gaycken, geboren 1973, ist Technik- und Sicherheitsforscher an der Freien Universität Berlin. Er berät Unternehmen sowie zivile und militärische Institutionenund im In- und Ausland und ist in Gremien auf Bundes- sowie EU-Ebene tätig. Gaycken lebt in Berlin.

Buchtipp
Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

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