Debatte um Uploadfilter Das "Mauschelinferno" hinter der Copyright-Reform

Der neue Kompromiss zur EU-Urheberrechtsreform ist hoch umstritten. In seinem Podcast diskutiert Sascha Lobo Leser-Reaktionen - und spricht mit Julia Reda von der Piratenpartei, einer der größten Gegnerinnen des Entwurfs.

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Sascha Lobo: der Debatten-Podcast #79 - Streit über die Urheberrechtsreform: Wollt ihr Europa zerstören?

Kritiker halten die Entscheidung für den schlechtmöglichsten Kompromiss: Die EU-Mitgliedstaaten haben sich auf eine gemeinsame Position zur geplanten Urheberrechtsreform geeinigt. Umstritten sind insbesondere die Artikel 11 und 13, in denen einerseits ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger geregelt wird und anderseits die Haftbarkeit von Plattformbetreibern für urheberrechtlich geschützte Inhalte.

Wird der Vorschlag nicht noch auf den letzten Metern gestoppt, könnten, so fürchten die Kritiker, auf vielen Plattformen sogenannte Uploadfilter zum Einsatz kommen, die als teuer, aber auch unzuverlässig gelten.

Im Podcast zu seiner jüngsten Kolumne kritisiert Sascha Lobo die Reform. In seinem Text "Wollt ihr Europa zerstören?" hatte Lobo geschrieben, dass der Kompromiss "ein widerliches Mauschelinferno" darstellen würde und durch Lobby-Druck zustande gekommen sei. Die Artikel 11 und 13 würden denen schaden, denen sie nützen sollten: den Kreativen. "Sie werden wenig bis nichts bringen und zerstören im Gegenzug sehr viel", glaubt Lobo - wie das Vertrauen in eine sinnvolle EU-Politik.

Über die Folgen der Copyright-Reform diskutiert er mit Julia Reda, die für die Piratenpartei in der Grünenfraktion im EU-Parlament sitzt. Sie gilt als eine der bekanntesten Kritikerinnen insbesondere der Artikel 11 und 13.

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insgesamt 43 Beiträge
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Seite 1
Herr Knigge 17.02.2019
1. hört auf zu heulen
Oh nein, meine Gratisinhalte, die ein anderer teuer erstellt hat, sind nicht mehr gratis! Ich darf also jetzt nicht mehr klauen....Sehr tragisch. Natürlich hat Google, Facebook etc. für fremde Inhalte Abgaben zu zahlen! Deren Geschäftsmodell beruht auf Werbung, die nur über Reichweite funktioniert und Geld bringt. Und Reichweite wird durch gute und somit in der Regel nicht kostenfreie Inhalte erzeugt. Also haben sie dafür Abgaben zu zahlen. Punkt aus. Traurig genug, dass diese Erkenntnis sich erst nach über 10 Jahren (eigentlich noch viel länger) durchsetzt.
ollifast 17.02.2019
2. Beide Seiten
Ich finde es schon interessant, dass ausgerechnet der Spiegel, der ja irgendwie von Inhalten lebt, es nicht hinbekommt, Kritiker und Befürworter gemeinsam zu Wort kommen zu lassen. Ganz ehrlich: a) Die großen Plattformen haben bereits heute Filter, b) es betriftt dem Wortlaut nach auch nur große Plattformen, die mit dem Sharen von Inhalten kommerziell Geld verdienen. Also kein Forum, kein SPON, nichts dergleichen. c) Auch die Plattformbetreiber haben eine Lobby und die zieht gerade ein verdammt lautes Geschrei ab gegen die einfache Tatsache, dass der, der urheberrechtlich geschützte, mit viel Mühe erstellte Werke kopiert, dafür eine Lizenz braucht, sprich bezahlen darf. Das Geld möchten die US-Multis aber sparen, genau so wie die Steuern, und deshab die Kampagne. Dafür sollen dann die Schöpfer der Werke in die Röhre schauen. Einfach mal eines: Technisch kopiert der Plattformbetreiber. Und nicht der anonyme "User". Fertig. Die Richtlinie legt jetzt nur fest, dass jener halt dafür auch haftet. Wie er das löst, ob er Lizenzen erwirbt oder aufpasst, dass eben nicht illegal kopiert wird: Sein Problem. Und es wäre ja noch schöner, wenn der technisch ausführende Einbrecher sich auf einen anonymen Auftraggeber berufen könnte und das gestohlene Gut auch noch behalten dürfte. Nichts anderes fordern aber die Piraten und drum heißen sie auch so.
deufin 17.02.2019
3. Grafiker seit 20 Jahren...
Ich arbeite nunmehr seit 20 Jahren als Grafiker. Zuerst ganz klassisch in einer Werbeagentur und mittlerweile selbstständig. Ich finde die Copyright-Reform gut, denn sie versucht erstmals tatsächlich das Copyright im Netz zu schützen. Bisher konnte sich jeder Flegel einfach meiner Arbeit bedienen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, da es für mich als Einzelner einfach unmöglich ist überall meinen Rechtsansprüchen hinterherzurennen. Und dazu müsste ich es ja vor allem erst einmal mitbekommen. Wenn ich jetzt mein Wasserzeichen einfach irgendwo hinterlegen kann, welches dann automatisch in den Upload-Filtern angewendet wird, dann fände ich das äußerst praktisch. Das Geschrei, daß durch die neuen Regeln das Internet zerstört würde ist einfach nur lächerlich. Was zerstört wird ist die Möglichkleit mit anderer Leute Arbeit und Kunst Geld zu verdienen. 90% aller Uploads auf YouTube sind entweder ganz geklaut, oder beinhalten Inhalte Dritter, die kein Einverständnis zur Nutzung erteilt haben. Auch die News-Seiten müssen dann endlich mal eigene News schreiben, anstatt einfach nur die Artikel irgendwoher zu kopieren. YouTube, Google, facebook und Konsorten sehen Ihr Geschäftsmodell gefährdet, welches auf der illegalen Nutzung Inhalte anderer Menschen beruht. Die haben einfach kein Recht Geld mit meinen Texten, Bildern, Videos oder Musikstücken zu verdienen, wenn ich denen kein Einverständnis dazu gegeben habe. Uzugänglich werden die Dinge auch nicht werden, nur weil man sie nicht mehr ungestraft kopieren darf. Man muß dann eben direkt auf die Seite des Urhebers gehen, anstatt die Inhalte über Dritte angezeigt zu bekommen. Ich habe damit überhaupt kein Problem und werde dadurch keinerlei finanziellen Schaden erleiden.
DerBlicker 17.02.2019
4. das kann ich nur unterstützen
Ich bin und war immer dagegen Verbraucher (vor allem Kinder) zu kriminalisieren und wegen Downloads oder Uploads zu verklagen, denn man verklagt seine potentiellen Kunden nicht. Aber genau das vermeidet die neue Urheberrechtsreform, es wird niemand mehr verklagt, es werden einfach nur illegale Uploads vermieden bzw. aus dem Vekehr gezogen, sonst passiert nichts. Wenn jetzt die YouTube Plagiateure herumheulen, dass sie ihre Plagiate nicht mehr veröffentlichen können, das ist das nur dreist. Die Plagiateure und Youtube selbst dürfen mit ihren Plagiaten auf Youtube nichts mehr verdienen, keinen Cent, aus die Maus. Und das ist auch gut so.
Dia 17.02.2019
5.
Zitat von deufinIch arbeite nunmehr seit 20 Jahren als Grafiker. Zuerst ganz klassisch in einer Werbeagentur und mittlerweile selbstständig. Ich finde die Copyright-Reform gut, denn sie versucht erstmals tatsächlich das Copyright im Netz zu schützen. Bisher konnte sich jeder Flegel einfach meiner Arbeit bedienen, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen, da es für mich als Einzelner einfach unmöglich ist überall meinen Rechtsansprüchen hinterherzurennen. Und dazu müsste ich es ja vor allem erst einmal mitbekommen. Wenn ich jetzt mein Wasserzeichen einfach irgendwo hinterlegen kann, welches dann automatisch in den Upload-Filtern angewendet wird, dann fände ich das äußerst praktisch. Das Geschrei, daß durch die neuen Regeln das Internet zerstört würde ist einfach nur lächerlich. Was zerstört wird ist die Möglichkleit mit anderer Leute Arbeit und Kunst Geld zu verdienen. 90% aller Uploads auf YouTube sind entweder ganz geklaut, oder beinhalten Inhalte Dritter, die kein Einverständnis zur Nutzung erteilt haben. Auch die News-Seiten müssen dann endlich mal eigene News schreiben, anstatt einfach nur die Artikel irgendwoher zu kopieren. YouTube, Google, facebook und Konsorten sehen Ihr Geschäftsmodell gefährdet, welches auf der illegalen Nutzung Inhalte anderer Menschen beruht. Die haben einfach kein Recht Geld mit meinen Texten, Bildern, Videos oder Musikstücken zu verdienen, wenn ich denen kein Einverständnis dazu gegeben habe. Uzugänglich werden die Dinge auch nicht werden, nur weil man sie nicht mehr ungestraft kopieren darf. Man muß dann eben direkt auf die Seite des Urhebers gehen, anstatt die Inhalte über Dritte angezeigt zu bekommen. Ich habe damit überhaupt kein Problem und werde dadurch keinerlei finanziellen Schaden erleiden.
Bei den großen wäre das sicher machbar. Aber wie soll das z.b ein kleines Forum mit 100 Nutzern machen? Wenn es länger als 3 Jahre existiert wäre es ja auch betroffen. Auf den Forumsavatar könnte man ja verzichten. Aber es gibt dummerweise auch urheberrechtlich geschütztes Material das in Textform vorliegt. Woher soll hier der Filter kommen? Die können sich sowas doch nie im Leben leisten. Entweder machen die weiter wie bisher, sind in zukunft für alles, was ihre User posten haftbar-das wäre verrückt oder sie machen dicht-das ist das, was passieren wird. Böswillige Individuen/darauf spezialisierte Abmahnkanzleien spamen das Forum mit Urheberrechtsverletzungen zu und schicken im gleichen Moment die Abmahnung. Das das was wohl passieren wird. Und nun?
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