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Schweden: Razzia beim Ex-Hoster von The Pirate Bay

Vier Server soll die Polizei bei PRQ, dem ehemaligen Hoster von WikiLeaks und The Pirate Bay beschlagnahmt haben. Derzeit sind einige Torrent-Verzeichnisse offline.

   PRQ-Logo (Archiv-Seite aus dem Jahr 2011): Der schwedische Provider ist offline Zur Großansicht


PRQ-Logo (Archiv-Seite aus dem Jahr 2011): Der schwedische Provider ist offline

Stockholm - Mehrere Torrent-Verzeichnisse wie TorrentHound und Linkomanija waren am Montag offline. Grund dafür soll eine Razzia beim schwedischen Hostingunternehmen PeRiQuito (PRQ) sein, berichtet TorrentFreak.com. Es sollen auch mehrere Streaming-Seiten betroffen sein, die Sportereignisse live übertragen (und dafür nicht unbedingt Lizenzen haben).

In einem Interview mit der schwedischen Nachrichtenseite "Nyheter24.se" bestätigte PRQ-Geschäftsführer Mikael Viborg die Razzia, vier Server seien beschlagnahmt worden. Mit welchen der aus PRQ-Servern gespeicherten Seiten die Razzia in Verbindung steht, wisse er nicht, sagte Viborg der Nachrichtenseite.

Gegründet wurde PRQ 2004 von Fredrik Neij und dem derzeit inhaftierten Gottfrid Svartholm, die auch zu den Mitgründern von The Pirate Bay zählen. Bis August 2010 hostete das Unternehmen Seiten von WikiLeaks. Die "New York Times" schrieb über das Unternehmen, es hoste Websites, mit denen andere Firmen nicht in Berührung kommen wollen. Laut "New York Times" lagen unter anderem Portale für Pädosexuelle auf den PRQ-Servern. Von einem Journalisten auf diese Kunden angesprochen, antwortete der PRQ-Geschäftsführer im August: "Auch wenn ich verachte, was sie sagen, verteidige ich sie." PRQ arbeite nicht mit Behörden zusammen, es sei denn, der Firma blieb "keine andere Möglichkeit".

Eine weltweit beachtete Razzia gab es bei PRQ im Mai 2006, als die Polizei 180 Server beschlagnahmte, die angeblich zu The Pirate Bay gehören sollten. Darunter waren jedoch zahlreiche Server unbeteiligter Kunden. Zuletzt hatte PRQ nach Aussage Viborgs vor zwei Jahren Ärger mit der Polizei.

The Pirate Bay war am Dienstagvormittag ebenfalls offline, allerdings sollen beide Vorfälle nichts miteinander zu tun haben. "Liebes Internet, bei uns gab es keine Razzia", heißt es auf der Facebook-Seite von The Pirate Bay, "Wir machen nicht zu. Wir lieben Schildkröten, Waffeln und euch."

mbö

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Zum Autor
  • Natalie Stosiek
    Markus Böhm schreibt von München aus am liebsten über Medien und die Menschen dahinter. Als "Kioskforscher" setzt er sich voller ungesunder Begeisterung bloggend mit Zeitschriften auseinander.

Torrent-Technik: So funktioniert der Dateitausch
Es beginnt mit Torrent-Dateien, wie sie bei Pirate Bay angeboten werden. Diese Dateien beinhalten Links zu sogenannten Trackern, über die die BitTorrent-Software erfährt, welche Nutzer-Rechner (Clients) über die gesuchte Datei ganz oder in Teilen verfügen. Die Torrent-Datei ist also nur ein Verweis auf eine andere Datenquelle, die wiederum auf weitere Adressen verweist, an denen dann Daten zu holen sind.
Das Netzwerk zum Dateitausch entsteht nur zwischen den am Tausch beteiligten Rechnern, basierend auf den Informationen eines Tracker genannten Servers - der allerdings keine Daten verschiebt, sondern nur Verknüpfungen zwischen Rechnern mit vollständigen oder unvollständigen Kopien des jeweiligen Files herstellt.
Der eigentliche Dateiverteilungsvorgang läuft in diesem technischen Modell also nur über die Rechner der zu einem temporären Netzwerk miteinander verbundenen BitTorrent-Nutzer. Aus ihrer Sicht ist Pirate Bay keine Datenbank zum Abruf von Inhalten, sondern eher so etwas wie das Telefonbuch für Dateiquellen. Der Nachweis, dass eine Seite wie Pirate Bay direkt Anbieter urheberrechtlich geschützter Dateien sei, ist damit nicht möglich. Im bisherigen Prozess gelang noch nicht einmal der Nachweis, dass Pirate Bay selbst nicht nur Torrent-Dateianbieter sei, sondern auch Trackerfunktion im Netzwerk habe.
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