Snowden-Dokumente Spähwerkzeuge des kanadischen Geheimdienstes enthüllt

Snowden-Dokumenten zufolge hat der kanadische Geheimdienst CSE den USA bei Spähangriffen auf Rechner im Ausland geholfen. Dabei wurden offenbar auch europäische Netzwerke infiltriert.

CSE-Hauptquartier in Ottawa: Der kanadische Geheimdienst greift offenbar auf ein breites Angebot an Spionageprogrammen zurück
REUTERS

CSE-Hauptquartier in Ottawa: Der kanadische Geheimdienst greift offenbar auf ein breites Angebot an Spionageprogrammen zurück


Bisher ist Kanada bei den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden kaum in Erscheinung getreten. Doch nun zeigen geheime Dokumente, dass der kanadische Geheimdienst heimlich ein ganzes Arsenal an Spionagetools entwickelt hat, um Schnüffelsoftware auf Rechnern zu installieren und Telefongespräche zu belauschen. Das geht aus Berichten der Enthüllungsplattform "The Intercept" und der kanadischen Rundfunksendung "CBC News" hervor.

Die Dokumente stammen aus den Unterlagen des früheren Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. Einem aus 2013 datierenden Papier zufolge soll Kanada ein wichtiger Verbündeter der USA bei Spähoperationen sein und sich aktiv an Angriffen auf Netzwerke in Europa beteiligt haben. Außerdem sollen kanadische Agenten auch Computer in Mexiko und im Nahen Osten ausspioniert haben. Welche Techniken gegen die einzelnen Länder eingesetzt worden sind, geht aus den Dokumenten nicht hervor.

Laut den Medienberichten benutzt der kanadische Geheimdienst CSE ein "breites Angebot an mächtigen Programmen, um Computernetzwerke auszuforschen und zu attackieren". In einer CSE-Präsentation aus dem Jahr 2011 werden insgesamt 32 Methoden aufgelistet. Der Geheimdienst greift unter anderem auf Spionagesoftware zurück, die von US-Agenten der National Security Agency (NSA) entwickelt wurden. So sollen die Kanadier auch das Infiltrationsprogramm "Quantumtheory" eingesetzt haben.

Die NSA wollte sich gegenüber "The Intercept" nicht zu den Berichten äußern. Ein Sprecher des kanadischen Geheimdiensts sagte dem Portal, dass die Snowden-Dokumente "nicht unbedingt die aktuellen Praktiken des CSE widerspiegeln". Auf die Frage, welche Spionagetechniken nicht eingesetzt würden, wollte sich der Sprecher nicht äußern. Er verwies stattdessen auf das kanadische Gesetz, das diese Informationen als Staatsgeheimnisse deklariert.

jbr



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Immanuel_Goldstein 23.03.2015
1.
Das kanadische Gesetz gilt nur in Kanada, aber nicht in Europa. Wenn irgendein Kanadier auf europäischem Boden und gegen Europäer durch Spionage tätig wird, dann begeht er ein Schwerstverbrechen. Die Frage ist, warum die Merkel nicht längst den kanadischen Botschafter einbestellt hat. Das ist nun wirklich fällig. Wenn sich die Regierung weiter weigert, gegen Gesetzesbrecher vorzugehen, dann ist sie nicht mehr meine Regierung, denn es gilt das Grundgesetz - auch für Frau Merkel und ihre willfährige Entourage. Die Grund- und Menschenrechte sind auch nicht verhandelbar und können daher auch nicht pauschal irgendwelchen Sicherheitsinteressen untergeordnet werden.
julespryla 23.03.2015
2. Wenn ich
Kaugummis klaue, weiß jeder was passiert. oder auch wenn ich schwere Straftaten begehe. Die ganzen sogenannten Regierungen begehen schwerst Straftaten die auch noch bewiesen sind und es passiert gar nichts. Das nennt man heute einen Rechtsstaat. Wie abgehärtet wir heute sind. Ich nehme an, das die wenigsten heute noch etwas auf solche Veröffentlichungen geben, die meisten nehmen es einfach hin.
1besserwisser1 23.03.2015
3.
Vielleicht ist es auch an der Zeit das neue Parteien entstehen. Die alten Parteien waren 1949 bzw in den 80er groß. Deutschland braucht neue Volksparteien der Mitte, die auch das neue Nationalgefühl wiederspiegeln und nicht vor Obama und Putin kneifen. Unser System ist so korrupt, das unglaubliche 50% Wähler keine Hoffnung mehr haben und die stirbt bekanntlich zum Schluss! Das Grundgesetz ist unveränderlich und daran gibt es nichts zu beugen. Es sollte uns eigentlich schützen, aber die Rechtsbieger in Karlsruhe verhalten sich wie IS Imame die den Koran uminterpretieren. Nur biegen sie das GG!!
KaroXXL 23.03.2015
4.
Auch hier werden wohl bald wieder jene auftauchen die a) es ja eh gewusst haben und es für nicht so schlimm halten b) ja nichts zu verbergen haben und c) es toll und vorzeigedemokratisch finden da man ja immerhin drüber reden kann und darf (dass es aber absolut keine Konsequenzen gibt wird natürlich dabei ausgeklammert). Und alle dieser Typen möchten schnell zur Tagesordnung übergehen (uA. Griechenland und Russland beschimpfen und Big Brother als alternativlos anbeten). Wäre sowas in den 60ern und 70ern möglich gewesen oder haben wirklich alle resigniert??
götzvonberlichingen_2 23.03.2015
5. Hab da mal ne Frage
Geht es hier überhaupt noch um Aufklärung? Oder möchte man vielmehr die Leser binden? Alle paar Wochen lässt man sich herab und gibt ein paar Infos frei, die man geeignet genug hält. Vermutlich erfahren wir in Folge 234, dass die Dienste unsere PINs und TANs zentral bei der NSA gelagert werden. Aber ich verstehe, man muss die Spannung aufrecht erhalten, da kann man dem Leser nicht alles auf einmal zumuten.
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