Snowden-Dokumente NSA darf mehr überwachen, um nach Hackern zu fahnden

Um Cyberangreifer aus dem Ausland ausfindig zu machen, hat die NSA offenbar Extra-Befugnisse bekommen. Laut Medienberichten darf der Geheimdienst auch ohne richterliche Genehmigung die Datenströme im Netz genauer untersuchen.

NSA-Chef Michael Rogers: Geheimdienst darf verdächtigen Datenverkehr ausspähen
AFP

NSA-Chef Michael Rogers: Geheimdienst darf verdächtigen Datenverkehr ausspähen


Die amerikanische Regierung hat laut Medienberichten die Kompetenzen der NSA im Kampf gegen Cyberattacken stillschweigend ausgeweitet. Wie die "New York Times" und die Enthüllungsplattform "ProPublica" unter Berufung auf Snowden-Dokumente berichten, genehmigte das Justizministerium Mitte 2012 in zwei geheimen Schreiben zusätzliche Maßnahmen, um Hacker mit Verbindungen zu ausländischen Regierungen ausfindig zu machen. Die Überwachung fände innerhalb des Landes statt und benötige keine richterliche Genehmigung.

Die NSA dürfe demnach den Datenverkehr bestimmter Internetadressen untersuchen, wenn er auf eine Beteiligung ausländischer Regierungen an Computereinbrüchen hindeutet. Das Justizministerium hat der NSA laut den Berichten Spähaktivitäten im Zusammenhang mit möglichen Cyberattacken auch dann erlaubt, wenn keine eindeutige Spur zu einer ausländischen Regierung führe.

Geheimdienstkritiker vertreten den Standpunkt, dass jede Ausweitung der NSA-Kompetenzen öffentlich debattiert werden muss. Bürgerrechtler fürchten außerdem, dass die NSA auf Grundlage derartiger Zugeständnisse in Bereiche vordringe, die eigentlich anderen Behörden vorbehalten seien. Dies widerspreche der Aufgabe der NSA, sich auf Erkenntnisse über ausländische Aktivitäten zu konzentrieren.

"Ein gesetzliches Ziel des Auslandgeheimdienstes"

Die Nationale Geheimdienstdirektion (ODNI) erklärte, angesichts der wachsenden Gefahr durch Cyberattacken "sollte es keine Überraschung sein, dass die US-Regierung Erkenntnisse über ausländische Mächte sammelt, die versuchen, in US-Netzwerke einzudringen und private Informationen von US-Bürgern und Unternehmen zu stehlen". Mit den Aktivitäten verfolge die NSA "ein gesetzliches Ziel des Auslandsgeheimdienstes", erklärte ODNI-Sprecher Brian Hale.

Die USA haben nach eigenen Angaben zunehmend mit Hackerangriffen aus dem Ausland zu kämpfen. So wurde Ende Mai bekannt, dass unbekannte Hacker der US-Steuerbehörde IRS die Daten von rund 100.000 Steuerzahlern gestohlen und Millionen erbeutet haben. Nach Informationen des Fernsehsenders CNN führt die Spur der Cyberattacke nach Russland.

Bereits im Oktober waren Hackerangriffe auf Computersysteme des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums verübt worden, die Medienberichten zufolge ebenfalls aus Russland kamen.

Am Donnerstag wurde eine massive Cyberattacke auf die Personalverwaltung der US-Regierung bekannt, bei der persönliche Daten von bis zu vier Millionen aktiven und ehemaligen Regierungsangestellten abgegriffen worden sein könnten. Der Zeitung "Washington Post" zufolge soll China hinter der Attacke stehen.

juh/AFP/dpa/Reuters

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Freidenker10 05.06.2015
1.
Schon komisch, dass solcher Hackerangriffe immer dann öffentlich werden, wenn die Geheimdienste gerade gesetzliche Handhabe gegen solche Angriffe brauchen... Zufälle gibts...
schumbitrus 05.06.2015
2. Auf Glaubwürdigkeit der Spione hinweisen ..
Jaja, die bösen Russen müssen wieder dafür herhalten, dass die US-Spione mehr Befugnisse "brauchen". Natürlich kann niemand nachweisen, ob die Angriffe originär aus Russland kamen, ob es womöglich die Chinesen, die Israelis oder die Amerikaner mit einer False-Flagg-Aktion selber waren, um die Russen zu demoralisieren: "Seht her: Wir missbrauchen Euch, um unsere Befugnisse zu erweitern, weil wir Euch unseren Angriff in die Schuhe schieben konnten!". Der SPIEGEL sollte die Reife besitzen, bei solchen Artikeln die Unbeweisbarkeit und das stets vorhandene Missbrauchspotenzial eines solchen Themas zu Propaganda-Zwecken hinzuweisen. Irgendwie finde ich solche Artikel ganz lustig. Aber denkt den niemand an die älteren Leute? Die glauben so was doch 1:1 und verwandeln dann Vorsicht gegenüber Russland in Aversion. Das finden zwar die Spin-Doktoren der NATO oder der Atlantik-Brücke prima, aber das hat dann nix mehr mit Journalismus zu tun ..
kinngrimm 05.06.2015
3. Bock zum Gärtner
Wenn eines Tages dann auch noch rauskommt das die ersten und die meisten Attacken auf US Behörden von der NSA selbst gemacht wurden ... dann währe ich nicht überrascht. Es gibt keine Behörde in den USA die mehr Steuergelder zur verfügung hat. Selbst der Rüstungshaushalt wird hier in den Schatten gestellt. Die sind auf der Suche nach Feinden, heißt die haben keine und müssen Provozieren damit sie welche bekommen ... und dann woederum noch mehr Mittel um diese zu bekämpfen. Mehere Studien mittlerweile haben ausgesagt das die Abhöraktionen keinerlei Auswirkung auf die Terrorismusbekämpfung haben. D.h. 0, Null, keine Auswirkung.
managerbraut 05.06.2015
4. Die welche am lautesten heute jammern,
waren die welche den Cyberkrieg mit Stuxnet eröffnet und begonnen hatten, die USA und deren Geheimdienste. Die USA haben kein Recht sich zu beschweren, das sie heute mit gleichen Waffen im Cyberkrieg angegriffen werden den sie selber eröffnet hatten. Nicht nur in den USA sitzen Top Programmierer - Hacker - Agenten und fähige Geheimdienste. Über die verfügen heute auch andere größere Staaten, wie einige kleinere Staaten. Die USA waren und blieben bis heute die ersten und einzigsten welche Ende des 2.WK. Atombomben gegen Menschen, gegen Städte einsetzten. Die USA haben Krieg in Vietnam - Korea geführt, im Nahen Osten im Irak gleich 2x Angriffskriege geführt, in Afghanistan einen Angriffskrieg geführt. Für Destabilisierungen in Asien - Nahen Osten, wie die heutige Lage der Unruhen - Rebellionen - Umstürze - Staatsstreiche - Islamismus - Terrorismus sind die Ergebnisse - Resultate einer militanten US Politik und dank Merkel werden wir in diese US Politik immer tiefer hineingezogen.
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