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07. Dezember 2011, 08:59 Uhr

Software-Panne

Private Zuckerberg-Fotos aus Versehen bei Facebook

Für Facebook ist es höchst peinlich, für seinen Gründer Mark Zuckerberg erst recht: Ein Software-Fehler des Unternehmens machte Fotos diverser Facebook-Mitglieder öffentlich zugänglich - auch die seines Chefs. Inzwischen ist die Panne behoben, doch ein Nachspiel ist wahrscheinlich.

Hamburg - Die Software moderner Internetdienste ist immer ein work in progress, wird ständig bearbeitet, ge-updated, verändert - meist, ohne dass die Nutzer es überhaupt merken. Bei Facebook ist nun bei einem derartigen Update ein Fehler ins System gerutscht, der genau das ermöglichte, wovor Datenschützer in Bezug auf das Riesennetzwerk - über 800 Millionen Nutzer - warnen: Privateste Informationen waren für jedermann zugänglich. Zum Opfer des Fehlers wurde auch Facebooks Gründer Mark Zuckerberg.

Durch den Programmierfehler war es zeitweise möglich, in einigen Fällen an geschützte Bilder von Nutzern heranzukommen, wie Facebook am Dienstag bestätigte. Auch Zuckerbergs Privatfotos gerieten so ins Netz. Die Lücke sei inzwischen zunächst provisorisch geschlossen worden.

Der Einbruch funktionierte mit einem Trick, der vor kurzem veröffentlicht worden war. Dazu musste man laut US-Medienberichten zunächst ein öffentliches Bild eines Nutzers als anstößig melden. Danach wurde angeboten, noch weitere Fotos aus dem Profil als unangemessen zu markieren - dabei bekam man in einigen Fällen durch den Software-Fehler Zugang auch zu privaten Bildern. In einigen Fällen habe das funktioniert, in anderen nicht, berichteten unter anderem der Online-Dienst ZDNet und das Magazin "Forbes".

Facebook erklärte, der fehlerhafte Software-Code sei nur eine eingeschränkte Zeit online gewesen und habe lediglich eine limitierte Zahl jüngster Fotos unter Umständen offen zugänglich gemacht. Das System sei vorerst deaktiviert worden und werde wieder eingeschaltet, wenn der Fehler endgültig behoben sei.

Angesichts der vielen Debatten um den Datenschutz bei dem weltgrößten Netzwerk mit mehr als 800 Millionen Mitgliedern kommt es nicht überraschend, dass eine Reihe von Nutzern sich sofort Zuckerbergs Profil vornahm. Einige wurden offensichtlich fündig: Im Netz tauchen mehrere neue Privatfotos auf, auf denen er etwa beim Kochen oder mit einem Huhn in der Hand zu sehen ist. Das letztere Bild dürfte eine tiefere Bedeutung haben: Zuckerberg hat einmal erklärt, er esse nur Fleisch, wenn er das zu verzehrende Tier selbst getötet habe.

Die - wenn auch eingeschränkte - Software-Panne könnte für neue Spannungen mit deutschen Datenschützern sorgen, die Facebook ohnehin vorwerfen, zuviele Informationen zu sammeln und damit zu leichtfertig umzugehen.

Das Hämepotential des Netzes unterschätzt

Schon einmal hatten Privatfotos aus Zuckerbergs privatem Facebook-Profil im Netz kursiert - damals allerdings aufgrund einer bewussten Entscheidung des Gründers. Als Facebook im Dezember 2009 einmal wieder die Privatsphären-Einstellungen des eigenen Systems so lockerte, dass mehr standardmäßig öffentlich angezeigt wurde, wollte Zuckerberg mit gutem Beispiel vorangehen.

Damals schrieb Zuckerberg in seinem eigenen, privaten Profil: "Für alle, denen das aufgefallen ist, ich habe die meisten meiner Inhalte auf öffentlich umgestellt, so dass die Leute sie sehen können. Manches ist immer noch privat, aber ich sah keine Notwendigkeit, die Sichtbarkeit von Bildern zu begrenzen, die mich mit meinen Freunden, meiner Familie oder meinem Teddybär zeigen."

Zuckerbergs Privatfotos, etwa 290 Stück, waren daraufhin zunächst aber nicht für jeden sichtbar, sondern offenbar nur für "Freunde von Freunden" innerhalb Facebooks - aber das reichte vollkommen aus, um zu einer schönen Demonstration zu führen, warum manches eben lieber privat bleiben sollte. Stunden nach der Änderung wies der erste Blogeintrag darauf hin, und wiederum kurze Zeit später veröffentlichte das für seine Boshaftigkeit bekannte Silicon-Valley-Blog Valleywag eine Auswahl. "Unsere Lieblingsbilder" präsentierte Valleywag, mit dem hämischen Vermerk: "Wir wussten doch, dass dieses neue System für Tratschmäuler wie uns nützlich sein würde."

Zuckerberg hatte damals womöglich das Hämepotential des Netzes unterschätzt - auf diversen Seiten werden freudig Fotos vorgezeigt und kommentiert, die den Facebook-Gründer mit seiner Freundin zeigten, in Shorts und Badeschlappen beim Trinken neben einem großen Bierfass, oder mit freiem Oberkörper am Pool. Besonders populär wurde ein ganz besonderes Bild: Darauf ist der Milliardär in Schlafanzughose und Flauschpuschen zu sehen, im Arm den besagten Teddybär.

cis/dpa

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