Zugangsdaten erbeutet: Geheimdienst verhört mutmaßlichen SPD-Hacker

SPD, Nasa, Esa: Im Frühjahr twitterte ein Unbekannter, er habe viele Datenbanken in Europa und den USA geknackt und vertrauliche Informationen kopiert. Nun ist der Täter offenbar enttarnt, er soll ein 16-jähriger Franzose sein. Sein mutmaßliches Alter Ego auf Twitter schickte schon Abschiedstweets.

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DPA

SPD-Flaggen: Im Frühjahr konnten Hacker auf interne Datenbanken zugreifen

Der Hacker, der unter dem Pseudonym "Zyklon B" seit Monaten auf einem internationalen Daten-Raubzug war, ist offenbar enttarnt. Nach Informationen des SPIEGEL wird ein 16-Jähriger aus Nantes vom französischen Inlandsgeheimdienst vernommen. Es soll sich um jenen Hacker handeln, der im März von Rechnern der SPD mindestens 1900 Zugangsdaten erbeutet und teilweise veröffentlicht hatte.

Die Partei stellte damals Strafanzeige, die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt wegen "Ausspähung von Daten". Die Behörde hat den Fall nun nach Frankreich abgegeben.

Unter dem Twitter-Pseudonym "Zyklon B" prahlte der Hacker im Frühjahr auch mit erfolgreichen Angriffen auf Webpräsenzen der US-Raumfahrtbehörde Nasa, ihres europäischen Pendants Esa, der Autofirma Renault, der Universität Harvard, Seiten des US-Militärs und der thailändischen Marine sowie von Ministerien in Bahrain und Frankreich. Der Angreifer trat auch als Mitglied einer Gruppe namens "The Unknowns" in Erscheinung. Bisher ist unklar, ob es sich um einen Einzeltäter handelt oder ob es Helfer gab. Zum Beweis ihrer angeblichen Taten stellten die Unbekannten Login-Daten, erbeutete Dateien und Screenshots ins Netz, die von den gehackten Seiten stammen sollen.

Über den Twitter-Account "BZyklon" verbreitete der mutmaßliche Hacker damals eine Anleitung zum Ausnutzen von Schwachstellen bei SQL-Implementierungen. Bei einer sogenannten SQL-Injection wird eine Datenbankabfrage abgeändert, um einen weitergehenden Zugriff zu erhalten. Eigentlich sollen Programmroutinen das verhindern.

Der letzte von "Zyklon B" veröffentlichte Tweet stammt vom vergangenen Freitag. Da schrieb er: "Ein Rat an andere Hacker: Seid vorsichtiger als ich es gewesen bin." Zuvor dankte er seinen Followern und verabschiedete sich: "Ich höre mit dem Hacken auf und muss jetzt ein normales Leben führen. Bye."

mro

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insgesamt 13 Beiträge
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1.
twan 02.07.2012
Schön, dass unsere Strafverfolgungsbehörden so viel Sinnvolles mit ihrer Zeit und meinem Geld machen. Statt dieses Scriptkiddies hätte man mal 10 Wirtschaftskriminelle fassen können. Aber nein, das sind ja diejenigen mit Lobby und Geld, ich vergaß. Gut gemacht, mission acclompished und so
2. schlechte Lobbies muten einem Teenager zuviel zu ...
dschinn1001 02.07.2012
Dieser kleine Franzose war wohl nicht anonym. Aber was eine schlechte Lobby (politische Parteien) einem Teenager derart zumuten, das wuerde selbst der "guten Mafia" nicht einfallen. Wer Sicherheits-Loecher nicht selbst stopft, ist selbst schuld - und nicht wie in diesem Fall der kleine Franzose. Wer sein Fahrrad nicht abschliesst, muss damit rechnen, dass sich jemand anders das Fahrrad einfach ausleiht.
3. die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt wegen
fragel 02.07.2012
Nun bin ich ja gespannt , was daraus wird. Immerhin müsste ja auch eine Strafanzeige gegen die Bundesregierung wegen vorsätzlichen Verstosses gegen das Grundgesetz laufen. Die Bundesregierung gibt Daten an die Amerikaner weiter , damit wird das Bankgeheimnis und auch das Postgeheimnis vorsätzlich missachtet . Ebenso , wie die sogenannten Sicherheitsorgane Handyüberwachungen vornehmen , obwohl das ja nur nach Weisung eines Richters im begründeten Falle legal wäre. Also kann man die Sicherheitsorgane mit Kriminellen auf eine Stufe stellen.
4. EADS und Harvard ...
dschinn1001 02.07.2012
... sind auch nicht irgendwelche kleine Verwaltungen aus der Provinz. Von der Datensicherheit her, sind sie aber nicht besser als manche Provinz. Wenn jemand so uebermuetig ist und das schafft, sie zu ueberlisten ... dann muss er entweder mitarbeiten, oder wird weichgekocht, erpresst, arbeitslos usw. Aber das die SPD sich versteigt, auf das Niveau von solchen Lobbies in der Grauzone von Geheimdiensten ... und mit Kanonen auf einen Teenager schiessen will, das macht das Bild von Politikern insgesamt noch fragwuerdiger.
5.
twan 02.07.2012
Zitat von dschinn1001... sind auch nicht irgendwelche kleine Verwaltungen aus der Provinz. Von der Datensicherheit her, sind sie aber nicht besser als manche Provinz. Wenn jemand so uebermuetig ist und das schafft, sie zu ueberlisten ... dann muss er entweder mitarbeiten, oder wird weichgekocht, erpresst, arbeitslos usw. Aber das die SPD sich versteigt, auf das Niveau von solchen Lobbies in der Grauzone von Geheimdiensten ... und mit Kanonen auf einen Teenager schiessen will, das macht das Bild von Politikern insgesamt noch fragwuerdiger.
Nun ja, es ist ja keine keine Hexenkunst, was der junge Mann da gemacht hat. Ein Angriff über eine sql injection. Alleine über eine Suche über diesen Begriff zeigt mir an 5ter Stelle Tutorial Videos und auch ansonsten viele (englische) Anleitungen. Da ist also nicht unendlich viel mit Übermut, sondern es gehören ein paar Admins gefeuert. Ansonsten stimme ich mit ihnen Überein, das Kanonen auf Teenies ist ein gutes Bild. Mal gespannt, ob die USA noch eine Auslieferung ersuchen, weil in Guantánamo ein Platz frei ist.....
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