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Spendenboykott: Filmindustrie droht Obama wegen Sopa-Rückzug

US-Präsident Barack Obama soll das umstrittene Internet-Sperrgesetz Sopa unterstützen, fordert der Chef des Filmindustrieverbandes MPAA. Ansonsten müsse Obama auf Wahlkampfspenden aus Hollywood verzichten.

Hollywood-Schriftzug: Liebesentzug für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten? Zur Großansicht
AFP

Hollywood-Schriftzug: Liebesentzug für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten?

Köln - Nachdem angesichts massiver Proteste die politische Unterstützung für das geplante Anti-Piraterie-Gesetz Sopa wegbricht, gibt sich die US-Filmindustrie vergrätzt. Der Chef des Filmindustrieverbandes MPAA Chris Dodd gilt als einer der Hauptlobbyisten für den Gesetzentwurf. Nach dessen vorzeitigem Aus warnte er in einem Interview mit dem TV-Sender Fox vor einem "Gegenschlag" Hollywoods, den die US-Politik fürchten müsse. An Präsident Obama, dessen demokratischer Senatskollege Dodd einst gewesen war, erging die Warnung, "halten sie uns nicht für selbstverständliche" Unterstützer.

Um dann unmissverständlich nachzusetzen: "Wer auf die Unterstützung 'Hollywoods' zählt, muss begreifen, dass die Filmindustrie sorgfältig darauf achtet, wer für sie eintritt, wenn Jobs in Gefahr sind. Bitten sie mich nicht, einen Scheck auszustellen, wenn ihr Arbeitsplatz auf dem Spiel steht und es ihnen egal ist, wenn mein Arbeitsplatz auf dem Spiel steht."

Der öffentliche Aufschrei folgte prompt und ebenso unmissverständlich. Da habe Dodd wohl nicht verstanden, was gerade geschehe, kommentierte "TechDirt" und fasste die Äußerungen des Verbandschefs mit der Schlagzeile zusammen: "Die MPAA bedroht öffentlich und direkt Politiker, die nicht korrupt genug sind, um sich kaufen zu lassen". Damit habe Dodd nur klargestellt, was viele Leute bislang nur vermutet hätten. Aber ein dermaßen krasses Beispiel für Korruption und Geld-für-Politik angesichts einer höchst verärgerten Öffentlichkeit zu geben, sei wirklich eine unglaubliche dumme Reaktion.

"Politico" befand nüchtern, Dodds erster Einsatz als Cheflobbyist der Filmindustrie sei "ein Flop" gewesen. Und erklärt auch gleich, wieso: Sein Zusammenstoß mit dem Internet habe die Stärke einer bisher ungekannten Größe gezeigt. Wenn die Online-Community sich mit Millionen Internetnutzern einmische, verändere sich das Ringen um Einfluss in Washington grundsätzlich.

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Anti-Sopa-Protest: Das Netz trägt schwarz
Nicht viel besser fiel die Einschätzung vom Branchendienst Cinemablend aus. Dodd sei ins Fernsehen gegangen, um die Politiker zu bedrohen, die er bezahlt habe. So unmissverständlich seine Äußerungen seien, so unmissverständlich auch der Irrtum des Verbandsmannes über die Natur von Wahlkampfspenden. Würde jemand Leute mit der Erwartung finanzieren, zu tun, was immer er wolle, "dann nennt man das Bestechung".

meu

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Ich nenne es einen öffentlichen Erpressungsversuch
huberwin 23.01.2012
Hier müßte dann eigentlich der verantwortliche der Filmindustrie wegen Erpressung zur Korruption angezeigt werden. Ein Lobbyist bedroht öffentlich die Politik mit Folgen, wenn sie nicht gegen Geld handelt. Da ist die FDP ja noch harmlos, sie macht es nichtöffentlich (siehe Mövenpickspende, Pharmaspenden,Bankenspenden usw.)
2. hm
johann_krautmann 23.01.2012
Was hierzulande die Staatsanwaltschaft auf den Plan rufen würde, schafft es überm großen Teich wahrscheinlich nicht mal als Randnotiz in die Zeitung.
3. Korrupte USA
Michael-Kreuzberg 23.01.2012
Zitat von sysopUS-Präsident Barack Obama soll das umstrittenen Internet-Sperrgesetz Sopa unterstützen, fordert der Chef des Filmindustrieverbandes MPAA.*Ansonsten müsse Obama*auf Wahlkampfspenden aus Hollywood verzichten. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,810723,00.html
Wenn es noch irgendeinen Beweis bedurft hätte, dass die amerikanische Politik durch die Art des Wahlkampfes (extrem hohe Kosten) und der Finanzierung durch sogenannte Spenden ein durch und durch korruptes System ist, dann ist es mit dieser Aussage erbracht. Demokratie? Nein es ist wohl eher die Diktatur des Kapitals der Wallstreet, der Oelindustrie und Hollywoods. USA ein Vorbild? Ja aber kein Positives. Ich bin nun gespannt was in den USA daraufhin geschieht, wahrschein nichts.
4.
DrStrang3love 23.01.2012
Wow. Da hat Chris Dodd aber einen Christoforo (http://kotaku.com/5871479/pr-trolling-ocean-stratagy-out-of-business-avenger-controller-maker-asks-for-forgiveness) hingelegt - und eines der dümmsten Argumente, warum die Filmindustrie soooo unglaublich notleidend ist, [url="http://www.foxnews.com/politics/2012/01/19/exclusive-hollywood-lobbyist-threatens-to-cut-off-obama-2012-money-over-anti/"]geliefert[url]: ---Zitat--- Dodd, who became CEO of the Motion Picture Association of America after leaving the Senate in 2011, noted the movie "Avatar" was stolen by online pirates 21 million times. Such acts, he said, threaten to decimate his industry. ---Zitatende--- Nur kurz zur Erinnerung: "Avatar" ist der Film mit den höchsten Einspielergebnissen aller Zeiten von fast *2,4 Milliarden US-Dollar* (http://www.imdb.com/title/tt0499549/business). Da hat die Filmindustrie bestimmt schlimm drunter gelitten, dass der Film nicht drei oder vier Milliarden eingespielt hat...
5. Auch in D sind Wahlskampfspenden u.a.
Niamey 23.01.2012
Zitat von sysopUS-Präsident Barack Obama soll das umstrittenen Internet-Sperrgesetz Sopa unterstützen, fordert der Chef des Filmindustrieverbandes MPAA.*Ansonsten müsse Obama*auf Wahlkampfspenden aus Hollywood verzichten. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,810723,00.html
eher ein Schritt richtung Korruption! Das sollte acuh bei uns "komplett" verboten werden, denn man sieht ja ganz klar wohin der eigentliche Gedanke des Spenders läuft. Jeder kleine Bedienstete des Bundes und der Länder bekommt jährlich eine Belehrung über die Folgen von Korruption im Amt. Da stehen Jahre von Knast, der sofortige Verlust der Rentenansprüche und sonstiges Ungemach drauf! Weshalb dürfen Lobbyisten bei Politikern ungestraft ein und ausgehen und dort Schecks für hehere Ziele (Sommerfeste, Parteiveranstaltungen etc.) abliefern. Hoffentlich wird dem im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ei Riegel vorgeschoben und der Mann in den Knast gesteckt.
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  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.



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